Eine Erfolgsstory wird zum Drama Pixel, Milliarden und Kanonenfutter

Stand: 05.06.2013, 08:00 Uhr

Privatanleger stürmen den "Zirkus"

Viel Unterstützung hätte die Pixelpark-Aktie zu ihrem Start gar nicht gebraucht. Der Neue Markt ist längst zum "Zirkus" für große und kleine Anleger geworden. Eine Aufbruchsstimmung hat die deutschen Anleger erfasst. Auf der Börsenwelle schwimmen unbedarfte Privatinvestoren, Investmentbanken und Fondsmanager ebenso wie die Unternehmer selbst, die scheinbar jedes noch so löchrige Geschäftsmodell in Rekordzeit börsenreif konfektionieren.

Analysten erfinden eigens neue Kennziffern, um die zumeist noch Verluste schreibenden Start-ups einer "Bewertung" unterziehen zu können. Mangels Gewinnen werden "Kurs-Umsatz-Verhältnisse" oder "Cash-Burn-Ratios" zu dubiosen Anhaltspunkten für einen fiktiven Unternehmenswert. Einer der traurigen Höhepunkte der Entwicklung: Mit einer Handvoll Mitarbeitern, einer Menge Kapitalhunger und dem Namen fortunecity.com spielt eine Internet-Community im März 1999 zum Börsengang 113 Millionen Euro ein.

Im Vergleich dazu kann Pixelpark zur Jahrtausendwende als durch und durch seriöses Investment gelten. Die Aktie, die zu 12 bis 15 Euro ins Bookbuilding gegangen war, startet mit 16,30 Euro in den Handel und steigt am ersten Börsentag auf 19,50 Euro. Doch das ist nur der Aufgalopp einer rasanten Börsen-Achterbahnfahrt. Bereits zu Weihnachten 1999 ist eine Pixelpark-Aktie 100 Euro Wert, Paulus Neef, noch mit knapp 20 Prozent an seinem Unternehmen beteiligt, ist 350facher Millionär geworden, auf dem Papier.

Das Milliardenspiel

Zu dieser Zeit heuert das Unternehmen wöchentlich bis zu 40 neue Mitarbeiter an, hat bereits Filialen in Hamburg, Frankreich, England und der Schweiz eröffnet, und es schaut sich weltweit nach attraktiven Übernahmezielen um.

Doch keine drei Monate später hat der Neue Markt seinen Gipfel erreicht. Am 10. März 2000, genau drei Jahre nach der Gründung des Segments, schließt der Nemax 50 auf seinem Allzeithoch bei 9.665,81 Punkten. Der Neue Markt mit damals 229 Unternehmen ist mit 235,25 Milliarden Euro bewertet. Eine Pixelpark-Aktie kostet rund 300 Euro, aus der Hinterhof-Firma ist ein Milliarden-Konzern geworden. Und der steht, wie der gesamte Neue Markt, am Abgrund.