Portrait

Richard Branson mit zwei Stewardessen seiner Fluglinie Virgin

Richard Branson Rebell und Multi-Milliardär

Stand: 17.07.2015, 16:35 Uhr

Einst mischte er mit Virgin die Musikbranche auf. Heute führt Richard Branson ein Imperium von Hotels, Fluggesellschaften, Fitness-Studios und Finanzdienstleistungen. Der Hippie-Unternehmer genießt dank seiner schrägen Auftritte Kult-Status. Am Samstag wurde "Sir Richard" 65.

Journalisten mögen ihn, Politiker umgarnen ihn, Frauen umschwärmen ihn, und seine zahlreichen Fans vergöttern ihn. Wenn Richard Branson irgendwo auftritt, ist er stets im Rampenlicht und sorgt für Schlagzeilen. Denn der Brite ist stets für etwas Unkonventionelles gut. Er macht, was er will. "Ich breche Regeln, das ist meine Regel", sagt er.

Milliardenschweres Virgin-Imperium

Am liebsten gründet Branson Firmen. Der Sohn eines Anwalts und einer Stewardess hat es geschafft, quasi aus dem Nichts ein riesiges Geflecht von rund 400 Firmen aufzubauen, die zusammen gut 18 Milliarden Euro erwirtschaften. Dazu brauchte der ehrgeizige Visionär nicht einmal einen Hauptschul-Abschluss. Mit 16 Jahren verließ der unter Lese- und Rechtschreibschwäche leidende junge Richard vorzeitig das Internat - und gründete eine angesehene Jugendzeitschrift, in der er Jean-Paul Sartre und Mick Jagger interviewte. Sein Schulleiter prophezeite ihm: "Du wirst entweder im Gefängnis landen oder Millionär werden."

Heute ist er Multi-Milliardär. Forbes schätzt sein Vermögen auf knapp fünf Milliarden Dollar. Geld freilich war nie der Hauptantriebsfaktor für Branson. "Geld ist nur ein Nebenprodukt", sagte er im vergangenen Jahr der "Bild"-Zeitung. "Mich interessiert es, Dinge zu erschaffen, die die Welt verändern."

Zunächst krempelte er die Musikbranche um. 1970 gründete Branson einen Versandhandel für Billig-Schallplatten - mit dem Namen "Virgin" (Jungfrau). Damit wollte er angeblich seine eigene berufliche Unerfahrenheit symbolisch zum Ausdruck bringen.

Erste Erfolge mit Mike Oldfield und den Sex Pistols

Sein Durchbruch gelang ihm mit der Verpflichtung des bis dahin unbekannten Sängers Mike Oldfield. Dessen erstes Album "Tubular Bells" verkaufte sich über fünf Millionen Mal. Ebenso entdeckte er die Sex Pistols und veröffentlichte deren Songs. 1992 verkaufte er Virgin Records für über eine Milliarde Dollar.

Mitte der 1980er Jahre stieg Unternehmer Branson ins Luftfahrtgeschäft ein und gründete die Flug-Gesellschaft Virgin Atlantic. Sie nahm vor allem dem Platzhirsch British Airways Marktanteile ab. Wenig später ging die Billigflug-Linie Virgin Express an den Start.

Hotels, Getränke, Fitness und Luftfahrt

Fast alles, was Branson anpackte, wurde zu Geld. Unter dem Label Virgin gründete er Hotels und einen Verlag, schuf einen Getränkehersteller, der Cola Konkurrenz machen sollte, baute eine Fitness-Kette auf und übernahm Teile der maroden britischen Eisenbahn. "Als ich anfing, hatte ich vom Geschäft keine Ahnung", gibt er heute zu. Erst mit 50 habe er den Unterschied zwischen brutto und netto verstanden.

Um seine neuen Geschäftsideen zu promoten, war ihm jeder PR-Gag recht. Mit einem Sherman-Panzer überrollte er auf dem New Yorker Times Square Cola-Flaschen, um für seine Virgin Cola zu werben. Als Transvestit im weißen Brautkleid posierte er für jungfräuliche Brautmode. Und nackt seilte er sich von einem Hochhaus auf ein überdimensionales Virgin-Handy ab.

