Deutsche Bank-Preis in Financial Economics Raghuram Rajan – ein ausgezeichneter Hüter des Geldes

Stand: 26.09.2013, 15:14 Uhr

Raghuram Rajan ist unter Ökonomen ein Star. Seine Stationen zeugen davon: Früher IWF-Chefvolkswirt, heute Zentralbankchef in Indien. Anerkennung erntete er als Prophet: Er sagte die Finanzkrise voraus. Für seine Forschungen in der Finanzökonomie wurde er jetzt ausgezeichnet.

Der neue indische Notenbankchef Raghuram G. Rajan erhielt den Deutsche-Bank-Preis in Financial Economics. Seine Analyse der Gründe für die Krisen in den Vereinigten Staaten und in Südeuropa seien Grundlagenliteratur, hieß es zur Jury-Entscheidung. Rajans Arbeiten hätten höchste Relevanz für die Entwicklung von Volkswirtschaften weltweit.

Im Dilemma zwischen Sparen und Wachstum

Rajan habe mit seinen Forschungsarbeiten geholfen, das aktuelle Dilemma der Politik zwischen Sparen und Wachstum auf beiden Seiten des Atlantiks zu verstehen, teilte das Center for Financial Studies (CFS) mit, das den Preis gemeinsam mit der Goethe-Universität Frankfurt alle zwei Jahre vergibt.

»Ich fühle mich geehrt, diesen Preis von einer akademisch so erstklassig besetzten Jury entgegenzunehmen. Ich danke meinen Hochschul- und Zentralbankkollegen für die Teilnahme an diesem vom Center for Financial Studies organisierten Symposium.«

Raghuram G. Rajan

Rajan wurde für die eindrucksvolle Bandbreite von finanzökonomischen Themen gelobt, die er erforscht. Diese reicht von der zentralen Rolle der Banken bei der Liquiditätsbereitstellung über die Bedeutung der Finanzwirtschaft für wirtschaftliches Wachstum bis hin zum Charakter von Unternehmen und deren Finanzierung.

Der vom Stiftungsfonds Deutsche Bank geförderte Wissenschaftspreis ist mit 50.000 Euro dotiert. Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen überreichte ihm die Auszeichnung.

»Einen verdienstvolleren Gewinner für den diesjährigen Preis kann man sich kaum vorstellen. Die Laufbahn von Professor Rajan zeichnet sich durch bahnbrechende empirische Forschung aus.«

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank

Michael Haliassos, Raghuram Rajan, Jürgen Fitschen

Presiverleihung Raghuram Rajan. | Quelle: Unternehmen

Der Prophet der Finanzkrise

Rajan hat sich aufgrund seiner Bilderbuchkarriere und seiner prophetischen Qualitäten in Wirtschaftskreisen einen Namen gemacht. Der frühere IWF-Chefvolkswirt und spätere Wirtschaftsberater der indischen Regierung sagte schließlich als einer der wenigen 2005 die globale Finanzkrise voraus, die 2008 ausbrach. Gerade nahm er eine neue, sehr schwierige Aufgabe in Angriff. Er ist seit Anfang September Hüter der Rupie, Chef der indischen Notenbank.

»Wir befinden uns in einer Zeit mit großen Unsicherheiten auf den globalen Finanzmärkten, und es ist wichtig, wissenschaftliche Theorie und politische Praxis in diesen Zeiten diskutiert zu haben.«

Raghuram G. Rajan

Viele Ideen, viele Schritte

Die schwierige Aufgabe ist, den Verfall der indischen Währung zu stoppen. Dazu hat er ein umfangreiches Paket geschnürt. Um den massiven Kapitalabfluss aus dem Land aufzuhalten und im Gegenteil sogar Geld anzulocken. So will Rajan zum Beispiel im Ausland lebenden Indern, die für mindestens drei Jahre ihrem Heimatland US-Dollar leihen, darauf einen Zins von dreieinhalb Prozent zahlen. Ein äußerst attraktives Angebot, wenn man bedenkt, dass der amerikanische Leitzins nahe Null liegt.

Außerdem will der populäre Notenbankchef heimische Banken dazu motivieren, sich verstärkt auf Investorensuche im Ausland zu begeben. Er bietet ihnen attraktive Tauschgeschäfte an: Für US-Dollar, die sie bei der Zentralbank deponieren, erhalten sie im Tausch indische Rupien zu äußerst günstigen Konditionen und können diese als Kredite weitergeben.

"Praktisch ist das so eine Art Zinssenkung und inflationsfördernd, denn sie erhöhen die Geldmenge in Rupien", wie Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz erläuterte. "Kurzfristig soll das vor allem dazu dienen, ausländisches Kapital anzuziehen."

"Niemand kann an Indiens Potenzial zweifeln"

Rajan kündigte außerdem an, neue Banklizenzen auszugeben. Das gab es seit etwa zehn Jahren nicht mehr. Experten werten es als einen Schritt zur Liberalisierung des Marktes hin zu mehr Wettbewerb. Im Kampf gegen die Inflation hat Indiens Zentralbank vergangene Woche überraschend den Leitzins erhöht. Der zentrale Zinssatz werde um 0,25 Punkte auf 7,50 Prozent angehoben,

In den ersten Tagen als Chef der indischen Notenbank war Rajan also schon sehr aktiv und obendrein erfinderisch. Nicht umsonst wird er als neuer Hoffnungsträger gesehen, der Anstoß für Erneuerung geben könnte. Indien steckt derzeit in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit 1991. Rajan selbst zeigte sich bei seiner Ernennung aber zuversichtlich für die Zukunft des Landes: "Dieses sind herausfordernde Zeiten für die indische Wirtschaft, aber niemand kann an dem Potenzial zweifeln, das das Land hat."

bs