Finanzskandale

Fabrice Tourre, ehemaliger Angestellter von Goldman Sachs

Einst "Fabulous Fab", jetzt Betrüger Mit Fabrice Tourre wurde abgerechnet

Stand: 13.03.2014, 10:50 Uhr

Der in einem spektakulären Betrugsprozess verurteilte Ex-Goldman-Sachs-Manager Fabrice Tourre ist zur Zahlung von mehr als 825.000 Dollar verurteilt worden. Jetzt will er eine akademische Karriere starten.

Ob er für eine Zukunft in der Bankbranche verbrannt ist? An der Uni hat er jedenfalls im Augenblick ein Plätzchen gefunden: Tourre will nach eigenen Angaben nicht mehr im Investmentbanking arbeiten. Derzeit schreibt er an der Universität von Chicago seine Doktorarbeit in Makroökonomik. Er wolle sich jetzt auf seine akademische Karriere konzentrieren, ließ der Ex-Investmentbanker wissen.

Ganz problemlos scheint das allerdings nicht zu funktionieren. Wie die Universität von Chicago jüngst mitteilte, wurde ein volkswirtschaftliches Seminar, das Tourre in diesem Frühjahr leiten sollte, gestrichen. Ob sich mit wissenschaftlichem Arbeiten überhaupt hinreichend Geld verdienen lässt, um die Strafe zu zahlen, zu der er nun verdonnert worden ist? Warum schreibt er eigentlich keinen Insiderbericht über seine Zeit bei Goldman Sachs, um sich die 825.000 Dollar zu verdienen?

Fabrice, "the not so Fabulous Fab"  

Zu dieser Summe hat ihn ein Bezirksgericht in Manhattan verdonnert, weil er Investoren beim Verkauf von Hypothekenpapieren übers Ohr gehauen hatte, die in der Finanzkrise rasant an Wert verloren. Er hatte Anfang 2007 ein dubioses Investmentpapier erfunden, das auf einem Bündel fauler US-Immobilienkredite basierte. Tourre täuschte nach Überzeugung der Jury die Anleger über die enormen Risiken des Papiers. Tourre war im August des vergangenen Jahres von den Geschworenen für schuldig befunden worden, nun wurde über das Strafmaß entschieden.

Der Banker mit dem Spitznamen "Fabelhafter Fab" wurde kurz nach dem Hochkochen der Finanzkrise zur Symbolfigur für die Überheblichkeit der Wall Street. Bekannt wurde Tourre vor allem durch eine Email aus dem Jahre 2007.

»Das ganze Gebäude kann jeden Moment zusammenbrechen. Einziger potenzieller Überlebender, der fabelhafte Fab, der inmitten all dieser komplexen, hoch verschuldeten, exotischen Instrumente steht, die er erschaffen hat, ohne all die Bedeutung dieser Monstrositäten zwangsläufig zu verstehen.«

Fabrice Tourre

Tourre bestraft, mit Goldman verglichen

Goldman Sachs-Zentrale in New York

Goldman Sachs-Zentrale in New York. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

"Er hat weder Reue noch ein schlechtes Gewissen gezeigt", sagte die US-Richterin Katherine Forrest. Der Gerichtsentscheidung zufolge darf die Bank Goldman Sachs ihren früheren Angestellten nicht für die Geldbuße entschädigen. Unter den Geschädigten war seinerzeit auch die Düsseldorfer Bank IKB, die in der Finanzkrise mit Milliarden-Staatshilfen vor dem Kollaps bewahrt wurde.

Ob das Verfahren damit abgeschlossen ist, ist ungewiss. Tourre erklärte, er denke über weitere Schritte in dem Rechtsstreit nach.

Die US-Börsenaufsicht SEC hatte den Franzosen auf 1,15 Millionen Dollar verklagt. Dessen Verurteilung im vergangenen Jahr hatte sie als großen Erfolg gefeiert. Vor drei Jahren hatte sein Ex-Arbeitgeber Goldman Sachs in einem Vergleich 550 Millionen Dollar an die SEC gezahlt. Ein Teil der Summe ging damals an die frühere IKB-Eigentümerin, die staatliche Förderbank KfW.

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Die größten Händlerskandale Galerie

Kweku Adoboli muss sich vor Gericht verantworten

Kweku Adoboli, UBS, hat "Gott gespielt"

Es ist einer der größten Bankenskandale in der Geschichte des Finanzplatzes London: Der UBS-Börsenhändler Kweku Adoboli verzockt im Jahr 2012 2,3 Milliarden Dollar. Zwischenzeitlich waren die Risiken sogar bis auf zwölf Milliarden Dollar angeschwollen und hatten damit das Überleben der größten Schweizer Bank bedroht. Insgesamt hat Kweku Adoboli 2,3 Milliarden Dollar versenkt.

Adoboli war am Handels-Desk für Exchange Traded Funds (ETF) aktiv. Dort handelte er mit allen möglichen Spielarten von börsennotierten Papieren wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Beim Handel mit ETFs auf den Dax, S&P 500 und den EuroStoxx 50 überschritt er allerdings massiv die Risikolimits seiner Bank. Zudem täuschte er Absicherungsgeschäfte nur vor, um die Gewinnaussichten weiter zu erhöhen.

Dafür wurde Adoboli im November 2012 von einer britischen Jury in erster Instanz des Betrugs für schuldig gefunden und von einem Richter zu sieben Jahren hinter Gittern verurteilt. Sasha Wass, die Chef-Anklägerin in dem Prozess, bezeichnete Kweku Adoboli als arrogant und rücksichtslos. Er habe mit dem Geld der Bank "Gott gespielt", um sein Ego zu nähren und mittels höherer Boni seine Geldbörse zu füllen.

Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Adoboli 32 Jahre alt. Zuletzt kämpfte er gegen seine Abschiebung nach Ghana - erfolglos. Im November wurde Adoboli, der seit seinem 12. Lebensjahr in Großbritannien lebte, abgeschoben.