Rolf Breuer
Video

80. Geburtstag Rolf Breuer und das teuerste Interview aller Zeiten

Stand: 03.11.2017, 07:48 Uhr

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank wird heute 80 Jahre alt. Er wirkte entscheidend am Aufstieg des Finanzplatzes Frankfurt mit. Im Gedächtnis bleibt er vielen jedoch vor allem mit dem Zusammenbruch des Kirch-Imperiums.

Rolf Breuer feiert seinen 80. Geburtstag. Er machte die Deutsche Bank Anfang des Jahrtausends zu einem der führenden Finanzhäuser der Welt und prägte über Jahre den Finanzplatz Frankfurt. Doch mit seinem Namen eng verbunden bleibt auch das wohl teuerste Interview der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Anfang Februar 2002 sprach Breuer in einem New Yorker Hotelzimmer in ein Reporter-Mikrofon, was viele damals über das Medienimperium von Leo Kirch dachten: "Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Niedergang des Kirch-Imperiums

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
10,35
Differenz relativ
+1,83%

Gut zwei Monate nach dem Interview reichte KirchMedia Insolvenzantrag ein. Leo Kirch gab Breuer und dessen damaligem Arbeitgeber die Schuld: "Der Rolf hat mich erschossen." Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zwar stets zurück, für den Niedergang des Kirch-Konzerns verantwortlich zu sein. Doch die Prozesslawine wurde immer größer. Erst ein teurer Vergleich sorgte Anfang 2014 für ein Ende des Rechtsstreits: Die Bank zahlte den Kirch-Erben 925 Millionen Euro.

Breuer steuerte als Schadensbeteiligung 3,2 Millionen Euro aus eigener Tasche bei. Was ihn der Dauerstreit insgesamt kostete, habe er nie zusammengezählt, sagt er. "Das ist zum Teil auch von der Versicherung gedeckt worden."

Und wie sehr belastet es ihn, dass immer wieder dieser eine Satz zitiert wird? "Daran habe ich mich gewöhnen müssen. Man darf das nicht zu sehr an sich herankommen lassen", sagt der Jubilar.

Ringen um Reputation hat Energie gekostet

Einen Schlussstrich unter die Causa Kirch kann der promovierte Jurist Breuer allerdings noch immer nicht ziehen: Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) über die Freisprüche des Landgerichts München aus dem April 2016 steht weiterhin aus. In diesem Verfahren ging es um den Vorwurf, Breuer und weitere Manager hätten Aussagen vor Gericht abgesprochen, um Schadenersatz-Zahlungen von der Bank abzuwenden.

Das Ringen um seine Reputation in Gerichtssälen hat Energie gekostet - Energie, die Breuer lieber in die schönen Dinge des Lebens steckt: Musik, Kunst, Literatur. "Als ich aus dem aktiven Dienst ausschied, hatte ich 35 Mandate, aktuell sind es noch 14." International Piano Forum, Schirn Kunsthalle, Feith-Stiftung, Center for Financial Studies - die Liste der Ehrenämter, die Breuer vor allem in seiner Wahlheimat Frankfurt noch ausübt, ist lang.

"Ich bin nie in ein Loch gefallen, ich habe bis heute eine Fülle von Mandaten", schildert Breuer. "Das hat dafür gesorgt, dass ich mich nicht gelangweilt habe. Ich habe jedenfalls immer vermieden, zu Hause über die Schnur des Staubsaugers zu fallen."

Rolf Ernst arbeitet Tür an Tür mit Hilmar

Im Schatten der Deutsche-Bank-Türme hat Rolf Breuer, dessen vollständiger Vorname Rolf-Ernst ist, immer noch ein Büro. Zwei bis drei Vormittage pro Woche arbeitet der ehemalige Chef des größten deutschen Geldhauses im Herzen Frankfurts - Tür an Tür mit Vorgänger Hilmar Kopper und weiteren alten Bekannten aus den goldenen Zeiten der Finanzbranche.

