Shane Parrish

Ein Blog für Banker & Investoren Shane Parrish: Weisheiten für die Wall Street

von Thomas Spinnler

Stand: 25.01.2019, 06:45 Uhr

Einer der aktuell wohl wichtigsten Influencer an der Wall Street ist Shane Parrish. Früher war er Computerexperte beim kanadischen Geheimdienst, heute ist er ein äußerst einflussreicher Blogger. "Upgrade Yourself" lautet sein Motto, rund 80 Prozent seiner Follower arbeiten an der Wall Street.

Früher las man gelegentlich die These, der Mensch nutze nur zehn Prozent seines geistigen Potenzials. Was wäre die Welt wohl für ein Ort, wenn wir tatsächlich die vollen 100 Prozent erreichen würden? Wären wir Menschen dann glücklicher? Da es ist ziemlich anspruchsvoll ist, die Welt zu ändern, knöpfen sich viele Menschen zunächst einmal sich selbst vor. Selbstoptimierung ist das moderne Stichwort und über soziale Medien fordern uns Influencer und Blogger dazu auf, uns upzugraden.

Auch Banker und Finanzleute sind natürlich daran interessiert, immer besser zu werden. An der Wall Street wird deshalb mit Begeisterung der Blog „Farnam Street“ gelesen, „Upgrade Yourself“ lautet dessen Motto.    

Wall Street mit Blick auf die New York Stock Exchange

Wall Street. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

„Upgrade yourself“

Farnam Street ist die Erfindung des 39-jährigen Shane Parrish, der nicht allzu viel über sich preisgeben kann oder will, denn er hat als Computerexperte für den kanadischen Geheimdienst gearbeitet. Mittlerweile ist er hauptberuflich als Blogger unterwegs. Parrish will seinen Lesern dabei helfen, ungenutztes Potenzial zu heben. Seine Ziele sind ambitioniert: Der Blog soll dabei unterstützen, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie die Welt wirklich funktioniert, liest man dort. Ist das denn bereits bekannt?

Ferner solle man via „Farnam Street“ lernen, durch regelmäßiges strategisches Lesen bessere Entscheidungen zu treffen, und schließlich - ein besseres Leben zu führen. Dabei komme es laut Parrish eben nicht auf das Tempo an, entscheidend sei die richtige Richtung, um ein selbstbestimmtes Dasein zu führen. Die sogenannte Lebenskunst ist Teil des Programms, für bis zu 250 Dollar Jahresbeitrag können Interessierte auch Teil der „Learning Community“ werden.  

Besser fragen, besser nachdenken, besser handeln

Mehr als 185.000 Menschen haben seinen wöchentlichen Newsletter „Brain Food“ abonniert. Rund 80 Prozent seiner Follower arbeiten an der Wall Street. Was fasziniert die Finanzbranche so an diesem Thema? Die Frage nach den richtigen Entscheidungen betrifft Wall Streeter natürlich in besonderer Weise.  

händler an der New York Stock Exchange

New York Stock Exchange: "Besser fragen, besser nachdenken, besser handeln". | Bildquelle: picture alliance / newscom

Die "New York Times" (NYT) hat sich jüngst näher mit dem Blogger befasst. „Wir versuchen die Leute dazu zu bringen, sich selbst bessere Fragen zu stellen und besser nachzudenken“, so Parrish gegenüber der Zeitung. Wenn das gelinge, sei man in der Lage, mit dem Tempo der ständig wechselnden Umstände umzugehen. „Wer heutzutage nicht besser wird, fällt zurück“, stellt Parrish fest.

Vielleicht ist es einfach der menschliche Faktor, der auf die Player der Finanzbranche anziehend wirkt. An der technisch hochgerüsteten Wall Street hat der Computer mittlerweile viele Aufgaben übernommen. Umso wichtiger werden die strategischen Entscheidungen, die allein der Mensch treffen kann.

Buffetts Kumpel Munger als Lehrmeister

Zu den berühmtesten Lesern gehört der aktivistische Investor Daniel Loeb, der die Weisheiten von Farnam Street gerne goutiert. Und der Hedgefonds-Manager Ray Dalio machte jüngst gemeinsam mit Parrish einen Podcast, wie die "NYT". Der Boss von Bridgewater hatte 2018 ein sehr erfolgreiches Jahr.

Ray Dalio

Ray Dalio. | Bildquelle: picture alliance/AP Images

Der Name des Blogs „Farnam Street“ ist übrigens eine Huldigung für Warren Buffett, dessen Unternehmen Berkshire Hathaway in der Farnam Street in Omaha liegt. Parrish sei inspiriert gewesen von den Schriften von Buffetts Kompagnon Charlie Munger, als er sich selbst mit dem Thema Entscheidungsfindung befasst habe, schreibt die "NYT". So ganz ohne Bezug zum Finanzmarkt ist der Blog demnach nicht.

Was dürfen wir also erwarten, wenn Tausende aus der Finanzbranche ihr Potenzial dank „Farnam Street“ optimal ausschöpfen und sich upgraden? Auf jeden Fall eine Welt mit einer Wall Street - und das ist für Parrishs Follower bestimmt eine gute Nachricht.