Goldene Krone

Studie zur US-Börsenaufsicht SEC-Mitarbeiter sind die Short-Könige

Stand: 19.12.2017, 14:35 Uhr

Das könnte die amerikanische Börsenaufsicht SEC in Erklärungsnot bringen. Mitarbeiter der gefürchteten Behörde entpuppen sich als überdurchschnittlich gute Verkäufer an der Börse. Das hat eine wissenschaftliche Studie ergeben, die Fragen aufwirft.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zwei Wissenschaftler haben herausgefunden, dass SEC-Mitarbeiter mit ihren Geschäften auf eigene Rechnung überdurchschnittlich hohe Renditen erzielen.

Vor allem beim Verkauf besonders gut

Anleger im Gespräch

Kein Zweifel: SEC-Mitarbeiter sind oft besser informiert. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Dabei fällt auf, dass die Gewinne hauptsächlich aus Verkaufsaufträgen erzielt werden. Vor allem das perfekte Timing der Verkäufe sticht ins Auge. "Die Verkäufe scheinen systematisch die Aufdeckung schlechter Nachrichten zu vermeiden", so die beiden Wirtschaftswissenschaftler Shivaram Rajgopal von der New Yorker Columbus University sowie Roger White von der Arizona State University. Bei Käufen schneiden die Behördenmitarbeiter hingegen nicht besser oder schlechter ab als Otto Normalverbraucher.

Konkret errechneten die beiden Wissenschaftler zwischen 2009 und 2011 eine risikoadjustierte Rendite von vier Prozent über alle Wertpapierarten aus. Dies basierend auf einem Portfolio, das 7.000 Transaktionen von 3.500 SEC-Mitarbeitern abbildet. Bezogen auf US-Papiere waren es sogar 8,5 Prozent, die Gesamtrendite lag bei 6,0 Prozent. Dies sei vergleichbar mit ungewöhnlich hohen Renditen aus Insidergeschäften, so die Wissenschaftler.

"Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die SEC vom Kongress damit beauftragt ist, Insiderregeln gegen Firmenverantwortliche oder andere Marktteilnehmer durchzusetzen, finden wir die außergewöhnlich hohen Gewinne bemerkenswert", schreiben Rajgopal und White vielsagend.

Ursachenforschung

Capitol in Washington, USA -  Sitz des US-Kongresses

Capitol in Washington, USA. | Bildquelle: Imago

Ein Grund für die Erfolge an der Verkaufsfront könnte ausgerechnet ein US-Bundesgesetz sein. Es schreibt vor, dass Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde Aktien von den Firmen verkaufen müssen, die von ihnen geprüft werden. Dies als Reaktion auf einen Fall, in dem zuvor Mitarbeiter gegen Regularien im Haus verstoßen hätten und der im Jahr 2009 aufgedeckt worden war. Darauf wies die SEC hin.

"Wir sind besorgt, dass diese Regelungen dazu führen, dass Mitarbeiter gezwungen werden, Aktien auf der Basis nicht-öffentlicher Informationen zu verkaufen. Denn praktisch alle Ermittlungen der SEC sind nicht-öffentlich", so die Forscher.

Beide machten sich trotzdem auch auf die Suche nach den Ursachen für die großen "Verkaufserfolge" der SEC-Mitarbeiter. Dabei haben sie folgende Möglichkeiten als möglich erachtet. Entweder haben diese einfach nur Glück gehabt, oder es lag an der betrachteten Periode. Theoretisch wäre beides möglich, systematische Aufzeichnungen der Behörde vor 2009 gibt es aber nicht.

Auch das hohe Fachwissen der Mitarbeiter, sowohl juristisch als auch über die Börse oder Bilanzierungsvorschriften könnte ein Grund sein. Theoretisch auch möglich, aber warum gab es die Erfolge dann nicht auch auf der Kaufseite?

Berechtigte Fragen, aber beweisen können die Autoren nichts. Denn die ihnen von der SEC nach dem FOIA (Freedom of Information Act; eine Rechtsvorschrift zur Informationsfreiheit in den USA, die jedem Bürger das Recht zugesteht, staatliche Dokumente einzusehen) zur Verfügung gestellten Daten listen keine Einzelnamen oder die Häufigkeit von Transaktionen auf. Ein Geschmäckle bleibt daher.

"Es gibt viele Beispiele, wo es Mitarbeitern verboten ist, Aktien zu halten. Etwa bei der Presse, bei Analysten in Banken oder Anwaltskanzleihen. Ich verstehe nicht, warum SEC-Mitarbeiter überhaupt Aktien halten dürfen", sagte Rajgopal zur Nachrichtenagentur Bloomberg. Selbst wenn die Geschäfte legal und im Volumen gering seien, mache sich die SEC damit angreifbar, so der Experte weiter.

rm