Aktien-Angeberwissen

Apple-Co-Gründer Ronald Wayne

Nach nur elf Tagen Anteile verkauft Ronald Wayne: Der vergessene Apple-Gründer

Stand: 28.10.2015, 15:22 Uhr

Ronald Wayne könnte heute reich sein. Doch statt im Geld zu schwimmen, betreibt er einen kleinen Briefmarken-Verkauf. Wayne ist der dritte Mitbegründer von Apple - und vielleicht der größte Pechvogel der IT-Geschichte.

"Ich kann nicht erkennen, wieso ich etwas vermissen sollte, was ich letztendlich nie gehabt habe", so Ronald Wayne in einem Interview 2011. Mit "Etwas, das er nie gehabt habe" meinte er die Milliarden Dollar, die ihm durch die Lappen gegangen sind.

Denn Wayne ist einer der Mitbegründer von Apple, er hielt einen Anteil von zehn Prozent an dem Unternehmen. Und diese gab er bereits elf Tage nach der Gründung des Elektronik-Imperiums im Jahr 1976 an die treibenden Kräfte Steve Jobs und Steve Wozniak weiter - für einen Preis von 800 Dollar.

Dumm gelaufen...

Gemessen an dem Börsenwert von Apple wäre Waynes Anteil heute über 60 Milliarden Euro wert.

Selbst den gemeinsam unterzeichneten Vertrag - gewissermaßen ein historisches Dokument - verkaufte Wayne später zum Schleuderpreis von "mehreren tausend Dollar". Als das dreiseitige Dokument 2011 über das Auktionshaus Sotheby's versteigert wurde, brachte es 1,2 Millionen Euro ein.

Wayne schlichtet...

Waynes Aufgabe bei der Apple-Gründung war allerdings nicht die eines Tüftlers, sondern die eines Schlichters.

Gemeinsam arbeiteten die drei Apple-Gründer bei der PC-Schmiede Atari. Doch Steve Jobs wollte sein eigenes Unternehmen aus dem Boden stampfen. Und den Kern dafür hatte er bereits gefunden: Ein von seinem Freund Wozniak entwickelter Personal-Computer.

 Steve Wozniak (links) und Steve Jobs 1976

Steve Wozniak und Steve Jobs 1976. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Allerdings gab es ein Problem: Wozniak wollte seine Erfindung auch anderen Firmen zugängig machen. Das wollte Jobs verhindern. Und hier kam nun Ronald Wayne ins Spiel: Der 21 Jahre ältere Kollege sollte Wozniak davon überzeugen, seine Technologie nur der gemeinsamen Ideen-Schmiede zur Verfügung zu stellen.

Wayne erklärte Wozniak daraufhin, "wie ein Unternehmen funktioniert". Danach seien "alle Schwierigkeiten aus der Welt" gewesen, wenig später wurde der Vertrag über die Apple-Gründung in Waynes Wohnung aufgesetzt.

... und Wayne kriegt kalte Füße

Jobs verkaufte direkt 100 Computer an einen Zwischenhändler. Dafür brauchte er allerdings Material - und für Material braucht man Geld. Er belastete die junge Firma mit einem Kredit über 15.000 Dollar.

Ronald Wayne trieb diese Summe Schweiß auf die Stirn. Nicht, dass er grundsätzlich nicht bereit gewesen wäre, ein geschäftliches Risiko einzugehen. Im Gegenteil - seine Bereitschaft hatte ihm schon jede Menge Schulden eingebracht: Zwei selbst gegründete Firmen waren pleite gegangen. Um Geld zu sparen, lebte Wayne noch mit Mitte 40 bei seiner Mutter.

Wäre der Deal mit dem Zwischenhändler geplatzt, hätte er erneut vor einem Verlust gestanden - hafteten die drei Gründer doch für ihre Geschäfte. "Ich hatte das Gefühl, dass ich zu alt war für so was. Die beiden waren wie Wirbelstürme, es war, als würde man einen Tiger am Schwanz spazieren führen", erinnerte sich Wayne.

Also entschloss er sich, auf seinen Anteil an Apple zu verzichten.