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Ray Dalio

Die Mensch-Maschine Ray Dalio: Meditieren für Milliarden

von von Thomas Spinnler

Stand: 02.12.2014, 16:46 Uhr

Die Hedgefonds-Branche kann sich wirklich nicht über einen Mangel an Exzentrikern beklagen. Aber selbst in dieser Liga der außergewöhnlichen Gentlemen ist der meditierende Transparenz-Guru Ray Dalio ein ganz besonderes Exemplar.

Ray Dalio gehört nicht zu den sogenannten aktivistischen Investoren wie etwa Carl Icahn oder Daniel Loeb. Beide sind dafür bekannt, mit Minderheitsbeteiligungen bei Unternehmen einzusteigen. Dann zwingen sie das Management lautstark und mediengerecht zu Veränderungen wie Unternehmensabspaltungen oder Börsengängen, die zumindest kurzfristig Rendite bringen.

40 Milliarden Dollar: Dem Kunden dienen

Dalios Hedgefonds-Unternehmen "Bridgewater" ist mit rund 160 Milliarden Dollar Vermögen das größte weltweit. Die beiden mit Abstand mächtigsten Produkte seines Portfolios sind "All Weather" und der 1989 gestartete "Pure Alpha". Der Investor verfolgt einen anderen Ansatz als seine unbeliebten Kollegen. Er will konstante Rendite generieren über möglichst lange Zeiträume. Darin ist Dalio gut mit einem anderen berühmten Investor, George Soros, zu vergleichen.

Tamiko Bolton und George Soros

So sehen Sieger aus: George Soros und seine Ehefrau Tamiko Bolton. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Soros und Dalio ringen also nicht zufällig miteinander um den Titel "erfolgreichster Hedgefonds-Manager aller Zeiten". Beide haben mit ihren Vehikeln "Quantum Endowment Fund" und "Pure Alpha", Dalios stärkster Fonds, zuletzt jeweils knapp 40 Milliarden Dollar Netto-Profit seit Gründung erwirtschaftet. Soros liegt nur um eine Nasenspitze vorn. 2013 war die Reihenfolge umgekehrt.

Gute Ergebnisse zu allen Zeiten

Das Ziel langfristiger Rendite macht Dalio auch besonders für institutionelle Investoren interessant, die sichere Erträge erwirtschaften müssen. Kein Wunder, dass viele Pensionsfonds, Universitäten und karitative Organisationen zu seinen Kunden gehören. "All Weather entstand aus Bridgewaters Bemühung, die Welt zu verstehen und heute das Portfolio zu halten, das vernünftigerweise noch in 20 Jahren erfolgreich sein wird – selbst wenn heute niemand vorhersagen kann, welche Art von Wachstum und Inflation dann vorherrschen wird", heißt es in einer Fondspräsentation.

Oder wie es Bob Prince, Co-CIO bei Bridgewater formuliert: Worum es gehe, sei eine strategische Asset Allocation, die gute Ergebnisse liefere - was auch immer die Welt einem in Weg werfe.

Wie funktioniert eine Risk-Parity-Strategie?

Entscheidender Punkt dieser Strategie ist, dass die Anlageklassen eines Portfolios gemäß ihres Risikobeitrags in den unterschiedlichen Marktphasen gewichtet werden. Alle Anlageklassen wie Aktien, Bonds oder Rohstoffe sollen den gleichen Beitrag zum Gesamtrisiko leisten. Die Höhe des Anteils einer Anlage wird deshalb durch das jeweilige Anlagerisiko bestimmt. Da Aktien beispielsweise ziemlich schwankungsanfällig sind, werden Anlageklassen wie Bonds strukturell übergewichtet.

Im Ergebnis soll die Underperformance einer Anlageklasse in einer Marktphase in diesem Modell durch die Outperformance einer anderen Anlageklasse aufgefangen werden. In einer idealen Welt macht diese Strategie also immer Gewinn. Leider hat noch niemand eine ideale Welt irgendwo gesehen.

