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Michael Bloomberg schaut skeptisch

Comeback als Firmenchef Mr. Bloomberg wird wieder Mr. Bloomberg

Stand: 04.09.2014, 11:17 Uhr

Das Nichtstun ist ganz offensichtlich nicht seine Sache: Mike Bloomberg kehrt in die Firma zurück, die er 1981 gegründet hat. Seit er seinen Job als Bürgermeister von New York hat abgeben müssen, mischt er mehr und mehr bei Bloomberg LP mit.

Eigentlich habe er "niemals zurückkehren" wollen, sagte Michael Bloomberg am Mittwoch. Doch dann leckte er wieder Blut. Seit der 72 Jahre alte Milliardär im Januar als Oberhaupt der größten Stadt der USA von Bill de Blasio abgelöst worden war, hat er immer mehr Zeit in der Finanznachrichtenagentur verbracht. Ursprünglich sollte er nur für ein paar Stunden am Tag in seinem neuen Büro in der fünften Etage der Firmenzentrale in der Lexington Avenue verbringen. Doch schnell wurde mehr daraus.

Bloomberg nahm an Strategiebesprechungen teil, und bisweilen waren er und CEO Daniel Doctoroff unterschiedlicher Meinung. Manche sagten, es war nur eine Frage der Zeit, wann Bloomberg die Zügel bei seiner alten Firma wieder übernehmen würde, von der ihm immer noch 85 Prozent gehören.

"Aufregend und interessant"

Sicher keine leichte Aufgabe für Doctoroff, mit der zunehmenden Präsenz des alten Chefs umzugehen. So wundert es wenig, dass er seinen Rücktritt am gleichen Tag verkündete wie Bloomberg sein Comeback. Der alte, neue Chef formuliert das so: "Je mehr Zeit ich damit verbrachte, mich wieder einzugewöhnen, desto aufregender und interessanter fand ich es." Er habe der Versuchung nicht widerstehen können, so Bloomberg.

»Ich bin erneut sehr in den Betrieb involviert gewesen. Das führte dazu, dass Dan vor kurzem zu mir kam und sagte, er denke, es wäre das Beste für ihn, die Führung des Unternehmens wieder an mich zu übergeben.«

Michael Bloomberg

"Es war und ist Mikes Firma"

Bloomberg erklärte, der Abgang Doctoroffs sei "traurig", er habe sich gewünscht, dass er an Bord bleibe. "Aber ich verstehe seine Entscheidung." Bei Doctoroff kann man zwischen den Zeilen lesen, dass seine Entscheidung doch mit Michael Bloomberg zu tun hat.

»Ich liebe die Firma und habe tiefen Respekt und Zuneigung für Mike. Es war keine leichte Entscheidung, zu gehen. Aber es ist die richtige für das Unternehmen, für Mike und für mich in dieser Phase meines Lebens. Es war und ist Mikes Firma, und da er sein erneuertes Interesse und seine Energie dort hineinsteckt, ist es nur sinnvoll, dass er das Ruder wieder übernimmt.«

Dan Doctoroff

Drei Amtszeiten durchgesetzt

Bloomberg war vom 1. Januar 2002 bis 31. Dezember 2013 Bürgermeister von New York. Der Milliardär konnte nur deshalb so lange bleiben, weil er die vorher geltende Amtszeitbegrenzung aufhob. Daher regierte so dreimal vier Jahre lang die Ostküsten-Metropole. Nach zwölf Jahren war dann endgültig Schluss, bei der Wahl im vergangenen Herbst durfte er nicht mehr kandidieren.

Doctoroff und Bloomberg kennen sich aus dieser politischen Zeit: Während Bloombergs Amtszeit als Bürgermeister war Doctoroff sechs Jahre lang sein Stellvertreter und für die ökonomische Entwicklung von New York zuständig.

2008 wurde er dann Verwaltungsratsvorsitzender und 2011 schließlich Chef der auf Finanzdienstleistungen und Nachrichten spezialisierten Firma. Nach seinem Rücktritt bei Bloomberg LP werde er zunächst keinen neuen Job antreten, sich aber zunächst auf gemeinnützige Zwecke fokussieren, sagte Doctoroff.

"Ich werde nicht zu Bloomberg zurückkehren"

Interessanterweise hatte Bloomberg immer insistiert, er wolle nicht zu Bloomberg zurückkehren. Nur wenige Monate vor Ende seiner Amtszeit sagte er in einem Interview mit Forbes, warum er kein Interesse habe: "Ich habe es 20 Jahre lang gemacht. Es wäre einen 24-Stunden-Job, sieben Tage die Woche, den ich nicht machen möchte. Wir haben einige sehr gute Leute, die den Job machen."

Angesprochen auf seine Zukunftspläne, sage Bloomberg: "Ich kann Ihnen sagen, was ich nicht tun werde: Ich werde kein professioneller Investor. Das ist die Arbeit anderer. Ich möchte nicht unterrichten. Ich möchte kein Berater werden. Diese Dinge üben auf mich keine Anziehungskraft aus. Ich werde nicht zu Bloomberg zurückkehren. Ich möchte kein neues Unternehmen gründen. Ich möchte eine Reihe von anderen Dingen tun."

Warum Bloomberg jetzt doch in seine Firma zurückkehrt, die immerhin 15.000 Mitarbeiter in 73 Ländern hat? Das Geld ist es jedenfalls nicht. Sein eigenes Vermögen wird vom Magazin "Forbes" auf rund 33 Milliarden Dollar geschätzt, das sind stolze 25 Milliarden Euro.

bs