Portrait

Ryanair-Gründer Michael O'Leary mit einem Flugzeugmodell

Michael O'Leary Einer, der die Luftfahrt verändert

Stand: 09.11.2015, 15:42 Uhr

Kaum ein Name ist mit dem Begriff "Billigflieger" so eng verbunden wie der des irischen Managers Michael O'Leary. Denn er hat wie kaum ein anderer die Branche revolutioniert und die Etablierten das Fürchten gelehrt.

Ein Wochenendtrip nach Mallorca oder ein kleiner Spontan-Ausflug nach Florenz oder Neapel? Und das alles für ein paar Pfund oder Euro? Was heute selbstverständlich ist und mit ein paar Mausklicks schnell umgesetzt werden kann, war noch vor gar nicht so langer Zeit undenkbar.

Ryanair Boeing 737-800

Ryanair Boeing 737-800. | Quelle: picture-alliance/dpa

Fliegen galt einst als etwas Besonderes, auch wenn der aufkommende Charterflugverkehr schon zuvor breitere Bevölkerungskreise ansprach. Aber dass das Fliegen fast schon mit einer Busfahrt in die nächste Kreisstadt vergleichbar ist (und oftmals auch nicht viel mehr kostet), diese Entwicklung ist ganz eng mit dem Mann aus Irland verbunden. Der steht seit dem Jahr 1993 dem irischen Billigflieger Ryanair vor und hält mittlerweile 3,8 Prozent der Aktien des Unternehmens.

Die Mutter aller Billigflieger

Der 1961 in Mullingar in der irischen Provinz Leinster geborene O'Leary hat es heute geschafft, die einst defizitäre Fluglinie zur drittgrößten Fluggesellschaft Europas zu machen (hinter Lufthansa und Air France/KLM). Seine Karriere startete O'Leary, als er 1988 als Assistent des Firmengründers Tony Ryan eingestellt wurde.

Von Anfang an setzte O'Leary konsequent auf die Kostenkarte. So schaffte er unter anderem die Erste Klasse ab, ohne dass seine Maßnahmen aber seinerzeit dem irischen Platzhirschen Aer Lingus den Rang hätten ablaufen konnten. Ohne die Mithilfe der Politik wäre O'Leary wohl nicht der erfolgreiche, extrovertierte Manager mit den spektakulären Marketing-Gags geworden, als den wir ihn heute kennen.

Denn auf seine Intervention hin erhielt Ryanair vom irischen Verkehrsminister die Rechte für die weniger stark ausgelasteten und viel weiter von der City entfernten Londoner Flughäfen Luton und Stansted, während Aer Lingus die bekannteren Destinationen Gatwick und Heathrow erhielt.

Danach baute O'Leary die Billigfluglinie konsequent weiter aus und nahm sich dabei die US-Fluglinie Southwest zum Vorbild. Anders als viele andere Linien bevorzugt Ryaniar nur einen Flugzeugtyp und hat dadurch geringere Wartungskosten. Zudem fliegt man etwas abgelegenere Flugplätze an und verzichtet ansonsten auf jeden Schnörkel.

Ryanair-Maschinen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn

Ryanair-Maschinen auf dem Vorfeld des Flughafens Hahn. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Dass das Hunsrückdorf Hahn mit seinen 184 Einwohnern und dem ehemaligen US-Militärflugplatz mal mit dem Zusatz Frankfurt/Hahn als Zielort werben könnte, hätte dort wohl auch niemand gedacht. Immerhin sind es bis zur Main-Metropole noch über 100 Kilometer. Vom ungleich teureren Rhein-Main-Flughafen kann der Fluggast hingegen bequem die S-Bahn in die Stadt nutzen oder schnell einen Anschlussflug besteigen. Dafür ist es eben deutlich billiger, Hahn zu nutzen - dem Geheimnis des Billigfliegers Rynair nähert man sich auf diesem Weg recht schnell, denn auch die anderen Zielflughäfen sind ähnlich ausgesucht. Die Sparliste des Michael O'Leary ließe sich fortsetzen, von der Verwaltung bis zum Flugbetrieb.

