Porträt

US-Richter Charles Breyer

Der Top-Entscheider Mit ihm darf es sich VW nicht verscherzen

Stand: 31.05.2016, 13:50 Uhr

US-Richter Charles Breyer ist die Schlüsselfigur im "Dieselgate"-Mammutverfahren in den Vereinigten Staaten.

Beim Gericht des braun gebrannten Mittsiebzigers aus Kalifornien - Markenzeichen akkurater Seitenscheitel und Fliege - sind Hunderte US-Zivilklagen gegen Volkswagen aus dem ganzen Land gebündelt.

Braucht es sein Urteil überhaupt noch?

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Breyer ist der Antreiber im Mega-Rechtsstreit, er spricht die Machtwörter und setzt die Ultimaten. Dabei wird sein Urteil letztlich wahrscheinlich gar nicht nötig werden - die Streitparteien haben sich im April bereits auf die Grundzüge eines Vergleichs geeinigt, durch den ein Prozess abgewendet würde.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Breyer nun an Relevanz und Einfluss eingebüßt hätte. Der Richter bleibt entscheidend. Bis zum 21. Juni will er die Details des Vergleichs sehen.

Ein Kompromiss muss her

Der Autobauer braucht dafür rasch einen Kompromiss mit den zahlreichen geschädigten Autobesitzern, die wegen Betrugs und Vertragsbruchs klagen, und mit den US-Behörden, die auf Wiedergutmachung wegen Verstößen gegen Umweltgesetze pochen.

Diese Einigung muss von Breyer abgesegnet werden und ihre Ausgestaltung entscheidet über die Kosten für VW.

Dieser Mann ist ein Milliardenrisiko

Breyer, der für resolutes Durchgreifen bekannt ist, hält also weiter wichtige Fäden in der Hand und bleibt für den Konzern somit ein Milliardenrisiko.

Sollten sich die Fronten wider Erwarten wieder verhärten und die Verhandlungen ins Stocken geraten, so könnte der 1941 in San Francisco geborene Richter, der wegen seiner Erfahrung mit komplexen Fällen mit dem VW-Verfahren betraut wurde, noch immer schwere Strafen verhängen und einen Prozess anberaumen.

dpa

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