Sich hochtürmende Bürogebäude

Was der Blick in den S&P zeigt Unternehmen leben immer kürzer

Stand: 12.01.2017, 15:49 Uhr

Der Lebenszyklus von Unternehmen wird immer kürzer. Gerade die Großkonzerne sterben schneller. Solche Weisheiten findet man in einem Börsenbarometer: im amerikanischen S&P 500.

Börsenbarometer verändern regelmäßig ihr Gesicht. Es gibt Aufsteiger, Absteiger und Unternehmen, die von Fusionen oder Übernahmen betroffen sind. Alles ist im Wandel, nichts bleibt. Vom Ur-Dax 1988 sind beispielsweise nur noch 14 Gründungsmitglieder dabei geblieben.

Die Geschichte über die Auswechselungen im Laufe der Jahre sind immer auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte. Und sie verraten etwas über grundlegende strukturelle Veränderungen in der Unternehmenskultur. So zeigt beispielsweise ein Blick auf die durchschnittliche Verweildauer amerikanischer Unternehmen im marktbreiten Börsenindex S&P 500, dass sich die Lebenszyklen von Konzernen in den letzten Jahrzehnten drastisch verkürzt haben.

Weniger Beständigkeit

Abzulesen ist das an der durchschnittlichen Verweildauer der Index-Mitglieder im S&P 500: Verweilten US-Konzerne im Jahr 1965 noch rund 33 Jahre im Index, waren es 1990 nur noch 20 Jahre, wie die Unternehmensberatung Innosight herausfand.

Der Trend geht weiter. Für das Jahr 2026 prognostiziert die Agentur, dass Unternehmen im Schnitt nur noch rund 14 Jahre im S&P verweilen. Klingt noch nicht so umwälzend? Eine andere Lesart vielleicht schon: Rund die Hälfte der 500 im S&P vertretenen Firmen wird in den nächsten zehn Jahren aus dem Index fliegen.

Das heißt auch: Eine Phase der Stabilität geht zu Ende. Zahlreiche Firmenlenker dürften die Kontrolle über die Zukunft ihrer Firma verlieren. Fusionen und Übernahmen haben Hochkonjunktur. Zugleich wachsen neue Startups mit milliardenschweren Bewertungen heran. Früher schien den Großkonzernen nahezu ewiges Leben sicher. Siemens feierte gerade seinen 200. Geburtstag, BMW wurde 100, Apple hat das 40. Jubiläum durch. Solche hohen Geburtstage werden seltener. Gerade den großen Konzernen gehen in der schnelllebigen Zeit zu schnell die Ideen aus.

bs