Waghalsiger Abenteurer

Auch privat erwies sich der Unternehmer und Self-Made-Milliardär als waghalsiger Abenteurer. Er überquerte als erster mit dem Heißluftballon den Pazifik und mit einem Schnellboot den Atlantik. Nur der Versuch, die Erde zu umrunden, misslang ihm.

Hinzu kamen Spaß-Auftritte, die Branson in die Boulevard-Presse brachten. So verkleidete er sich beim Einlösen einer Wette als AirAsia-Stewardess und servierte dem Chef Drinks - nicht ohne ihn dabei mit Saft zu besudeln. Und beim Kitesurfen ließ er sich mit einem nackten Model im Huckepack ablichten.

Richard Branson bedient als Stewardess verkleidet den AirAsia-Chef Tony Fernandes

Branson als Stewardess. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Flops mit Cola und Jungfrauen-Mode

Doch nicht alle Geschäftsideen zahlten sich aus. Virgin Cola machte mehrere Jahre Verluste und wurde schließlich aufgegeben. Und die Brautmode war ebenfalls ein Flop. Er habe leider einsehen müssen, dass jungfräuliche Bräute (Virgin Brides) nicht existieren, scherzte er.

Kritiker wie der britische Publizist Tom Bower sehen Bransons Erfolgsstory als "Produkt brillanter Selbstvermarktung". Mit riskanten Geschäftsmethoden und schlechten Management würden oft empfindliche Flops produziert. Auch sein Umgang mit Mitarbeitern sei nicht so fair wie oft dargestellt. "Ich glaube an gütige Diktatoren, solange ich der Diktator bin", wird Branson von Bower zitiert. Schließlich entlarvt Bower den Hippie-Unternehmer als sexbesessenen Schürzenjäger. Vor Geschäftspartnern habe Branson bisweilen geprahlt, dass er manchmal morgens aufwache und sich frage: Wer um Willens Willen ist das Mädel neben mir? Branson weist die Kritik zurück. Er habe Bower nie getroffen, das Buch sei voller Fehler.

Bransons nächster Coup ist der Einstieg ins Kreuzfahrtgeschäft. Der Multimilliardär plant, ab 2020 drei Luxus-Kreuzfahrtschiffe einzusetzen, die von Miami aus zu siebentägigen Karibik-Kreuzfahrten in See stechen.

Richard Branson vor einem Wandbild seines Raumflugzeuges

Richard Branson. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Der Traum vom Weltall

Sein größter Traum ist aber die Eroberung des Weltalls. Mit der Firma Vorgin Galactic will Branson den Weltraum-Tourismus fördern. Ein Ticket für die dreieinhalbstündige Reise ins All kostet 250.000 Dollar. 800 gut betuchte Weltall-Touristen sollen bereits einen Flug vorab gebucht haben, unter ihnen Angelina Jolie, Brad Pitt, Lady Gaga, Paris Hilton und Leonardo di Caprio. "Die Raumfahrt-Firma ist unser Flaggschiff", sagt Branson.

Im November 2014 musste jedoch der erfolgsverwöhnte Unternehmer bei der Realisierung seines Traums einen herben Rückschlag verkraften. Bei einem Testflug stürzte das private Raumschiff "SpaceShipTwo" über der kalifornischen Mojave-Wüste ab. Der Co-Pilot starb, der Pilot konnte sich durch einen Fallschirmsprung retten. Wann Bransons Lieblingsprojekt jetzt umgesetzt wird und die ersten Flüge ins All stattfinden, steht mehr denn je in den Sternen.

Der bald 65-Jährige gibt freilich so schnell nicht auf. Sein Lebensinteresse, sagte Branson einmal, bestehe darin, sich scheinbar unerreichbare Ziele zu setzen. Am Geld soll es nicht scheitern.

nb