Urteil

Hedgefondsmanager Mathew Martoma

US-Richter greifen bei Insiderhandel hart durch Neun Jahre Haft für Hedgefonds-Manager

Stand: 09.09.2014, 09:38 Uhr

Das ist die neue Handschrift der US-Justiz: Ein Gericht in New York hat erneut ein hartes Urteil wegen Insiderhandels gefällt. Ein Hedgefonds-Manager muss für neun Jahre hinter Gitter – das ist eine der längsten Gefängnisstrafen bei Insidervergehen.

Die US-Justiz kennt kein Pardon mehr: In einem der größten Insiderhandelsskandale aller Zeiten hat ein US-Gericht den ehemaligen Vermögens-Manager Mathew Martoma wegen illegaler Absprachen bei Finanzgeschäften zu neun Jahren Haft verurteilt. Das erklärte der zuständige Bundesstaatsanwalt Preet Bharara am Montag in New York.

Martoma soll illegal mit den Aktien zweier Pharmakonzerne gehandelt haben. Zum Beispiel habe er nicht-öffentliche Informationen über die Entwicklung eines Alzheimer-Medikaments erhalten. Dadurch habe er dem Hedgefonds SAC, für den er arbeitet, Gewinne von über 200 Millionen Dollar beschert und für sich selbst einen Bonus über 9 Millionen erarbeitet. Diese 9 Milliarden Dollar muss Martoma laut Urteil der Richter zurückzahlen.

Steven A. Cohen ohne Schuld

Eigentlich hatte die Staatsanwaltschaft darauf gesetzt, dass der Hedgefondsmanager seinen Boss als Komplizen in dem Finanzverbrechen nennen würde. Dies tat er jedoch nicht.

Martoma arbeitete für Steven A. Cohen. Dessen Wall-Street-Firma SAC Capital Advisors war einer der erfolgreichsten Hedgefonds in den USA. Cohen selbst hat jegliches Fehlverhalten bestritten. Gleichwohl sind mit Martoma bereits acht Angestellte von SAC wegen Insiderhandels verurteilt worden. Die meisten haben ihre Schuld eingestanden, anstatt den Gerichtsprozess abzuwarten. Auch Martomas Ex-Kollegen Michael Steinberg droht eine Gefängnisstrafe.

Hedgefonds wurde geschlossen

Auch der Hedgefonds selbst ist verurteilt worden. Er einige sich mit den US-Behörden im vorigen Jahr auf einen Vergleich, musste sich aber des Insiderhandels für schuldig bekennen. Zudem bekam SAC eine Strafe von 1,8 Milliarden Dollar auferlegt, umgerechnet 1,4 Milliarden Euro. Die höchste Strafe, die je für Insiderhandel gezahlt wurde.

Die Staatsanwaltschaft war davon überzeugt, dass bei SAC bei Spekulationen an den Finanzmärkten verbotenerweise Tipps von Informanten aus Unternehmen genutzt wurden - und das mehr als ein Jahrzehnt lang. Das ungesetzliche Verhalten sei "umfangreich, weit verbreitet und ohne Beispiel in der Hedgefonds-Industrie" gewesen, hieß es in der Anklage. "Zahlreiche Mitarbeiter" hätten dabei mitgemacht, angespornt von den Rahmenbedingungen im Unternehmen.

Der Hedgefonds selbst existiert nicht mehr in seiner alten Form. Seit März agiert er unter neuem Namen: Point72 Asset Management. Cohen gründete die Firma, um sein Privatvermögen zu verwalten. Im Zuge der Umwandlung auf ein so genanntes "Familiy Office" schrumpfte die Zahl derr Mitarbeiter von 1.000 auf 850 – und mittlerweile stellt Cohen wieder neu ein.

Etliche Hedgefonds-Manager in Haft

Die US-Justiz greift bei Insiderhandel auch gegen verantwortliche Manager rigoros durch. Wall-Street-Größen wie der ehemalige Goldman-Sachs-Verwaltungsrat Rajat Gupta oder Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam haben ebenfalls Haftstrafen bekommen.

bs