Anlegerclubs

Eine Beraterin bespricht Anlagestrategien mit einer Kundin

Geldanlage weiblich Mann kann's, Frau auch!

von Ursula Mayer

Stand: 29.06.2016, 11:03 Uhr

Es ist ein erlesener Investmentclub, ausschließlich für Frauen. Der 1. Frauen-Investmentclub Düsseldorf (1FID). Anlegerinnen, das ist eine seltene Spezies, sind die Gründerinnen überzeugt. Sie wollen Frauen Spaß an der Geldanlage vermitteln.

Die schwierigste Zeit für den Frauenclub, das sind die Sommerferien, erzählt Alexandra Schriefers, Geschäftsführerin des 1. Frauen-Investmentclubs Düsseldorf. Wenn sich die Mitglieder nach der Sommerpause wieder treffen, müssen sie damit rechnen, dass durch kurzfristige Schwankungen Stop-Loss-Marken gerissen und Aktien verkauft sind, die sich danach wieder prächtig entwickeln.

Die Bilanz für das vergangene Jahr kann sich gleichwohl sehen lassen. Schriefers erzählt, der Frauenclub habe eine Rendite im zweistelligen Bereich erzielt und damit den Dax geschlagen. "Frauen sind die besseren Anleger", heißt es entsprechend vollmundig auf der Webseite des eingetragenen Vereins.

Händler an der NYSE

Geldanlage: kein Männerthema. | Quelle: picture-alliance/dpa

"Geldanlage ist kein Hexenwerk"

Anlegerinnen gibt es allerdings wenige, Geldanlage ist eine Männerdomäne. Der Club will Frauen die Scheu vor Investments nehmen, sagt die Geschäftsführerin gegenüber boerse.ARD.de: "Denn Geldanlage ist kein Hexenwerk." Wie die Kennzahlen von Unternehmen oder Aktiencharts analysiert werden können, darüber tauscht man sich einmal im Monat in weiblicher Runde aus. Herren sind als Gäste mit Expertise willkommen, Finanzexperten, Investmentspezialisten, Chefvolkswirte und Steuerberater.

Frauen bedienen während des 1. Weltkriegs den Börsenticker und aktualisieren die Tafel mit den Aktienkursen im Hotel Waldorf Astoria, New York.

Frauen an die Börse!. | Bildquelle: picture alliance/akg-images, Montage: boerse.ARD.de

Per Handzeichen stimmt die Damenrunde darüber ab, welche Wertpapiere gekauft oder verkauft werden. Kommt eine Aktie ins gemeinsame Depot, bekommt sie eine Patin. Die informiert die Gruppe über wichtige Ereignisse wie Gewinnwarnungen oder einen Vorstandswechsel. "So können Börsenneulinge ein ganz eigenes Verständnis für die Geldanlage entwickeln", sagt Alexandra Schriefers. Sie sollen sich auch bewusst machen, dass sie aus Alltagsbeobachtungen, etwa in den Bereichen Gesundheit oder Ernährung, womöglich Kaufempfehlungen ableiten können.

Von Frauen für Frauen

Mit dabei sind etwa Vollzeitmütter, die wenig Zeit und wenig Geld haben. Schon eine Summe ab 50 Euro im Monat reicht, um Mitglied zu werden und Anteile an der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) zu erwerben. Jährlich ist außerdem ein Unkostenbeitrag von 50 Euro zu entrichten. Die Gesellschaft funktioniert im Prinzip wie ein Fonds. Pro Jahr können maximal 100.000 Euro investiert werden.

In der Gruppe investiert es sich zu geringeren Kosten und man kann die Geldanlage breiter streuen, was das Risiko minimiert: Das ist die Devise des Clubs. Ein Angebot von Frauen für Frauen, weil die oft weniger verdienen als Männer, berufliche Fehlzeiten etwa durch die Kinderbetreuung haben und gerade deshalb durchdacht Altersvorsorge betreiben sollten, so steht es auf der Webseite des Clubs. Die Idee kam auf nach einer Veranstaltung mit dem Titel "Frauen leben länger, aber wovon", basierend auf dem gleichnamigen Buch.

2007 gegründet, hat der Club seine maximale Anzahl von Mitgliedern erreicht. Mehr als 50 werden nicht aufgenommen. Damit untersteht der Verein nicht der Kontrolle der BaFin. Man habe zwar überlegt, sich zu vergrößern, meint Geschäftsführerin Schriefers, "aber da würden zu viel Kosten und Bürokratie auf uns zukommen". Man biete weder Anlageberatung noch Vermögensverwaltung, nur die Möglichkeit, sich in ungezwungener Atmosphäre mit dem Thema Geldanlage zu beschäftigen.