Theo Siegert

Der Mann, der mit SNB-Aktien ein Vermögen machte Theo Siegert, der stille Großinvestor

von Bettina Seidl

Stand: 19.09.2017, 15:43 Uhr

Vor Jahren hatte Theo Siegert den richtigen Riecher: Der frühere BWL-Professor und deutsche Manager kaufte Aktien der Schweizerischen Nationalbank. Das brachte ihm Millionengewinne. Siegert ist ein Spezialist für Zahlen.

Theo Siegert ist inzwischen der größte Einzelaktionär der Schweizerischen Nationalbank. Laut dem letzten Jahresbericht der SNB gehören ihm 6,7 Prozent der Notenbank oder rund 6.700 Aktien. Sein Aktienpaket ist demnach fast 25 Millionen Franken schwer. Seit 2008 bekannt wurde, dass der heute 70-Jährige einen größeren Anteil an der Bank erworben hatte und diesen Anteil immer weiter ausbaut, wird immer wieder über seine Interessen spekuliert. Machtinteressen können es nicht sein. Denn weder haben die Eigner Einfluss auf die Geldpolitik der SNB. Noch können sie in der Bank groß mitreden. Die Mitbestimmungsrechte der Aktionäre bei der Nationalbank sind im Gegensatz zu anderen Aktiengesellschaften beschränkt. Nur mit maximal 100 Aktien sind sie stimmberechtigt.

100.000 Franken Dividende im Jahr

Der ehemalige Haniel-Manager, der seit 1993 den familieneigenen Vermögensverwalter "de Haen-Carstanjen & Söhne" leitet, gibt nur selten Interviews und äußert sich so gut wie nie zu seinen Investments. Zu seinem Engagement bei der SNB sagte er nur, er sei ein stiller Teilhaber. Die Beteiligung liefert ihm jedes Jahr eine Dividende von 15 Franken je Aktie. Das sind immerhin rund 100.000 Franken im Jahr. Gemessen am heutigen Kurs ist die Dividendenrendite nicht hoch, nicht einmal mehr ein halbes Prozent.

Aber im Verhältnis zum früheren Kursniveau von 1.000 Franken waren es doch 1,5 Prozent Rendite. Verglichen mit Schweizer Staatsanleihen, die lange Zeit nicht mal ein halbes Prozent Rendite abwarfen und derzeit sogar eine Minus-Rendite, könnte das ein Punkt sein. Allerdings kaufte Siegert auch weiter SNB-Aktien, als die Notenbank für das Geschäftsjahr 2013 erstmals keine Dividende zahlte. Die Dividende ist also nicht alles.

14 Millionen Franken Kursgewinn

Die Kursgewinne in den letzten Monaten geben ihm Recht. Die Aktie hat sich seit Mitte 2016 mehr als verdreifacht, Siegert hat dadurch allein in den letzten zwölf Monaten einen Kursgewinn von gut 14 Millionen Franken verbucht. Der relativ begrenzte Zahl von umlaufenden Aktien - es handelt sich um gerade mal 100.000 Stück, und viele davon in festen Händen - dürfte den Höhenflug befeuert haben. Und auch die öffentliche Diskussion darüber, die SNB-Aktie von der Börse zu nehmen.

Siegert soll mit einer ähnlichen Spekulation bereits einmal gut verdient haben: als sich die Notenbank der Notenbanken, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), vom Börsenparkett verabschiedete. Die Aktionäre wurden mit einem Aufschlag von 95 Prozent abgefunden.

Topverdiener der Aufsichtsräte

Dass der Manager gut rechnen kann, ist anzunehmen. Von 1997 bis 2012 lehrte er als Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Sein Spezialgebiet: Finanzanalyse und Unternehmensführung. Siegert hat in dieser Funktion viele Bücher mitverfasst, zum Beispiel "Wertorientierte Unternehmensführung". Laut der Schweizer "Handelszeitung" gehört der Manager zu den Topverdienern unter den deutschen Aufsichtsräten. Noch immer sitzt er in zahlreichen Kontrollgremien, etwa bei den Dax-Konzernen Eon, Henkel, Merck und bis 2012 auch bei der Deutschen Bank. Das "Handelsblatt" kürte ihn 2011 zu einem der einflussreichsten Aufsichtsräte des Landes mit einem wertvollen Netzwerk.

Siegert war lange bei dem Mischkonzern Haniel tätig, wo er schnell aufstieg und ab 2005 das Unternehmen sogar leitete. Als Siegerts Vater 1993 stirbt, übernimmt er auch die Unternehmensführung der Düsseldorfer Familienfirma de Haen-Carstanjen & Söhne. Ein Traditionsunternehmen, dessen Firmengeschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht.

Das Family Office

Früher handelte die Firma mit Waren für Apotheken und Drogerien, für die chemische Industrie und die Lebensmittelindustrie. 50 Jahre lang gehörte die Firma zum Henkel-Konzern. Doch die Familie kaufte den Firmenmantel des alten Familienunternehmens zurück. Heute verbirgt sich dahinter der familieneigene Vermögensverwalter, in dem Siegert seit 2004 das Familienvermögen managt. Er steht zudem verschiedenen Stiftungen und Verbänden vor, vergibt Stipendien in der Kunstszene, hält sich hier aber ebenso im Hintergrund wie in seiner Funktion als Großinvestor.

Ob Siegerts Kalkül mit SNB-Aktien aufgeht, muss sich aber noch erweisen. An der Börse muss man nicht nur gut rechnen können, man braucht auch das richtige Timing. Bislang bestehen Siegerts Kursgewinne wohl nur auf dem Papier. Wenn er in großem Stil Aktien verkauft, um die Buchgewinne in Geld umzumünzen, dürfte das an der Börse auffallen. Dann könnte sich der Hype um die SNB-Titel schnell in Luft auflösen.

Aber wer weiß, vielleicht kauft Siegert ja auch weiter SNB-Aktien zu. Bis zur Meldeschwelle von zehn Prozent würde das wiederum in dem derzeit starken Handel an SNB-Aktien nicht auffallen.