Peter Thiel

Porträt Peter Thiel: Silicon Valleys Provokateur

Stand: 11.10.2017, 08:18 Uhr

"Versau es nicht!" Mit diesen legendären Worten stieg Peter Thiel 2004 als erster Investor bei Facebook ein. "Mission accomplished", könnte Mark Zuckerberg heute antworten. Aber auch Thiel ist ein Mann auf einer Mission, die längst noch nicht erledigt ist. Heute wird er 50 Jahre alt.

Peter Thiel ist kein typischer Investor. Es geht ihm nicht darum, seinen Reichtum bis zur Sinnlosigkeit und darüber hinaus zu vermehren. Thiel ist ein Mann, der sich und sein Geld für höhere Ziele einsetzt, und dabei auch die großen Fragen der Menschheit nicht scheut. Auch wenn er bislang noch keine wirklich befriedigenden Antworten gefunden hat.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat Thiel einiges zu verdanken - und umgekehrt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Berühmt und reich wurde der auch politisch sehr interessierte Investor durch sein Engagement bei Facebook, wo er aus seinem Einsatz von 500.000 Dollar rund eine Milliarde machte – ein Traum, den jeder Anleger träumt. Thiels Vermögen beträgt laut Forbes aktuell 2,8 Milliarden Dollar. Damit belegt er Platz 745 auf der Liste der reichsten Menschen. Und auf der Liste der mächtigsten Menschen erreicht er Platz 73. Mittlerweile zählt der Milliardär und Visionär Thiel, der sich auch als Buchautor ("Zero to One") einen Namen machte, laut "New York Times" und "Fortune" sogar zu den wichtigsten Intellektuellen der USA.

Ein junger Revoluzzer  

Thiels Wurzeln liegen aber in Deutschland, in Frankfurt am Main. 1967 wurde er hier geboren, seine Eltern wanderten bereits in die USA aus, als er ein Jahr alt war. 1977 zogen die Thiels nach Kalifornien in die Nähe des heutigen Silicon Valley, das zu dieser Zeit gerade zu werden begann, was es heute ist. Der mathematisch Hochbegabte und exzellente Schachspieler studierte Philosophie und Jura in Stanford.

Thiel mischte sich dort mit einer von ihm gegründeten Zeitung "Stanford Review" in die Debatten ein und fiel als Vorkämpfer für libertäre Ideen und als Kämpfer gegen Political Correctness und linke Ideologien auf. Stanford wurde das intellektuelle Zentrum des Valleys, dem Mittelpunkt der US-Technologieszene, das letztlich entscheidend von Männern wie Thiel mitgestaltet wurde.

Intermezzo an der Wall Street

Zunächst sah es allerdings nicht danach aus, als würde Thiel ein Teil der Tech-Bewegung werden. Der begeisterte Leser von philosophischen Werken, Science Fiction und Fantasy debütierte als Anwalt in einer New Yorker Kanzlei für Kapitalmarktrecht und machte so erste Erfahrungen an der Wall Street. Nach nur wenigen Monaten wechselte er zur Credit Suisse und handelte dort eine Zeit lang mit Wechselkursoptionen.

Für einen Mann mit den Ambitionen Thiels war die Wall Street, wo die Menschen sich seiner Einschätzung nach aufreiben, indem sie auf stupide Weise dem Reichtum nachjagen, wohl der falsche Ort. Er kehrte Ende der 90er zurück ins Silicon Valley - gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn eine Erfindung namens Internet und Konzerne wie Amazon, Ebay oder Yahoo fingen an, die Welt zu verändern. Der Dot-Com-Boom begann.

PayPal-Logo

PayPal. | Bildquelle: Unternehmen

Wie viele andere Investoren unserer Serie startete Thiel, indem er von Freunden und Bekannten für seinen ersten Hedgefonds Geld einsammelte, Thiel Capital Management. Thiel konzentrierte sich dabei auf Start-ups und landete bald den ersten Volltreffer: PayPal.

Peter Thiel, der Don der "PayPal-Mafia"       

"Erfolgreiche Investitionen mögen verrückt aussehen, aber in Wirklichkeit sind sie es nicht", findet Thiel. Er sponsorte 1998 den ukrainischen Programmierer Max Levchin und stellte ihm rund 250.000 Dollar zur Verfügung, um ein revolutionäres internetbasiertes Bezahlsystem zu entwickeln. Aus der Zusammenarbeit entstand mit Thiel als CEO schließlich PayPal. PayPal fusionierte mit dem größten Konkurrenten X.com, den seinerzeit der heutige Tesla-Boss Elon Musk leitete. Kurz nach dem IPO im Jahr 2002 übernahm Ebay das Unternehmen für 1,5 Milliarden Dollar – Thiel wurde Multimilliardär.

Elon Musk

Elon Musk. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Aus dieser Zeit stammt auch Thiels Silicon-Valley-Netzwerk. Viele der PayPal-Mitarbeiter und Gründer tauchen später in der Szene wieder als Unternehmer auf. Bis zum Milliardär haben es außer Thiel zwar nur Musk und Thiels Stanford-Kollege Reid Hoffmann gebracht. Aber aus diesem Umfeld stammen erfolgreiche Unternehmen, die heute jedermann kennt wie Tesla Motors, LinkedIn, Yelp, Yammer oder YouTube.    

Auch das Kapital, mit dem er seinen Hedgefonds Clarium Capital auflegte, stammt aus dieser Zeit. Einige falsche Entscheidungen während der Finanzkrise ließen den milliardenschweren Fonds jedoch wieder auf einen kleineren dreistelligen Millionenbetrag schmelzen. Heute widmet sich Thiel wieder modernen Technologien: "Ich setze gegen New York und auf das Silicon Valley."

