Portrait

Deutsche Bank Aufsichtsratschef Paul Achleitner

Chefkontrolleur der Deutschen Bank wird 60 Paul Achleitner: Zauderer oder Kämpfer?

Stand: 27.09.2016, 15:53 Uhr

Die Deutsche Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Dennoch ist von Chefaufseher Paul Achleitner derzeit nichts zu sehen oder zu hören. An diesem Mittwoch feiert der gebürtige Linzer seinen 60. Geburtstag.

Eine Wende zum Besseren, wie sie sich viele Analysten und wohl auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner von Deutsche-Bank-Chef John Cryan erwartet hatten, ist bisher ausgeblieben. Im Gegenteil. Seit Cryan vor gut einem Jahr sein Amt übernommen hat, ist der Aktienkurs des in Bedrägnis geratenen Geldhauses um über 60 Prozent eingebrochen. Und noch ist kein Ende der Talfahrt in Sicht.

Natürlich trägt Cryan für die windigen Geschäfte und kriminellen Machenschaften der Deutschen Bank nicht die Hauptverantwortung, doch Cryan ist das Gesicht der Bank in der Öffentlichkeit, er bestimmt wie der einst so stolze deutsche Branchenprimus in Zukunft aufgestellt sein soll.

Amtszeit endet 2017

An dessen Erfolg oder Misserfolg wird auch Paul Achleitner gemessen werden. Denn der frühere Investmentbanker Cryan ist seine Wahl. Der Brite muss für Achleitner die Kohlen aus dem Feuer holen - und zwar möglichst schnell. Im Mai 2017 endet die Amtszeit des Österreichers. Ob er für eine zweite Periode zur Verfügung steht, ist unsicher. Bei der Hauptversammlung in diesem Mai betonte Achleitner zumindest, er hätte sich wieder aufstellen lassen, wenn schon 2016 eine Wiederwahl angestanden hätte. Immer wieder betont Achleitner, dass es sich lohnt, für die Deutsche Bank zu kämpfen. Sein Ziel: "Wir wollen die führende Kapitalmarktbank außerhalb der USA sein."

Die Hürden sind hoch - und eigentlich müsste sich Achleitner das nicht mehr antun. Er begann seine Karriere nach dem Studium an den Elite-Universitäten von St. Gallen und Harvard 1984 bei der Unternehmensberatung Bain. 1988 wechselte er zur legendären Wall-Street-Bank Goldman Sachs und baute für sie das Deutschland-Geschäft auf. Dabei brachte er etwa die Telekom an die Börse sowie Thyssen und Krupp zu einem Konzern zusammen.

Deutsche Bank Hauptversammlung 2016.

Protzen ist nicht seine Sache

Beim Goldman-Börsengang 1999 kassierte Achleitner als damaliger Partner Millionen. Seitdem hat er ausgesorgt. Der Top-Manager wohnt in München und hat eine Residenz auf Mallorca. Doch Protzen ist seine Sache nicht, der Fan des Fußball-Bundesligisten Bayern München gilt als bescheiden. Wie seine Frau Ann-Christin Achleitner, renommierte Betriebswirtschafts-Professorin an der TU München und Aufsichtsrätin etlicher großer Unternehmen, legt er größten Wert auf Privatsphäre.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Und das "Power-Paar", wie manche Medien die beiden schon nannten, versichert, nicht am Küchentisch über die Deutschland-AG zu beraten: "Die letzte Mathearbeit und der nächste Schulausflug interessieren hier mehr als Boni-Programme und Eigenkapitalregeln", schilderte Paul Achleitner einmal. Das seit 1994 verheiratete Paar hat drei Söhne, einer von ihnen ist das Patenkind von Joschka Fischer.

"Wer ist das schon?"

Im Jahr 2000 wechselte Achleitner in den Vorstand der Allianz und blieb dort zwölf Jahre. Und seiner Ägide wurde der Versicherer die Problemtochter Dresdner Bank an die Commerzbank los. Mitte 2012 holte die Deutsche Bank Achleitner als Chefkontrolleur nach Frankfurt - nach internen Grabenkämpfen. Die neue Aufgabe reizte Achleitner. Zunächst als mächtiger Strippenzieher in den Frankfurter Zwillingstürmen gefeiert, halten ihm Kritiker vor, zu lange am Investmentbanker Jain festgehalten und so die Aufarbeitung alter Skandale gebremst zu haben. Bis heute belastet die Vergangenheit das Institut schwer, dazu kommen strengere Regeln, die Banken das Geldverdienen erschweren.

Achleitner, der auch in den Aufsichtsräten von Bayer und Daimler sitzt, hat stets betont, dass ihm die richtige Strategie wichtiger sei als die handelnden Personen. Niemand sei unersetzbar, sagte er - angesprochen auf die damalige Deutsche-Bank-Doppelspitze Anshu Jain/Jürgen Fitschen - der "Wirtschaftswoche": "Wer ist das schon? Es geht um die Zukunft der Institution Deutsche Bank, nicht um die von Individuen."

lg/dpa-AFX