Top-Frauen der Finanzwelt

Ruth Porat

Von der Wall Street ins Silicon Valley Ruth Porat, die Milliarden-Jongleurin von Google

von Bettina Seidl

Stand: 26.05.2015, 08:22 Uhr

Auf die 65 Milliarden Dollar von Google wird von nun an Ruth Porat ein Auge haben. Die neue Finanzchefin des Weltkonzerns ist damit eine der mächtigsten Geld-Managerinnen der Welt. Vielleicht noch mächtiger als zuvor schon als Wall-Street-Bankerin.

Es ist ein Riesenschritt, nicht nur geografisch: Ruth Porat wechselt von der illustren New Yorker Finanzszene nach Kalifornien. Die Finanzchefin von Morgan Stanley geht zu Google. Es ist ein Weltenwechsel. Von der Banken- in die High-Tech-Welt. Von der Old zur New Economy. Nur in einem ähneln sich Porats alter und neuer Job: Es geht in beiden Fällen um ganz viel Geld. Google hat Kapitalreserven in Höhe von 65 Milliarden Dollar, die gilt es zu managen.

Internetfirmen lösen Banken ab

Porats Wechsel von Morgan Stanley zu Google ist auch so was wie ein Symbol für die schleichende Machtverschiebung von der Wall Street zum Silicon Valley. Geld und Macht wechseln die Branche. Bisher regierten Banken und Hedgefonds die Welt. Die Zukunft aber gehört den Googles und Facebooks, sie verdienen das große Geld von morgen. Sie werden die neuen heimlichen Weltregierer.

Porat ist sich dieser Machtverschiebung bewusst. Warum gibt eine der mächtigsten Frauen der Finanzwelt ihren einflussreichen, hochdotierten Posten bei der alteingesessenen Investmentbank auf und zieht um auf die andere Seite des Kontinents in die für sie neue Internet-Szene?

Neustart im zarten Alter von 58 Jahren. Porat setzt damit ein Zeichen. Sie weiß, dass für die Banken seit der Finanzkrise die Zeiten der hohen Renditen vorbei sind. Sie ist offen für das Neue, Zukunftsträchtige.

»Ich habe die Gelegenheit, aus erster Hand zu erfahren, wie Technologiefirmen den Menschen in ihrem Alltag helfen können. Ich kann kaum abwarten, meine Ärmel hochzukrempeln und anzufangen.«

Ruth Porat

Geplante Google-Zentrale

Zeichen für Verschwendungssucht oder reale Selbsteinschätzung der großen Macht? So prestigeträchtig soll die neue Google-Zentrale aussehen. | Bildquelle: Unternehmen

Das Herz der Internet-Welt

Ganz so fremd sind ihr gleichwohl weder ihre neue Heimat noch die Branche. Porat ist in Palo Alto aufgewachsen, im kalifornischen Mountain View, inmitten des Silicon Valley, der Wiege vieler High-Tech-Firmen. Auch ihre Studienzeit verbrachte sie dort, gleich nebenan an der Universität von Stanford. Danach ging's von der Westküste zur Ostküste, vom IT-Tal in die die Bankenmetropole New York. Doch der High-Tech-Branche blieb Porat auch dort verbunden. Zwar ist sie Bankfrau durch und durch. Das Wirtschaftsmagazin "Forbes" kürte sie zu "einer der mächtigsten Frauen an der Wall Street". Seit 1987 hat sie für Morgan Stanley gearbeitet, in verschiedenen Führungspositionen, unterbrochen von einem Intermezzo bei Smith Barney von 1993 bis 1996.

Doch hat Porat in ihrer 28-jährigen Bankkarriere eine ganze Reihe von Internet- und Technik-Konzernen betreut. Sie war unter anderem bei Finanzierungsfragen Ansprechpartnerin für Hochtechnologie-Konzerne, begleitete zum Beispiel Kapitalerhöhungen von Amazon, Ebay und Netscape, brachte Blackstone an die Börse. "Ich bin ein Kind des Silicon Valley", kommentierte Porat ihren Wechsel zu Google. "Ich freue mich außerordentlich, zu meinen kalifornischen Wurzeln zurückzukehren."