Der Anzug muss immer passen

Das beherrschende Bridgewater-Thema lautet Diversifikation: Ziel ist es, die Risiken der einzelnen Anlageklassen in optimaler Weise auszubalancieren. Funktionieren soll das dank eines Konzepts namens "Risk Parity". Meistens klappt das auch ganz gut. Aber wie das nun mal so ist: Was immer passen soll, sitzt manchmal nicht so richtig. Der 1996 aufgelegte "All Weather", der mittlerweile rund 70 Milliarden Dollar auf die verschiedenen Anlageklassen verteilt, kam zwar gut durch die Finanzkrise, da Dalios Methode die Anlage in Bonds favorisiert.

Im Jahr 2013 hatte der Fonds allerdings einen Durchhänger und verlor 3,9 Prozent an Wert. Im gleichen Jahr kletterte der S&P 500 um fast 30 Prozent. Allerdings hatte der Index trotz des Renditeknicks im Vorjahr seit 2009 einen Durchschnittsgewinn von 12,4 Prozent. Trotzdem meldeten sich zuletzt immer häufiger Kritiker, die die Tauglichkeit des Risk-Parity-Modells für alle Lebenslagen anzweifeln.

Von 300 Dollar auf 15 Milliarden

Auch ein Ray Dalio hat einmal klein angefangen. Das Erweckungserlebnis soll der im Jahr 1949 geborene Amerikaner im Alter von zwölf Jahren gehabt haben. Für 300 Dollar kaufte der heutige Star-Investor Aktien der Fluggesellschaft Northeast Airlines, die sich im Wert vervielfachten. 1975 gründete er die Investment-Firma Bridgewater. Heute hat er ein Vermögen von rund 15,2 Milliarden Dollar angehäuft und gehört  zu den 30 reichsten Menschen der Welt.

Bild mit den Hindugöttern Ganesh, Ayappa und Subramania

Die Weisheit Indiens: Dalio meditiert. | Quelle: picture-alliance/dpa

Dabei sah es eine Zeitlang so aus, als würde er der Welt abhanden kommen. In seiner Jugend pilgerte er auf den Spuren der Beatles nach Indien und begegnete dort ihrem Guru Maharishi Mahesh Yogi, der ihn mit der "Transzendentalen Meditation" bekannt machte. Paul McCartney hatte Maharishi Mahesh im Sinn, als er das Lied "The Fool on the Hill" für die Beatles komponierte.

Dalio praktiziert diese Technik der Mediation, die den Geist von irrationalen Ansichten reinigen soll, bis heute. Botschafter dieser Schule ist übrigens auch der berühmte Filmregisseur David Lynch, dessen Filme den Zuschauer in eine "fremde und seltsame Welt" eintauchen lassen.

Die Worte des Vorsitzenden

Seltsam würde sich vielleicht auch so mancher Besucher in der Bridgewater-Zentrale fühlen. In seinem Unternehmen will Dalio die Mitarbeiter zu einer Kultur "der radikalen Wahrheit und radikalen Transparenz ermutigen" - und zur ständigen Selbstkritik. Mitarbeiter würden aufgefordert, öffentlich über ihre Fehler und Schwächen zu diskutieren, um sich zu verbessern, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Diese Gespräche würden aufgezeichnet, genauso wie praktisch alle Meetings in der Zentrale. Das gilt übrigens auch für Dalio selbst. Er ist auf der Suche nach menschlicher und professioneller Perfektion und dasselbe erwartet er von seinen Mitarbeitern.

Auch sein Interesse an einer Art Philosophie ist geblieben. "Unsere größte Kraft ist zu wissen, dass wir nichts wissen", zitiert der Hedgefonds-Manager den Philosophen Sokrates, den man getrost als den Erfinder der Selbstprüfung mittels Vernunft bezeichnen darf. Anders als der Athener wird Dalio aber ein paar Milliarden Dollar und ein geschriebenes Werk hinterlassen.

Die Welt als Maschine: Risk Parity. | Bildquelle: colourbox.de

Auf bis dato 123 Seiten hat er 209 Prinzipien festgehalten, die sich mit dem Leben im Allgemeinen und seinen Management-Ideen befassen. Das Wort Maschine ist dabei ein Schlüsselwort. Die Wirtschaft funktioniere wie eine Maschine, die Familie ebenso, wie die Natur und der Lebenszyklus, zitiert ihn "The New Yorker".

Bislang läuft die von Ray Dalio erschaffene Maschine, der multimiliardenschwere Hedgefonds Bridgewater, noch fast wie geschmiert.

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