Mohammed bin Salman

Vorher ausgestiegen Saudis verpassen Tesla-Rally

Stand: 05.02.2020, 12:01 Uhr

Wie peinlich ist das denn? Der saudische Staatsfonds PIF hat fast seine gesamten Anteile, gut acht Millionen, am E-Autobauer Tesla verkauft - vor der jüngsten Rally. Auch andere Beteiligungen an Techfirmen gingen offenbar gründlich daneben.

Als der saudische Staatsfonds PIF (Public Investment Fund) im August 2018 zwei Milliarden Dollar in den US-Elektroautobauer Tesla steckte und damit einen Anteil von gut 4,9 Prozent erwarb, wurde der Schritt von den Saudis als Investition in die Zukunft gefeiert.

Und nun das: Wie der amerikanische Nachrichtensender CNBC unter Berufung auf Insider berichtet, haben sich die Saudis im vierten Quartal 2019 von 99,5 Prozent ihrer Tesla-Papiere getrennt - also bevor die Aktie zu ihrem Höhenflug ansetzte. Tatsächlich hat sich der Kurs seit Dezember beinahe verdreifacht.

Engagement mit Verlust?

Die Aktien hätten nach der jüngsten Rally einen Wert von mehr als sieben Milliarden Dollar gehabt. Nun ist der Fonds etwa zu dem Preis ausgestiegen, zu dem er die Papiere eineinhalb Jahre zuvor gekauft hatte. Berücksichtigt man den Preis für die Absicherungspositionen, die der Fonds zeitweise eingegangen war, um sich vor einem Absturz der Tesla-Papiere abzusichern, hat er sein Engagement nun möglicherweise mit einem Verlust beendet.

Kleiner Trost: 39.000 Aktien von Tesla soll der Fonds nach CNBC-Angaben behalten haben. Sie waren zuletzt 34,6 Millionen Dollar wert. Warum sich der Staatsfonds vom Großteil seiner 4,9 Prozent an Tesla getrennt hat, ist nicht bekannt.

Riesenverlust bei Softbank

Allerdings war das Verhältnis zwischen dem Staatsfonds und Tesla-Chef Elon Musk längere Zeit angespannt. Zumindest stieß der via Twitter verkündete Plan von Musk, das Unternehmen wieder von der Börse zu nehmen, bei den Saudis auf Ablehnung.

Doch auch mit anderen Engagements in der Techbranche hatten die Saudis bisher kein glückliches Händchen. Als Riesenverlust dürfte sich der 45 Milliarden Dollar schwere Einstieg bei dem japanischen Beteiligungsunternehmen Softbank erweisen, haben die Japaner mit ihren Investments in den Fahrdienst Uber und den Bürovermieter WeWork doch viele Milliarden in den Sand gesetzt.

Verluste mit WeWork

So notiert der Aktienkurs von Uber noch immer deutlich unter dem Ausgabekurs - trotz der jüngsten Erholung. Noch drastischer war die Entwicklung bei WeWork. Das Unternehmen wurde nur dank einer Finanzspritze von Softbank in Höhe von acht Milliarden Dollar vor der Pleite bewahrt. Trotzdem rauschte der Marktwert des Unternehmens im vergangenen Jahr von 47 Milliarden auf sechs Milliarden Dollar in die Tiefe.

Dabei hat Saudi-Arabiens Herrscher Mohammed bin-Salman entschieden, mit seinem Staatsfonds gezielt in Zukunftstechnologien zu investieren, um damit den Staat unabhängiger vom Öl zu machen. Offenbar müssen die Fondsmanager bei ihren Entscheidungen sich aber vorrangig an den Vorlieben ihres Herrschers ausrichten, statt sich an der langfristigen Strategie eines Warren Buffett zu orientieren. Auch hat sich wohl das Engagement bei Softbank als Klumpenrisiko erwiesen. Dabei sollten doch gerade professionelle Anleger um solche Risiken wissen.

lg