Börsengeschichte(n)

Nick Leeson (2015)

Milliarden versenkt Vor 20 Jahren: Nick Leeson wird verhaftet

Stand: 02.03.2015, 15:41 Uhr

Er hat mit seinen Finanzgeschäften eine gesamte Bank in den Ruin getrieben und damit Weltruhm erlangt: Börsenhändler Nick Leeson. Vor 20 Jahren, am 2. März 1995 wurde er am Flughafen Frankfurt am Main verhaftet.

Als sich die Außenstände auf 800 Millionen Pfund summiert hatten, ein Vielfaches des Eigenkapitals der Barings Bank, für die er arbeitete, entschied sich Nick Leeson zur Flucht. Zuvor soll er einen Zettel auf den Bildschirm seines Computers geklebt haben mit dem kurzen Satz "I am sorry". Über Brunei, Thailand und Abu Dhabi flog er in Begleitung seiner damaligen Frau nach Frankfurt, wo ihn deutsche Polizisten am 2. März 1995 verhafteten.

Dem berüchtigten Gefängnis in Singapur entging er trotzdem nicht. Der damalige Frankfurter Oberstaatsanwalt Hans-Hermann Eckert teilte nach kurzer Prüfung mit, dass Leeson nach Singapur auszuliefern sei. Dort wurde er zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug verurteilt.

Vorzeitig aus der Haft entlassen

Nach einer Darmkrebsdiagnose wurde Leeson 1999 vorzeitig entlassen und lebt heute in Irland. Noch während seiner Haftzeit brachte er eine Autobiographie unter dem Titel "Rogue Trader" heraus, die in Deutschland unter dem Titel "Das Milliardenspiel" erschien. Das Buch wurde 1999 auch verfilmt, unter dem Namen "High Speed Money" (späterer deutscher Titel "Das schnelle Geld – Die Nick-Leeson-Story").

Was war passiert? Als Chefhändler der britischen Barings Bank hatte Leeson in der Niederlassung Singapur vornehmlich mit Derivaten auf den Nikkei-Index spekuliert. Um seine heiklen Geschäfte zu verbergen, bedient er sich einer einfachen Methode: Die Verluste versteckte er auf einem ungenutzten Konto mit der Nummer 88 8 88 – nur die Gewinne flossen der Bank offiziell zu. Während er vor Kollegen prahlte und sich als erfolgreichsten Börsenhändler in der Geschichte der Bank darstellte, wuchsen die Schulden stetig an, bis auf die gigantische Summe von 800 Millionen Pfund.

In der Krebsforschung aktiv

Heute engagiert sich Leeson in der Krebsforschung. Er selbst ist nach eigenen Angaben von der Krankheit geheilt. Von April 2005 bis Februar 2011 war er Manager des irischen Fußballclubs Galway United. Während seiner Haftzeit wurde Leeson von seiner Frau Lisa geschieden und heiratete später die Irin Leona Tormay, mit der er drei Kinder hat.

lg

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Kweku Adoboli muss sich vor Gericht verantworten

Kweku Adoboli, UBS, hat "Gott gespielt"

Es ist einer der größten Bankenskandale in der Geschichte des Finanzplatzes London: Der UBS-Börsenhändler Kweku Adoboli verzockt im Jahr 2012 2,3 Milliarden Dollar. Zwischenzeitlich waren die Risiken sogar bis auf zwölf Milliarden Dollar angeschwollen und hatten damit das Überleben der größten Schweizer Bank bedroht. Insgesamt hat Kweku Adoboli 2,3 Milliarden Dollar versenkt.

Adoboli war am Handels-Desk für Exchange Traded Funds (ETF) aktiv. Dort handelte er mit allen möglichen Spielarten von börsennotierten Papieren wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Beim Handel mit ETFs auf den Dax, S&P 500 und den EuroStoxx 50 überschritt er allerdings massiv die Risikolimits seiner Bank. Zudem täuschte er Absicherungsgeschäfte nur vor, um die Gewinnaussichten weiter zu erhöhen.

Dafür wurde Adoboli im November 2012 von einer britischen Jury in erster Instanz des Betrugs für schuldig gefunden und von einem Richter zu sieben Jahren hinter Gittern verurteilt. Sasha Wass, die Chef-Anklägerin in dem Prozess, bezeichnete Kweku Adoboli als arrogant und rücksichtslos. Er habe mit dem Geld der Bank "Gott gespielt", um sein Ego zu nähren und mittels höherer Boni seine Geldbörse zu füllen.

Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Adoboli 32 Jahre alt. Zuletzt kämpfte er gegen seine Abschiebung nach Ghana - erfolglos. Im November wurde Adoboli, der seit seinem 12. Lebensjahr in Großbritannien lebte, abgeschoben.