Porträt

Porträt Marc Faber

Steht das System vor dem Kollaps? Marc Faber: Der Crash-Prophet

Stand: 05.09.2014, 11:49 Uhr

Wegen seiner düsteren Prognosen ist Marc Faber weltweit als "Dr. Doom" bekannt. Frühzeitig erkannte er einst den Crash von 1987, die Japan-Krise, den Aufschwung in Lateinamerika. Doch lag er auch ebenso oft daneben.

Seinen schlimmsten Fehler beging er 1999, als er das baldige Ende der Dotcom-Blase verkündete - und auf einen Absturz der Nasdaq spekulierte. Tatsächlich verdoppelte sich der Wert der Technologiebörse zwischen Oktober 1999 und März 2000. "So habe ich selber und für meine Kunden viel Geld verloren – weil ich einfach zu negativ war", sagt Faber heute und bekennt: "Dass ich die Techaktien zu früh geshortet habe, bleibt ein großer schwarzer Fleck in meiner Karriere.“

Seinem Ruf als Crash-Prophet ist er dennoch bis heute treu geblieben. So verkündete "Dr. Doom" im August 2013 das baldige Ende der Aktienrally. Aktien würden am Ende des Jahres "vielleicht 20 Prozent niedriger" bewertet, "vielleicht ist es auch mehr". Tatsächlich haben die Aktienmärkte 2013 eines ihrer besten Jahre erlebt. Allein der Dax in Frankfurt legte um gut 25 Prozent zu.

Droht ein Crash wie 1987?

Das hindert Faber nicht daran, für 2014 ein noch dunkleres Szenario zu entwerfen. "Ich glaube, es ist sehr wahrscheinlich, dass wir in den nächsten zwölf Monaten einen Crash vom Typ 1987 sehen", sagte er im April. "Und ich befürchte, es wird sogar noch schlimmer."

Marc Faber

Marc Faber. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Vor allem die Tech- und Biotech-Aktien erscheinen ihm hoffnungslos überbewertet. "Ich glaube, einige Aktien-Gruppen sind besonders gefährdet, denn in Bezug auf die Bewertung befinden sie sich in Wolkenkuckucksheim", so Faber. Diese Firmen machen keine Gewinne, sagt er. Ihre Bewertung orientiere sich an den Umsätzen, was auf lange Sicht kein guter Ansatz sei. Bewahrheitet hat sich dieses Szenario freilich bis heute nicht.

Goldpreis: Die Medien sind schuld

Doch Faber ist nicht nur als Crashprophet und Börsen-Kassandra bekannt. Der 68-jährige gebürtige Schweizer ist auch ein leidenschaftlicher Gold-Fan. Das Edelmetall hat zwar seit seinem Hoch im September 2011 bei 1.934 Dollar je Feinunze mehr als ein Drittel an Wert eingebüßt. Doch das ficht einen Marc Faber nicht an.

Mitte Juni 2014 behauptete er in einem Gespräch mit dem US-Fernsehsender CNBC, der Rückgang des Goldpreises sei vor allem auf die negative Berichterstattung der Medien zurückzuführen. "Niemand bei CNBC oder Bloomberg besitzt Gold. Gold wird ständig schlecht geredet, von den Medien, den Fed-Offiziellen und den Volkswirten, die ebenfalls kein Gold besitzen. Diese Leute halten nur Aktien", schimpfte Faber weiter.

Faber - Biographie

Faber - der Exzentriker

Marc Faber wurde am 28. Februar 1946 in Zürich geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und promovierte in Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich. Von 1978 bis Februar 1990 arbeitete er als Managing Director bei der für ihren Handel mit Schrottanleihen bekannte New Yorker Investmentbank Drexel Burnham Lambert. Nach deren Pleite 1990 machte sich Faber selbstständig und gründete die Investmentgesellschaft Marc Faber Ltd mit Sitz in Hongkong. Heute lebt Faber in Thailand und ist vor allem durch seine publizistischen Aktivitäten bekannt. Dazu gehört sein monatlich erscheinendes Blatt "Gloom, Boom & Doom Report".

Jetzt Gold nachkaufen?

Eigenen Angaben zufolge hat Faber ein Viertel seines Vermögens in Gold investiert. Und den jüngsten Kursrutsch habe er dazu genutzt, Gold nachzukaufen, weil er davon überzeugt ist, dass das Edelmetall derzeit sehr billig ist und sein Preis mittel- und langfristig nur steigen kann.

Im September 2011, as der Goldpreis sein Rekordhoch erreichte, sagte Faber gar einen Anstieg auf 10.000 Dollar pro Feinunze voraus...

"Man braucht auch Glück im Leben"

Hat Faber seine besten Tage als Börsenguru längst hinter sich? Schwer zu sagen. Der leicht exzentrische Investmentguru sonnt sich seit Jahren in seinem Image als "Dr. Doom", der gegen den Trend wettet und immer dann gewinnt, wenn der Herdentrieb die Lemminge über die Klippe springen lässt.

Und einige seiner Kunden sind ihm bis heute treu geblieben. Nach eigenen Angaben betreut Faber immer noch ein Vermögen von etwa 300 Millionen Franken. Zwischen 2009 und 2012 habe er eine Wertsteigerung von mehr als 100 Prozent erzielt. "Man hat ja auch manchmal einfach Glück im Leben – weil Gott zu einem gnädig war", so Faber.

lg

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