Deutsche Börsendynastien

Frau in weißem Kleid und Persil-Schriftzug vor dunkelblauem Hintergrund

Der Henkel-Konzern Persil, Pattex und der Familienclan

Stand: 30.09.2015, 13:57 Uhr

Auch fast 140 Jahre nach seiner Gründung ist der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel mehrheitlich in Familienbesitz. Dass das noch eine ganze Weile so bleiben wird, verdankt das Unternehmen vor allem einer Frau.

Die Rede ist von Simone Bagel-Trah, der Aufsichtsratschefin und Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses des Henkel-Konzerns. Auch wenn es ihr fremd klingender Name nicht verrät: Bei der 1969 geborenen, promovierten Biologin handelt es sich um die Ur-Ur-Enkelin von Unternehmensgründer Fritz Henkel.

Ihr ist es im vergangenen Jahr gelungen, die rund 100 Mitglieder des Henkel-Clans darauf zu verständigen, ihre Stammaktien 17 Jahre länger zu behalten als vorgesehen. Statt Ende 2016 dürfen sie ihre Anteile nun erst ab 2033 verkaufen - sollte es bis dahin keinen neuen Aktienhaltevertrag geben. Zunächst einmal bleibt also der fast 140 Jahre alte Konsumgüterkonzern aus Düsseldorf-Holthausen unter der Kontrolle der Familie.

Knapp 59 Prozent der Stimmrechte in Familienhand

Mehr noch: Nach Firmenangaben konnte die Zahl der im neuen Vertrag gebundenen Stammaktien sogar von 53,65 Prozent auf 58,68 Prozent des Kapitals aufgestockt werden. Mehr als 80 der 100 Familienmitglieder sollen ihre Anteile eingebracht haben. Damit sind Spekulationen vom Tisch, der inzwischen weltweit zerstreute Clan könne sich von Henkel-Anteilen trennen.

Ausgedacht hatte sich das Konstrukt der Vorgänger von Simone Bagel-Trah: Albrecht Woeste, ein Neffe des langjährigen Konzernchefs Konrad Henkel. Um die zahlreichen Familienmitglieder zu disziplinieren und sie am Verkauf ihrer Anteile zu hindern, handelte Woeste 1996 einen Aktienbindungsvertrag aus, der vor Ende 2016 nicht ohne finanziellen Verlust kündbar war und nun verlängert wurde.

Gut organisierter Familienclan

Größter Einzelaktionär des Düsseldorfer Konzerns ist Christoph Henkel, ein in London als Investmentbanker tätiger Urenkel des Gründers. Er hält 5,8 Prozent. Kein anderes Familienmitglied erreicht die Meldegrenze von drei Prozent. Braucht einer dringend Geld, kann er mit einem Abschlag seine gebundenen Familienaktien in einem internen Fonds gegen zugekaufte "freie“ aus dem Streubesitz eintauschen und diese verkaufen. So ändern kleinere Abgänge nichts an der Familiendominanz.

Simone Bagel-Trah

Simone Bagel-Trah. | Bildquelle: Henkel

Überhaupt sind die Henkel-Erben peinlichst darauf bedacht, das Bewusstsein für die Familienzusammengehörigkeit zu bewahren und entsprechend zu pflegen. Dafür gibt eine ganze Reihe von Instanzen und Veranstaltungen wie einen Ältestenrat, Informationskreise, gemeinsame Reisen und sogar ein eigenes Intranet. Wie die "Wirtschaftswoche" berichtet, werden Henkel-Erben ab 14 Jahren mit Werksführungen und gemeinsamen Ferien ans Unternehmen herangeführt, um den Clan auch nach mehr als 130 Jahren weiter zusammenzuhalten.