Wir wollten fliegende Autos…

… und bekamen 140 Zeichen. So heißt es fast etwas resigniert im Manifest seiner Risikokapitalfirma Founders Fond. Für Thiel ist der Infodienst Twitter offensichtlich kein wahrer Gewinn für die Menschheit. Er hält das ganze Internet letztlich für eskapistisch. Erstaunlich, dass jemand, der sein Geld so intensiv auf die Social-Media-Branche verteilt hat, sich doch so kritisch über sie äußert.

»Der Fortschritt im Internet lenkt uns davon ab, dass unsere U-Bahnen oder auch unsere Städte insgesamt merkwürdig alt aussehen. Da hat sich nicht viel verändert in 30 oder 40 Jahren.«

Peter Thiel in der Wochenzeitung "Die Zeit"

Aber frei von Widersprüchen ist Thiel wahrscheinlich ebenso wenig wie irgendjemand sonst. Außerdem ist er als Libertärer ein Anhänger eines extremen Individualismus und Gegner der aus seiner Sicht verkrusteten Staatssysteme, die dem Einzelnen ihre Spielregeln aufdrängen. So lässt sich auch sein Interesse am sogenannten Seasteading verstehen. Das sind schwimmende Hightech-Inseln, die gleichsam exterritorial als ein Art Labor für neue gesellschaftliche Systeme funktionieren sollen. Auch das Verlängern des menschlichen Lebens ist eines der Themen, die ihn umtreiben.

Von null auf eins

Peter Thiel-Buch

Peter Thiel-Buch "Zero to One". | Bildquelle: Verlat, colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Recht kontrovers wurde sein jüngst erschienenes Buch "Zero to One" aufgenommen, das aus einem Seminar in Stanford entstanden ist. Darin lobt er die Kreativität und den Mut echter unternehmerischer Querdenker und wendet sich gegen die herrschende Vorstellung, es sei der Wettbewerb, der die Welt und den Kapitalismus antreibe. Junge Gründer sollten wie Google oder Facebook Monopole anstreben, indem sie etwas wirklich Neues schaffen. Denn zerstört nicht der permanente Wettbewerb die schönsten Unternehmensgewinne? Alte Monopolisten sollten lieber dereinst durch bessere abgelöst werden.

Anstiftung zum Studienabbruch?

Aber dem Provokateur Thiel genügt es nicht, nur über diese Themen nachzudenken. Mit einem von ihm finanzierten Stipendium erntete er Entsetzen: Jährlich spendiert Thiel 20 bis 25 jungen Menschen unter 20 100.000 Dollar, wenn sie eine Unternehmensidee haben, die die Welt verbessern könnte. Der Haken: Sie sollen ihr Studium abbrechen.

Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page

Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page: In Bestform dank Bildung?. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Dabei ist Thiel selbst ein Beispiel dafür, wozu gerade die Absolventen der Stanford University fähig sind. Und er ist in guter Gesellschaft: Neben Steve Ballmer, dem Ex-CEO von Microsoft, haben auch die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin einen Stanford-Abschluss. Ebenfalls in Stanford waren die Gründer von Hewlett-Packard, David Packard und William Hewlett erfolgreich, sowie die Gründer von Cisco Systems und Jared Karim, der Gründer von YouTube.

Ob sie ihren Erfolg trotz oder wegen des Uni-Abschlusses gemacht haben - wer soll das wissen. Für uns Normalsterbliche sollte also lieber gelten: Sicher ist sicher!

Ein dynamisches Duo: Trump & Thiel?

Und Sicherheit scheint auch ein Thema zu sein, mit dem Thiel bei der Regierung Donald Trumps punkten kann. Er zählt zu den bekanntesten Unterstützern des Präsidenten. Das dürfte Trump gefallen, der ansonsten - vorsichtig ausgedrückt - keinen guten Draht ins Silicon Valley hat. Zuletzt spekulierten Medien darüber, dass Thiel einen Platz im Trumps Team einehmen könnte. Es werden ja auch ständig wieder Plätze frei.

Donald Trump

Donald Trump. | Bildquelle: picture alliance / Evan Vucci/AP/dpa

Wird Thiel bald Trumps Geheimdienst-Berater? Thiel soll laut "Vanity Fair" Chancen haben, die Leitung des President’s Intelligence Advisory Boards (P.I.A.B.) zu übernehmen. Das Gremium arbeitet Geheimdienst-übergreifend. Qualifiziert wäre Thiel durchaus. Als einer der Gründer des IT-Konzerns Palantir dürfte er mit Geheimdienstarbeit vertraut sein. Palantir ist ein Big-Data-Konzern, der sich auf die Analyse großer Datenmengen spezialisiert hat. Zu den Kunden von Palantir sollen auch US-Nachrichtendienste gehören, die CIA sogar zu den ersten Investoren.

Wie das wohl zu Thiels Gegnerschaft gegen verkrustete Staatssysteme passt, und zu seinem extremen Individualismus? Als gelernter Philosoph und Jurist ist er prädestiniert dafür Argumente zu erfinden, um das zu erklären.

ts

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Die Investments von Peter Thiel Von Autos, Raumschiffen und Nanotechnologie

Tesla Produktionshalle

Tesla

Peter Thiel lernte Elon Musk als Konkurrenten kennen, der seinerzeit mit X.com an einem eigenen internetbasierten Bezahlsystem arbeitete. Er und Musk scheinen sich ähnlich zu sein, denn mit seinem Unternehmen Tesla Motors will Musk die Autobranche mittels Elektroantrieb aufmischen.

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