Eine Erfolgsstory wird zum Drama Pixel, Milliarden und Kanonenfutter

von Andreas Braun

Stand: 05.06.2013, 08:00 Uhr

Von der Goldgrube zum Sanierungsfall, vom Börsenhighflyer zum Pennystock: Mit der wechselvollen Geschichte der Firma Pixelpark kann auch die Börsengeschichte vom "Neuen Markt" beispielhaft nacherzählt werden.

Pixelpark Vorstandsvorsitzender Paulus Neef (l. )und Finanzvorstand Jan Kantowski

pixelpark. | Quelle: picture-alliance/dpa

"Eine Blase erkennt man erst, wenn sie schon geplatzt ist", sinnierte einst Nobelpreisträger Milton Friedman. Doch vor dem spektakulären Platzen der Blase am Neuen Markt ab Anfang 2000 kommt erst einmal ein rauschendes Fest aus Geld und Gier. Am Anfang der Börsenblase um die Jahrtausendwende steht, wie bei allen Börsenhypes der Geschichte, eine neue Vision: Das Internet als Motor einer "New Economy" verspricht permanente Innovation, grenzenloses Wachstum und unendlichen Geldsegen.

Pixelpark als Wegbereiter des Internets ist seit seiner Gründung 1991 in einem Berliner Hinterhof an der Spitze der Bewegung, zumindest in Deutschland. In den USA hat der Börsengang von Netscape bereits 1995 für Schlagzeilen gesorgt. Der Kurs der Firma, die eine Software für die Navigation im Internet programmiert hatte, hat sich am ersten Handelstag gleich verdoppelt.

Gut zwei Jahre später zieht die Deutsche Börse AG ihre eigene Konsequenz aus dem Internet- und New Media-Hype und eröffnet am 10. März 1997 den "Neuen Markt", ein eigenes Börsensegment für "Wachstums-Unternehmen". Bei Pixelpark ist einstweilen der Mediengigant Bertelsmann eingestiegen, der dem Unternehmen die weltweite Expansion ermöglichen will.

Banken bringen sich in Stellung

Doch erst im Oktober 1999 geht Pixelpark an die Börse. Zu diesem Zeitpunkt hat der Neue Markt bereits mehr als 100 Milliarden Euro an Anlegergeldern eingesammelt, zählt knapp 130 Unternehmen und hat sich kurz zuvor zwei eigene Indizes geleistet, den Nemax All Share und den Auswahlindex Nemax 50, zu dem Pixelpark schnell aufsteigt.

Beim IPO des Berliner Unternehmens, vom damaligen Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff lanciert, ziehen alle an einem Strang: Pixelpark selbst hat seine Hausaufgaben gemacht und zählt inzwischen die Allianz, die Deutsche Bank, Bayer, Metro sowie die Deutsche Telekom zu seinen Kunden. Den Umsatz hat man im Vorjahr auf rund 42 Millionen Euro verdoppelt, einen Konzernverlust von vier Millionen Euro wollen die "Pixel" in den kommenden Jahren in einen Gewinn verwandeln. Die eingespielten Millionen aus dem Börsengang sollen in die weltumspannende Expansion des Unternehmens investiert werden.

Neben einer Wachstumsstory par excellence haben Bertelsmann und Pixelpark aber auch das "Who is Who" der Bankenbranche aufgeboten. Das Emissionskonsortium wird von Goldman Sachs und der Deutschen Bank angeführt, mit im Boot sitzen auch die Privatbank Sal. Oppenheim und die DG Bank, die sich später noch einen zweifelhaften Ruf bei vielen weiteren Neuer Markt-IPOs erwerben sollte.