Die Königsmacher

Das wichtigste Gremium des Unternehmens ist allerdings der zehnköpfige Gesellschafterausschuss. In diesem erlauchten Kreis sitzen neben den beiden Henkel-Erben Simone Bagel-Trah und Christoph Henkel acht handverlesene Wirtschaftskapitäne - darunter Deutsche Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der frühere BMW-Chef Norbert Reithofer, Jean-François van Boxmeer, der Geschäftsführer von Heineken oder Werner Wenning, Aufsichtsratschef von Bayer. Die zehn gelten als die Königsmacher, sie bestellen den Vorstand, kontrollieren ihn und sind an allen wichtigen Weichenstellungen des Unternehmens beteiligt.

Gegründet wurde das Unternehmen 1876 in Aachen von dem aus Hessen stammenden Kaufmann Fritz Henkel. Dessen Kompagnons Otto Dicken und Otto Scheffen hatten nämlich in der Domstadt eine Wasserglasfabrik gegründet und damit den Grundstein für die Herstellung von Waschmittel gelegt. Denn Wasserglas ist ein Alkalisilikat, das für die Herstellung von Waschmitteln verwendet wird.

Durchbruch mit Persil

Die Firma wächst, zieht aber bereits zwei Jahre nach ihrer Gründung von Aachen nach Düsseldorf, hauptsächlich wegen dessen besserer Anbindung an Eisenbahn und Schiffahrt. Der Durchbruch gelingt Henkel 1907, gut 30 Jahre nach seiner Gründung, mit der Erfindung des Waschmittels das seither zu den bekanntesten Markennamen auch außerhalb Deutschlands gehört: Persil.

Pritt-Stifte

Pritt-Stifte von Henkel. | Quelle: picture-alliance/dpa

Das Waschmittel wird der Eckpfeiler für das Wachstum des Unternehmens, zunächst auf dem Bereich Klebstoffe (Pritt und Pattex). Im Oktober 1985 entschloss sich die Familie, das Kapital zu öffnen und an die Börse zu gehen. Den dadurch gewonnenen Finanzierungsspielraum hat Henkel genutzt, um das Geschäft weiter auszubauen und noch breiter aufzustellen. So wurde 1996 der Haarpflege-Spezialist Schwarzkopf gekauft. Ein Jahr später folgten Übernahmen in den USA (Manco, Loctite und LePage).

Düsseldorf bleibt Stammsitz

Diese und zahlreiche andere Zukäufe hoben den Umsatz des Henkel-Konzerns zwischen 1985 und 1997 von knapp 4,8 Milliarden Euro auf mehr als 10 Milliarden Euro. Unter der Leitung des seit 2008 amtierenden Vorstandschefs Kasper Rorstedt, eines gebürtigen Dänen, ist der Umsatz bis 2014 auf 16,4 Milliarden Euro gestiegen. Das Ebit erreichte 2,24 Milliarden Euro. Von den inzwischen fast 50.000 Mitarbeitern sind die meisten - 42.000 - im Ausland beschäftigt.

Die Bedeutung des Stammsitzes im Süden der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt bleibt allerdings ungebrochen: "Düsseldorf-Holthausen ist immer noch unsere weltweit größte Produktionsstätte, in die wir massiv investieren", sagt Bagel-Trah. Ein neues Hochregallager und eine neue Produktionslinie für den Weichspüler Vernel haben zusammen 100 Millionen Euro gekostet. Investitionen, die nach Düsseldorf geflossen sind.

Aus Bagel-Trahs Sicht kann sich ein Unternehmen wie Henkel auch deshalb gut entwickeln, weil es "das Beste aus beiden Welten" verbinde: das langfristige, generationsübergreifende Engagement der Familie, gepaart mit der Notierung an der Börse. Das habe den Vorteil, dass auch Dritte auf den Konzern schauen und man mit Maßstäben gemessen werde, an denen sich auch andere messen lassen müssten.

lg

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Die wichtigsten Etappen des Henkel-Konzerns Von Persil bis Pattex

Fritz Henkel

Fritz Henkel