Bluttest

Wunder-Krebstest funktioniert nicht PR-Posse mit Börseneffekt

Stand: 28.05.2019, 15:32 Uhr

Eine "Weltsensation" als Rohrkrepierer: Der Bericht über einen Bluttest zur Krebserkennung landete in der "Bild"-Zeitung. Die berichtete, ein Aktienkurs schoss nach oben. Doch nun scheint der Test gar nicht fertig, der Ruf der Uniklinik Heidelberg ist angekratzt.

Die Geschichte um die Veröffentlichung eines Beitrags über einen angeblich marktreifen Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs ist um ein Kapitel reicher. Laut Medienberichten hat ein Gutachter inzwischen gar die Existenz eines entsprechenden Tests bestritten. Laut der "Süddeutsche Zeitung" hat Tumorbiologe Magnus von Knebel Doeberitz nach einer Prüfung festgestellt, dass der Test noch unfertiger sei, als viele bis dahin schon befürchtet hatten: "Daher muss klar festgehalten werden, dass es das in der Pressemitteilung erwähnte Verfahren bisher nicht gibt", heißt es in der Stellungnahme von Knebel Doeberitz an den Dekan der Uni Heidelberg, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt.

Im Februar hatte die Uniklinik auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz die angebliche Sensation berichtet, die "Bild"-Zeitung hatte formatfüllend den vermeintlichen Forschungserfolg verkündet.

Fachleute winken ab

In den folgenden Wochen hatte die Fachwelt aber immer mehr Kritik an der Wirksamkeit des Tests angemeldet: Sieben Verbände, etwa die Deutsche Krebsgesellschaft oder die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, gaben eine gemeinsame Stellungnahme heraus, in der sie die Berichterstattung kritisierten: Sie sei "ohne Evidenzgrundlage", "kritisch zu bewerten" und vor allem sei die Studie "nicht abgeschlossen", die Ergebnisse "nicht publiziert" und "der Test noch nicht zugelassen".

Börsen-Manipulation inklusive

In den folgenden Wochen ruderte schließlich auch das Klinikum Heidelberg zurück. Es bedauert, dass es zu "Irritationen" gekommen sei. Und es erklärt, dass die PR-Strategie zum Bluttest von der Firma Heiscreen GmbH verantwortet worden sei. Diese ist eine Ausgründung der Klinik. Und an dieser wiederum ist laut dem Portal "Bildblog" der Unternehmer Jürgen Harder beteiligt. Und Partner des Uniklinikums ist eine chinesische Pharmafirma, deren Aktienkurs nach der "Bild"-Berichterstattung durch die Decke ging. Binnen weniger Tag sprang der Kurs von NKY Medical um 60 Prozent in die Höhe.

Der Kurs der Aktie ist inzwischen wieder deutlich zurückgekommen. Und seit Anfang April ermittelt die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe. Es besteht laut der "Rhein-Neckar-Zeitung" der Verdacht auf Kursmanipulation und Insiderhandel mit Aktien.

NKY medical holding Ltd.

NKY medical holding Ltd.. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Klinikführung im Visier?

Auch für die renommierte Uniklinik hat die vermeintliche Erfolgsmeldung weitere Konsequenzen: Die Ergebnisse einer internen Prüfung werfen laut der "Süddeutsche Zeitung" ein neues Licht darauf, wer für die PR-Katastrophe vom Februar verantwortlich ist. Sie zeigten, dass der gesamte Vorstand des Klinikums die folgenreiche Pressekonferenz vorangetrieben oder zumindest gebilligt hat und somit in die Bluttest-Affäre verstrickt ist.

AB