Irving Picard

Anwalt der Madoff-Opfer Picards Feldzug gegen das Finanzsystem

Stand: 02.04.2014, 16:08 Uhr

Seit der Anlagebetrüger Bernhard Madoff hinter Gittern sitzt, hat Irving Picard wohl kein Auge zu getan. Der Star-Anwalt versucht seit Jahren das Geld der Geschädigten zurück zu holen. In seinem Visier: die Banken, die vom Madoff-System profitiert haben sollen. Mit seinem Feldzug scheint er zum Leid der Banken aber noch lange nicht am Ende.

Es ist wie ein Jonglier-Spiel mit Zahlen. 65 Milliarden Dollar veruntreutes Geld. 17 Milliarden Dollar Schaden für mehrere tausend Opfer. Und 150 Jahre Gefängnis für den Mann, der für den bislang weltweit größten Betrugsfall verantwortlich ist: Bernhard Madoff.

Auf den Fersen der Banken

Bernard Madoff bei seiner Festnahme

Bernard Madoff 13. 12. 2008 Lehman Brothers Jahrestag Pleite. | Quelle: picture-alliance/dpa

Madoff wurde vorgeworfen, vermeintlich große Gewinne seiner Anlagefirma mit frischem Geld neuer Anleger ausgezahlt zu haben. Die Traum-Renditen, mit denen er Anleger lockte, waren alle gefälscht. 2008 flog der Schwindel auf.

Sechs Jahre nach Madoffs Verurteilung führt Irving Picard einen Prozess nach dem anderen und verhandelt, um die Gelder zurück zu holen, die der Jahrhundertbetrug verschlungen hat. Er verwaltet als Treuhänder das zwangsliquidierte Madoff-Unternehmen "Bernard L. Madoff Investment Securities LLC". Und das, so scheint es, unermüdlich.

Madoff-Betrug in Zahlen
Veruntreutes Geld65 Mrd. Dollar
Schaden für die Opfer17 Mrd. Dollar
Bisher wiedererlangtes Geld6 Mrd. (34 Prozent)
Haftjahre für Bernhard Madoff150

Picard: Banken verdienten am Schwindel

Seither befindet sich Irving Picard im Kampf gegen die Nutznießer des Madoff-Betrugs. In seinem Visier sind unter anderem die Banken UBS, HSBC, UniCredit und JPMorgan. Picard wirft ihnen vor, stillschweigend vom Betrugssystem gewusst zu haben. Indem sie neue Anleger für Madoffs Fonds anwarben und dafür Gebühren kassierten, hätten sie vom Schneeballsystem sogar profitiert. Er fordert von ihnen Milliardenbeträge und lässt nicht locker. Madoffs Hausbank JPMorgan beschuldigt er, den Betrug erst ermöglicht zu haben. Die Banken bestreiten die Vorwürfe.

Anfang des Jahres hatten Picard und JPMorgan sich auf eine Zahlung von 325 Millionen Dollar geeinigt, mehrere hundert Millionen will die Bank noch zahlen, um zwei Sammelklagen aus dem Weg zu gehen.

Opfer haben ein Drittel ihres Geldes wieder

Und auch an anderen Fronten tut sich was. Die Geschädigten bekommen erneut einen Teil ihres Verlusts zurück. Eine neue Auszahlung von 349 Millionen Dollar ist bereits geplant und muss nur noch vom New Yorker Konkursgericht genehmigt werden. Und das wird wohl nicht das Ende sein.

Anwalt Picard will die höchstmögliche Summe der gestohlenen Gelder wiederbeschaffen und schnellstmöglich an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzahlen. Bisher konnten das Team um Treuhänder Picard mehr als sechs Milliarden Dollar an die Opfer zurückzahlen. Was nach horrenden Summen klingt, ist bisher aber nur ein Drittel des Geldes, das die großen und kleinen Investoren verloren haben.

Am 17. April geht es in die nächste Runde. Dann will Picard für Forderungen von rund tausend Anleger der Madoff-Firma wieder ins Feld ziehen.

ds