Börsengeschichten

Peanuts

Peanuts stehen zum Verkauf Wer nimmt Charlie Brown und Snoopy auf?

Stand: 01.02.2017, 11:01 Uhr

Wer hätte das gedacht: Die Peanuts haben tatsächlich das Zeug zu einer Börsengeschichte. Die berühmten Comicfiguren werden wohl verkauft, weil ihrem Besitzer, der börsennotierten Firma Iconix, das Wasser bis zum Hals steht: Iconix ist hoch verschuldet.

Iconix verdient sein Geld mit Marken. Der Konzern besitzt die Rechte an den verschiedensten Labels, darunter namhafte aus der Bekleidungsbranche wie Umbro, Rocawear, Lee Cooper, Ecko Unltd, Ed Hardy und Buffalo. Und Iconix besitzt auch die Mehrheit an den Markenrechten der Peanuts-Cartoons. Der Multi-Marken-Konzern verdient sein Geld mit mehr als 1.100 Lizenzen.

Das heißt: Geld verdienen kann man mittlerweile nicht mehr sagen. 2015 verbuchte Iconix einen Verlust von 189 Millionen Dollar. Seit 2014 gehen die Lizenzeinnahmen zurück. Mittlerweile sitzt der Konzern auf einem Schuldenberg von 115 Millionen Dollar. Weil Iconix dringend Geld braucht, verkaufte der Konzern kurz vor dem Jahreswechsel die Markenrechte am Geschenkartikelanbieter The Sharper Image für 100 Millionen US-Dollar. Die Aktie des Konzerns hat einen herben Einbruch erlebt. Von über 40 Dollar Mitte 2014 fiel der Kurs bis Ende 2015 deutlich unter 10 Dollar. Derzeit kostet sie wieder knapp über 10 Dollar.

Jetzt heißt es, die Vermarktungsfirma wolle auch ihren Mehrheitsanteil an der "Peanuts Worldwide LLC" zu Geld machen. So berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und zitiert mit dem Vorhaben vertraute Personen. Iconix suche nach einem Käufer. Es gebe auch bereits einige Interessenten, darunter chinesische Firmen. Wie viel der Verkauf bringen könnte, sagten die Personen nicht. Neben den Peanuts wolle Iconix auch die in 80er Jahren entstandene Marke Strawberry Shortcake losschlagen.

Die Geldmaschine

Charlie Brown und seine Freunde sind die Geldmaschine schlechthin. Die von Charles Schulz erfundenen Figuren erschienen erstmals 1950 unter dem Namen Peanuts. Den Insidern zufolge erwirtschafteten sie über zwölf Monate etwa 30 Millionen Dollar vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Lizenzen für die beliebten Comic-Figuren gibt es für mehr als 100 Länder, der größte ausländische Markt für die Peanuts ist Japan. Dort wurde erst im vergangenen Jahr ein neues Peanuts-Museum eröffnet.

Die Marke bringt zum einen Geld, weil weltweit Zeitungen für den Abdruck der Comicstreifen zahlen. Zum anderen spülen Merchandising und Lizenzierung reichlich Geld in die Kasse. Die Peanuts-Figuren treten zum Beispiel in Videospielen auf, werden auf T-Shirts gedruckt. Mehrere US-Freizeitparks haben Lizenzen für Attraktionen wie "Planet Snoopy" gekauft. Ein animierter 3D-Film soll im Herbst in die Kinos kommen. Auch die Modekette Zara, Schokoladenhersteller Nestlé, Briefpapierhersteller Hallmark und Einzelhändler Target nutzen die Peanuts-Charaktere.

Alles nur Peanuts?

Die Kultfiguren gehören schon seit 2010 zu Iconix. Damals kaufte die Firma einen Anteil von 80 Prozent an den Peanuts von dem Medienkonzern E.W. Scripps. Das Geschäft hatte einen Wert von 175 Millionen Dollar. Der kleiner Anteil an der "Peanuts Worldwide LLC" gehört den Erben des im Jahr 2000 gestorbenen Zeichners und Peanuts-Erfinders Charles Schulz.

Bis vor kurzem warben die Peanuts auch für die Versicherung Metlife. Doch die verabschiedete sich jüngst von Charlie Brown, Snoopy und Co. als Werbeträger. Ein derber Rückschlag für Iconix, die seither für einen Käufer ihrer Anteile sucht. Dass die Deutsche Bank an den Peanuts-Markenrechten interessiert sein soll als Ehrung für Top-Banker Hilmar Kopper, wäre zwar auch eine nette Börsengeschichte, ist aber nur ein frei erfundenes Gerücht.

bs