Tencent Pony Ma Huateng
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Porträt "Pony" Ma, der Chat-König

Stand: 14.08.2017, 15:30 Uhr

Eigentlich heißt er Ma Huateng. Doch der Chef des Internetriesen Tencent nennt sich selbstironisch "Pony Ma", eine Verniedlichung von "Ma", was übersetzt "Pferd" bedeutet. Doch so klein ist das Pony gar nicht. Immerhin ist er einer der reichsten Chinesen. Und in Europa gallopiert Pony Ma gerade auf.

Hierzulande kennt kaum jemand Chinas Superreiche. Vielleicht hat man gerade noch von Alibaba-Gründer Jack Ma gehört. Aber Ma Huateng? Dabei hat er jüngst Jack Ma vom Thron gestoßen und war kurzzeitig wohlhabender als jeder andere Chinese. Forbes bezifferte sein Vermögen auf 37 Milliarden Dollar, was ihm Platz 18 der reichsten Männer der Welt bescherte.

In China ist Ma Huateng allerdings in aller Munde. Eine Größe. Schließlich ist er Chef von Tencent, Chinas größtem Internetunternehmen. Tencent führt den Markt für Onlinespiele an und betreibt den Messengerdienst WeChat - und der ist als WhatsApp-Konkurrent selbst in Deutschland vielen ein Begriff.

Kometengleicher Aufstieg

Tencent hat einen kometenhaften Aufstieg vollbracht, wovon die gigantische Aktienkursentwicklung zeugt. Mehrere Tausend Prozent gewann die Tencent-Aktie seit dem Börsengang 2004. Der Börsenwert von Pony Mas Firma liegt inzwischen bei umgerechnet 320 Milliarden Dollar, womit Tencent neben Amazon, Google und Facebook zu den größten Internetunternehmen der Welt gehört. Ma hält rund 8,7 Prozent der Aktien - womit der Aktienkurs auch über seinen Rang in der Liste der Superreichen bestimmt.

Pony Ma gründete Tencent nach seinem Informatikstudium zusammen mit einem Studienfreund im Jahr 1998. Sie fingen an mit der Programmierung des Instant-Messengers OICQ - Open ICQ. Der Erfolg des Dienstes war überragend - fünf Millionen Nutzer gewann OICQ in nur einem Jahr. Der US-Konzern AOL, der den Dienst ICQ betrieb, erblasste vor Neid und klagte wegen zu großer Namensähnlichkeit. Ma taufte seinen Dienst kurzerhand um und nannte ihn QQ. Die Amerikaner nutzen die Abkürzung QQ für "quite quality" - "ziemlich gut". Als Firmenmaskottchen wurde ein pummeliger tanzender Pinguin erwählt.

WeChat- das digitale Portemonnaie

Weit mehr als ziemlich gut wurde Mas nächster Coup. Seine Truppe brachte Anfang 2011 die App WeChat. Mit 938 Millionen Nutzern pro Monat ist es die inzwischen meistgenutzte Messaging-App Chinas. Gerade die jungen Chinesen kommunizieren darüber mehr als über Telefon oder SMS. In China wird man eher nach seinem WeChat-Namen als nach seiner Telefonnummer gefragt. Und die App wird anders als hierzulande WhatsApp für weit mehr genutzt als bloß fürs Chatten. Es ist eine Art Universal-App: Die Chinesen nutzen sie, um ein Taxi zu bestellen (Tencent ist der größte Uber-Konkurrent), um zu shoppen, Lebensmittel und Essen zu ordern, Rechnungen zu zahlen oder auch nur Spiele zu spielen. Mit der Bezahlfunktion der App namens WeChat Pay drängt es Tencent nun auch nach Europa, wo der Konzern mit Wirecard kooperiert.

In China hat die mobile Bezahllösung über 600 Millionen aktive Nutzer, womit WeChat Pay auf einen Marktanteil von fast 40 Prozent im chinesischen Mobile-Payment-Markt kommt. Angesichts dieser Innovationskraft blicken die Googles und Facebooks dieser Welt neidisch auf WeChat und versuchen die App zu kopieren. Auch Apple kommt Pony Ma wieder in die Quere. In WeChat schaltete er eine Funktion frei, die Apples App Store überflüssig machen könnte.

Ein Spiele-Gigant

Pony Ma dominiert mit Tencent zudem den Spiele-Markt in China. Allein im Juni lieferte Tencent sieben der Top 20 Mobile Games. Das meistverkaufte Spiel „Honor of Kings“ stammt natürlich auch aus dem Hause Tencent und beschert dem Spieleanbieter stattliche Umsätze. Tencent gehört zu den profitabelsten Techkonzernen Asiens.

Jack Ma, CEO Alibaba, beim Börsengang in Hong Kong 2007

Trotz Namensgleichheit: Mit Alibaba-Gründer Jack Ma ist "Pony" Ma nicht verwandt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mas Wort hat Gewicht

Der bescheiden und nicht so medienwirksam wie sein Namensvetter Jack Ma auftretende "Pony" Ma gehört wie viele Superreiche in China auch dem kommunistisch gesteuerten Nationalen Volkskongress an. 114 der knapp 3.000 Delegierten des Gremiums stehen auf der Hurun-Liste der reichsten Chinesen. Unter ihnen eben auch der Tencent-Chef. Er hat einiges Gewicht. In einem offenen Brief forderte er etwa 2015 die Digitalisierung der Wirtschaft - prompt kündigte Ministerpräsident Li Keqiang die Internet-Plus-Strategie an. Insider schrieben den Begriff dem parteilosen Ma zu, dessen Forschungsinstitut das Konzept schon 2013 rausgab.

Chinas Privatunternehmer verschaffen sich aber nicht nur im Volkskongress Gehör. Ein anderer Trend ist, sich in renommierte Medienhäuser einzukaufen, um die öffentliche Meinung mitzugestalten. Wen wundert's noch: Tencent ist mit dabei, der Konzern übernahm Anteile an Chinas größter Wirtschaftspresse Caixin. Der Konzern prescht im Gallopp immer schneller vorwärts. Nur eine kleine Spielerei: In China heißt Tencent "Tengxun", das bedeutet "galoppierende Nachrichten".

Bei allem Erfolg: Beliebt ist Ma auch noch. Er engagiert sich sozial, übertrug über 100 Millionen Tencent-Aktien im Wert von zwei Milliarden Dollar an seine gemeinnützige Stiftung. Das Geld soll Projekte in China, die der Förderung von Medizin, Bildung und dem Umweltschutz gewidmet sind, zugute kommen.

bs

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"Pony Ma" stößt Jack Ma vom Thron Die Reichsten der Reichen

Jack Ma, CEO Alibaba, beim Börsengang in Hong Kong 2007

Jack Ma - Alibaba hat ihn groß gemacht
Da war der Jubel noch groß: Der Börsengang von Alibaba hat Unternehmensgründer Jack Ma reich gemacht. Eine Zeit lang war er der Reichste der Reichen in China und gar der vermögendste Mann Asiens. Nun hat ihn ein anderer Internet-Tycoon überholt. Doch immer wieder musste er den Platz auf dem Thron an andere abgeben.