Der Mann der Effekte

Dass dieses Modell und seine Firma der Öffentlichkeit auch bitte schön immer im Gedächtnis bleiben, dafür sorgt O`Leary auch selbst. Nicht nur, dass er teure Marketingkampagnen spart, er ist eben seiner extrovertierten Art in all den sehr erfolgreichen Jahren treu gebileben. Beispiele gefällig? Erst jüngst trat O'Leary im Kostüm als Batman-Assistent Robin im Bat-Mobil auf. Früher, in den Kindertagen von Ryanair, tat O'Leary dies noch viel öfter, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Alles aber mit Berechnung: "Das Alberne und Lächerliche war ein sehr wichtiger Teil der Ryanair-Promotion, als wir noch kleiner waren. Wir hatten nicht viel Geld für Werbung und Anzeigen. Und speziell im Zeitalter von Internet und sozialen Medien wirkt das Alberne und Lächerliche sehr viel schneller, um wahrgenommen zu werden", verrät O`Leary in einem Gespräch mit "Meedia" sein Erfolgsrezept.

Ryanair-Chef Michael O'Leary mit Narrenkappe

O'Leary im Till-Eulenspiegel-Outfit in Magdeburg anlässlich der Aufnahme des Flugbetriebs nach Spanien. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Unvergessen auch die mit provozierenden Sprüchen lackierten Ryanair-Maschinen. "Auf Wiedersehen, Lufthansa", stand dort zu lesen, oder "say no to BA fuel charges" ("Sagen Sie nein zu den Kerosingebühren der British Airways"). Im Jahr 2003 fuhr O'Leary gar mit einem Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg vor die Zentrale des Konkurrenten EasyJet, angeblich, um dessen Kunden von den hohen Preisen zu befreien.

Zuletzt seriöser

Aber auch O'Leary und Ryanair müssen lernfähig sein. Denn nicht alles ist mit dem Argument zu rechtfertigen, dass es eben billiger sei. So beschimpfte O'Leary auch mal Kunden, dass sie unfähig seien, ihre Tickets selber auszudrucken. Unverzeihlich auch die 200-Dollar-Stornogebühr für einen Kunden, der zuvor seine Familie bei einem Hausbrand verloren hatte. Die Entschuldigung half nicht wirklich, die negative Presse für Ryanair nahm ab Anfang 2013 zu.

Aber O'Leary wäre nicht O'Leary, wenn er nicht auch darauf eine Antwort gewusst hätte. Ryanair, bisher als eher schroff und abweisend im Außenkontakt wahrgenommen, verpasste sich ein kundenfreundlicheres Image. O'Leary wurde höflicher und schaffte bei den Kunden so unbeliebte Dinge wie Extra-Gebühren fürs Gepäck oder die zufällige Auswahl eines Sitzplatzes ab.

Zudem orientierte er sich mehr an dem Geschäftsflieger-Image des Konkurrenten EasyJet. Heute kann man auch bei Ryaniar einen Platz reservieren - und die Benutzungsgebühren für die Toilette bezeichnet O'Leary mittlerweile auch nur noch als Scherz. Sogar gegenüber der lange Zeit belächelten Konkurrenz schlägt er jüngst freundlichere Töne an und bietet sogar Verbindungen für Langstrecken-Konkurrenten an.

Aktie hebt ab

Ryanair: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
16,30
Differenz relativ
+1,59%

Die Börse jedenfalls liebt Ryanair, denn die Strategie macht sich bezahlt. Längst schon bieten Wettbewerber wie Lufthansa mit eigenen Billigflugtöchtern günstigere Flüge an. Der gelernte Buchhalter O'Leary hat mit seinem Selbstverständnis damit die Branche aufgemischt wie nie zuvor, was sich auch am Chart der Aktie zeigt. Und er setzt sich hohe Ziele. 2016 will er mit Ryanair 105 Millionen Passagiere befördern, mehr als die Konkurrenten EasyJet und Air Berlin zusammen.

Stand das Papier vor gut vier Jahren im Tief noch unter drei Euro, liegt der Kurs heute bei über 14 Euro. Spätestens seit Anfang 2014 ist es dabei von Niveaus bei rund sechs Euro besonders stürmisch bergauf gegangen. Im Jahres- und Rekordhoch stand der Kurs erst in der vorherigen Woche schon bei 15,11 Euro. Kleiner Nebeneffekt: Michael O'Learys Vermögen ist 2015 kräftig gestiegen. Seit der Charme-Offensive ist er um rund 500 Millionen Euro reicher geworden, sein Vermögen wird auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt.

rm