Amazon-Chef Jeff Bezos

30 Jahre Computerhandel So erkannte Jeff Bezos die Macht der Algorithmen

von von Thomas Spinnler

Stand: 29.10.2018, 06:45 Uhr

Heute dominiert der Computerhandel den Handel mit Aktien - und Algorithmen dominieren den Online-Handel. Amazon-Chef Jeff Bezos ist der reichste Mensch der modernen Geschichte. Doch wie fing alles an? Und wie hängt das eine mit dem anderen zusammen?

Es gibt Begegnungen, die ein Leben prägen können. Und manchmal begegnen sich Menschen, die dann das Gesicht der Welt auf ihre Weise prägen. Eine solche Begegnung fand im Jahr 1990 zwischen Jeff Bezos und David E. Shaw statt. Es sind zwei Dinge die wir diesen beiden Männern verdanken. Den Beginn des Computerhandels an den Börsen und den Onlinehändler Amazon.

David Shaw arbeitete als Computerwissenschaftler an der Columbia University. Im Jahr 1986 heuerte er bei der US-Investmentbank Morgan Stanley an, um sich schließlich vor 30 Jahren im Jahr 1988 mit einem Startkapital von 28 Millionen Dollar selbstständig zu machen. Seine Idee: Warum nicht Investment-Entscheidungen vom Computer treffen lassen? Was heute praktisch Standard ist, war damals in der Frühzeit des Computerzeitalters noch ein frischer Gedanke.

David E. Shaw

David E. Shaw. | Bildquelle: D. E. Shaw & Co

Seltsame Vögel, still im Nest sitzend

Shaws Ziel war: Vorsprung durch Technik. Mittels hochkomplizierter mathematischer Modelle und Algorithmen sowie modernster Computertechnologie sollten Anlageentscheidungen getroffen werden, quantitatives Portfolio-Management.  Außerdem war der Plan, dass Rechner automatisch und schnell Preisdifferenzen erkennen und ausnutzen, um Rendite zu schöpfen. Die Dinge begannen sich in Richtung des modernen Hochgeschwindigkeitshandels zu entwickeln. Sein erstes Büro soll Shaws Firma D.E. Shaw & Co. über einem kommunistischen Buchgeschäft in New York bezogen haben. Heute arbeiten weit mehr als tausend Menschen für seinen Hedgefonds.

In einem Firmen-Porträt aus dem Jahr 1996 beschreibt CNN Money das Unternehmen als die fesselndste und geheimnisvollste Macht an der Wall Street. Es sei ein Nest von Mathematikern und Computerspezialisten, die Profit aus Weltgegenden schröpften, die die meisten anderen Menschen nicht einmal beachten würden. Man habe sich gefühlt wie im Lesesaal der Library of Congress beschreibt ein Zeitzeuge die Atmosphäre.   

Was ist Computerhandel?

Von Computern gesteuerte Handelsprogramme haben an den Märkten einen riesigen Einfluss. Die so genannten Algotrader reagieren rasend schnell auf Schlagzeilen und Daten und bringen mit ihren Orders die Kurse von Unternehmen, Branchen und Märkten in Bewegung. Die Kauf- oder Verkaufsorder funktionieren automatisch und basieren auf Preis, Handelsvolumen oder Nachrichten. Andere Programme suchen auf dem Markt nach minimalen Preisunterschieden ab, um davon zu profitieren.

Millionen von Büchern in der digitalen Welt

Ob diese Stimmung Jeff Bezos auf die Idee gebracht hat, Bücher über das Internet zu verkaufen? Der Computerwissenschaftler war einer der frühen Mitarbeiter bei D.E. Shaw und stieß 1990 zu der Truppe. Dort lernte er die Macht der Algorithmen kennen und war unter anderem damit beschäftigt, die geschäftlichen Möglichkeiten auszuloten, die eine Erfindung namens Internet bietet.  

Ihm sei aufgefallen, dass das Internet jedes Jahr um2.300 Prozent wachse, sagte er im Jahr 2010 bei einer Rede in Princeton, seiner Alma Mater. „Die Idee, ein Online-Buchgeschäft zu entwickeln mit Millionen von Titeln, also etwas, das in der physischen Welt einfach nicht existieren kann, war aufregend für mich.“

Bücherstapel auf der Frankfurter Buchmesse.

Amazon: Gestern Bücher, heute fast alles . | Quelle: picture-alliance/dpa

Den unsicheren Weg gehen – aber den eigenen 

Er sei zu Shaw gegangen, habe mit ihm einen langen Spaziergang im New Yorker Central Park gemacht und habe ihm von der Idee erzählt. „Das klingt nach einer wirklich guten Idee, aber es wäre eine noch bessere Idee für jemanden, der nicht bereits einen guten Job hat“, antwortete Shaw.  Bezos musste also eine schwierige persönliche Entscheidung fällen. Wir wissen, wie sie ausfiel und wir wissen, dass es die richtige war: 1994 gründete Bezos Amazon, heute ist er mit einem Vermögen von 112 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt.   

Auch für Shaw ist es nicht übel gelaufen. Mit einem Vermögen von 6,3 Milliarden Dollar belegt er aktuell Platz 265 der Forbes-Reichenliste. Auf der Liste der meistverdienenden Hedge-Fonds-Manager 2018 ist der Selfmade-Milliardär auf Rang elf. Bei einer solchen Rangliste kann man nicht behaupten, dass der zweite schon der erste Verlierer ist.

Börsenhändler sitzt vor zahlreichen Computermonitoren

Wer handelt? Ein Händler oder ein Computer? . | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Beide haben sich mit ihren Ideen durchgesetzt. Eine Welt ohne Onlinehandel ist heute kaum mehr vorstellbar. Der Börsenhandel auch nicht. Die US-Investmentbank JPMorgan schätzte in einer Studie aus dem Jahr 2017, dass rund 90 Prozent des Handels aus quantitativem Investieren bestehe, basierend auf Computerformeln - und aus dem Handel zwischen Computern.      

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