Michael Douglas als Gordon Gekko im Film

Studie Nur keine Selbstverliebten und Psychopathen

Stand: 10.11.2017, 13:55 Uhr

So mancher Hedgefondsmanager mag seinen Aufstieg einem ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung, Gewissen- und Rücksichtslosigkeit verdanken. Erfolgreicher ist er deshalb nicht - zumindest nicht an den Finanzmärkten.

Seit bekannt ist, dass Rücksichtslosigkeit und Narzissmus hilfreich sein können, um Führungspositionen – besonders im Finanzmarkt – zu ergattern, wird vielen Vermögensverwaltern und Fondsmanagern eine gestörte Persönlichkeit unterstellt. Befeuert werden solche Urteile von Büchern wie jene von Tom Wolfe ("Fegefeuer der Eitelkeiten") und Michael Lewis ("Wall Street Poker"), in denen das Bild des ebenso habgierigen wie skrupellosen Bankers gezeichnet wird.

Die Mischung aus Machiavellismus, Selbstverliebtheit und Gewissenlosigkeit mag zwar manchen Karriereschritt begünstigen, der Leistung an den Finanzmärkten hilft sie nicht. Im Gegenteil. Psychologen der Universitäten Denver und Berkeley zeigen im Fachmagazin "Personality and Social Psychology Bulletin", dass Hedgefonds-Manager schlechtere Ergebnisse erzielen, wenn sie negative Persönlichkeitsmerkmale aufweisen.

101 Hedgefonds-Manager untersucht

Die Forscher erstellten Persönlichkeitsprofile von 101 Hedgefonds-Managern - alles Männer, die im Schnitt jeder 4,6 Milliarden Dollar verwalteten und zwischen 2005 und 2015 eine jährliche Rendite von 7,27 Prozent erzielten. Die Psychologen analysierten deren Investitionen und Gewinne wie auch ihr Risikoverhalten in diesem Zeitraum - und kamen zu einem überraschenden Befund: Jene Manager, die tendenziell eine psychopathische Persönlichkeit aufwiesen, machten weniger Gewinn als ihre verträglicheren Kollegen.

Dreharbeiten zu

reharbeiten zu "Wall Street": (v. l.) Charlie Sheen, Michael Douglas und Regisseur Oliver Stone. | Bildquelle: arte

Mehr noch: Je mehr psychopathische Eigenschaften ein Hedgefonds-Manager aufwies, desto schlechter die Rendite. So schafften die 16 Prozent am meisten psychopathisch belasteten Manager eine um 0,88 Prozent niedrigere Rendite pro Jahr, also in den zehn Jahren zwischen 2005 und 2015.

Vorurteile überdenken

Dieser Unterschied mag zwar gering erscheinen, über die Jahre und angesichts der enormen Summen, mit denen Hedgefonds-Manager umgehen, ergeben sich daraus jedoch gewaltige Geldbeträge. Ebenso zeigte sich, dass die Psychopathen unter den Investoren größere Risiken eingehen, um am Ende die gleiche Rendite zu erzielen wie ihre psychisch gesünderen Kollegen.

"Wir sollten vielleicht unsere Vorurteile überdenken, wonach Rücksichtslosigkeit und emotionale Kälte günstige Eigenschaften für Investmentbanker sind", sagte die Leiterin der Studie, Leanne ten Brinke von der Universität Denver. "Diese Persönlichkeitszüge verbessern die Leistung nicht, sie verschlechtern sie sogar."

In früheren Untersuchungen hatte sich bereits gezeigt, dass Menschen mit psychopathischen Zügen zwar sehr ehrgeizig sind und öfters in Führungspositionen gelangen als rücksichtsvolle und weniger narzisstische Menschen, ihre Arbeit aber in der Regel weniger erfolgreich ist. Das gilt auch für Politiker. Wer psychopathische Züge aufweist, bekommt im Parlament weniger Unterstützung für Gesetzesvorlagen oder Anträge und erhält im Wahlkampf weniger Hilfe von außen.

lg