Porat, die Frau für alle Krisen

Porat war mit Jahresgehalt von etwa zwölf Millionen Dollar eine der bestbezahlten Personen der Wall Street. Sie wird als "toughe" Finanzexpertin beschrieben. Angeblich soll sie vor der Geburt ihres ersten Kindes noch im Kreißsaal wichtige Telefonate geführt haben, sagen Kollegen. Porat hat drei Kinder und ist mit einem Anwalt verheiratet.

Ihr Rat ist auch außerhalb der Bankenwelt gefragt. In der Finanzkrise im Jahr 2008 machte sie sich als Beraterin der US-Behörden einen Namen. Porat beriet das amerikanische Finanzministerium bei der Übernahme der angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Sie stand auch der Regierung bei der Rettung des Versicherungsriesen AIG beiseite. Sie soll den Job so gut gemacht haben, dass Präsident Obama sie vor zwei Jahren angeblich als Staatssekretärin in seine Regierung holen wollte. Porat habe aber das Weiße Haus kontaktiert und gebeten, so berichteten Medien, dass ihr Name von der Kandidatenliste verschwindet.

Aber nicht nur die externen Krisenfälle der Finanzkrise waren ihr Metier. Sie ging auch die Krise des eigenen Hauses an. 2010 führte sie Morgan Stanley an der Seite von Vorstandschef James Gorman wieder auf die Erfolgsspur.

»Ruth hat mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, Morgan Stanley wieder auf die Beine zu bringen. Wir lassen sie schweren Herzens gehen.«

James Gorman, CEO Morgan Stanley

Der neue Job bei Google

Bei Google wird einer ihrer wichtigsten Jobs sein, den Wall-Street-Investoren zu vermitteln, was der Internet-Konzern mit seinen Kapitalreserven in Höhe von 65 Milliarden Dollar vorhat. Viele machen sich auch Sorgen wegen der hohen Kosten von Zukunftsprojekten. Dem Internet-Konzern wird immer wieder Verschwendungssucht vorgeworfen, weil er zu viel investiert. Natürlich sind Investitionen eine Art Vorsorge für die Einnahmen der Zukunft. Aber Google investiert auch in allzu Exotisches, in Roboter, Drohnen oder das selbstfahrende Auto.

Mehr als eine Suchmaschine

Google-Logo auf dem Google Campus im Silicon Valley

Google ist längst nicht mehr nur eine reine Suchmaschine. Google mischt im Fernseh-, Handy-, Automobil-, Solar-, Bank-, Buch- und Videogeschäft mit. Hier eine kleine Bilderreise durch das exotische Google-Universum.

Andererseits kann es sich der Internet-Riese leisten. Trotz starkem Dollar verdient Google nicht schlecht. Der Konzern nahm allein im vorigen Quartal rund 17 Milliarden Dollar ein, 3,6 Milliarden Dollar davon blieben als Gewinn hängen. Und der Konzern zeigte diesmal, dass er etwas besser auf die Kosten achtet. Bei Porat war man aber alles andere als knausrig. Google lockte die Finanzexpertin mit 70 Millionen Dollar von ihrem alten Arbeitgeber weg, umgerechnet 64 Millionen Euro.

Wer regiert die Welt?

Mal ein bescheidener Vergleich: Jamie Dimon, der Chef von JPMorgan, verdient rund 20 Millionen Dollar im Jahr. Lloyd Blankfein, der Chef von Goldman Sachs, liegt bei etwa 24 Millionen Dollar. Klar, der Vergleich hinkt ein bisschen. Porats 70 Millionen sind verteilt auf mehrere Jahre. Aber sie dürfte doch in diesem Jahr auf rund 30 Millionen Dollar kommen.

Es zeigt sich ganz deutlich, wo das große Geld sitzt. Die Firmen des Silicon Valley können einfach mehr zahlen als die Banken, haben schon etliche Banker abgeworben. Sie können einer Finanzchefin auch sonst mehr bieten. In der Bank sind die Finanzcefs mit Regulierungsfragen in Anspruch genommen. Internetfirmen haben da freiere Hand.

Die Börse hat die schleichende Machtablösung in der digitalen Gesellschaft schon längst nachvollzogen. Google ist inzwsichen ein Schwergewicht an der Börse, bringt derzeit rund 360 Milliarden Dollar auf die Waage. Morgan Stanley ist dagegen ein Leichtgewicht. Die Bank kommt lediglich auf 72 Milliarden Börsenwert. Fünfmal kleiner als Google. Gibt es ein deutlicheres Signal, von wo aus künftig die Welt regiert wird?

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