Im Mai 1997 hatte Breuer Kopper als Vorstandssprecher der Deutschen Bank beerbt und das seinerzeit auf Deutschland bezogene Institut mit Schwerpunkten im Kreditgeschäft und bei Privatkunden übernommen. Der gebürtige Bonner treibt damals die Internationalisierung des Konzerns voran und baut das Kapitalmarktgeschäft aus - gegen manche Widerstände.

Großanleger sorgen für Breuers Ende als Chef des Aufsichtsrats

Eine seiner größten Niederlagen: Auf der Zielgeraden scheitert 2002 die Fusion von Deutscher Bank und Dresdner Bank. Wenig später, im Mai 2002, rückt Josef Ackermann auf den Chefsessel der Deutschen Bank, Breuer wird bis Mai 2006 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bank.

Ein abruptes Ende nimmt sein Engagement als Chefkontrolleur der Deutschen Börse: Großanleger torpedieren im Frühjahr 2005 zunächst erfolgreich die Übernahme der Londoner Börse LSE und drängen danach Börsen-Chef Werner Seifert und Breuer aus dem Amt.

"Goldene Zeiten für Finanzbranche sind vorbei"

Gefragt nach der Zukunft der heimischen Finanzbranche, traut der Ex-Deutsche-Bank-Chef ihr heute keine Rückkehr zu alten Boomzeiten zu. "Wenn einer meiner Enkel mich fragt, ob er in die Bank gehen soll, würde ich ihm abraten. Die goldenen Zeiten sind vorbei", sagte Breuer der Deutschen Presse-Agentur. "Ich hatte es gut, das waren goldene Zeiten für das Finanzwesen und für die Deutsche Bank insbesondere. Aber ich sehe das nicht wiederkommen."

Der Jubilar resümiert: "Ich bin jetzt zehn Jahre draußen, da haben sich die Dinge ganz maßgeblich verkompliziert." Und er bekennt selbstkritisch, er könne es nicht besser. Die Branche habe immer noch mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen, insbesondere, was das unglaublich dichte Netz an regulatorischen Vorschriften angehe. "Das geht ja in das Reich der Bürokratie und ärgert die Kunden und nimmt den Mitarbeitern die Zeit für die Kunden."

Feier in der Toskana

Nun freut er sich auf das Zusammenkommen seiner großen Familie. Breuer ist in zweiter Ehe verheiratet. Das Paar hat einen Sohn und zwei Töchter. Seine Frau brachte aus erster Ehe zwei weitere Kinder mit. "Fünf Kinder, elf Enkel - alle kommen zum Geburtstag."

Seinen runden Ehrentag feiert er unter südlicher Sonne: "Ich habe meine Familie in die Toskana eingeladen. Am 3. November ist überall schlechtes Wetter, vielleicht in der Toskana nicht. Wir haben ein schönes Programm: Florenz, Siena - es wird auch Kultur geboten, das schulden sie dem Großvater."

dpa/mmr

1/12

Die Vorstände der Deutschen Bank Von Abs bis Cryan

Hermann Josef Abs

Hermann Josef Abs, 1957-1967
Die Deutsche Bank bestimmte einst über zahllose Industrie-Beteiligungen und Kontakte entscheidend mit, wer wo was in der heimischen Wirtschaft wurde. Legendär in dieser Rolle des Strippenziehers war der Bankier Hermann Josef Abs, erster Vorstandssprecher nach dem Neustart der Deutschen Bank 1957. Abs saß zeitweise in 30 Aufsichtsräten und war in 20 davon Vorsitzender. Er beriet Konrad Adenauer und war bei vielen Kabinettssitzungen mit dabei. Seine Karriere begann im Dritten Reich. Während dieser Zeit saß er im Aufsichtsrat der IG Farben, war Auslandschef der Deutschen Bank. Als Abs 1976 seine Funktion als Vorstandssprecher niederlegte, wurde er zum Ehrenvorsitzenden der Deutschen Bank ernannt. Der praktizierende Katholik starb am 5. Februar 1994 in Bad Soden.