BILDBblog berichtet über Bild-Artikel

Bericht über Krebserfolg sorgt für Turbulenzen Macht die "Bild"-Zeitung Kurse?

Stand: 23.04.2019, 13:34 Uhr

Was hat ein "Bild"-Bericht mit dem Aktienkurs eines chinesischen Unternehmens zu tun? Und inwieweit hat auch der Ex-Bild-Chef Kai Diekmann Interesse an eben diesem Unternehmen? Eine Medien- und Börsenposse mit offenem Ausgang.

Mit Superlativen arbeitet das Boulevard-Blatt gerne. Im Februar bejubelte es wieder einmal eine "Weltsensation": "Erster Bluttest erkennt zuverlässig Brustkrebs", lautete die formatfüllende Schlagzeile auf der Titelseite. Der Beitrag ist noch heute in der Online-Ausgabe der Zeitung lesbar. Die Uniklinik Heidelberg habe diesen Test entwickelt.

Fachleute winken ab

Mit der Sensation und der Zuverlässigkeit des Tests ist es, wie der Fortgang der Geschichte zeigt, aber eher weniger weit her, als der Beitrag offenbar glauben machen wollte. Zunächst griffen an den Folgetagen mehrere Medien die Geschichte eher unkritisch auf. Wie das medienkritische Portal "Bildblog.de" akribisch nachzeichnet, folgte aber bereits eine Woche nach der Veröffentlichung eine heftige Relativierung von fachlicher Seite: Sieben Verbände, etwa die Deutsche Krebsgesellschaft oder die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, gaben eine gemeinsame Stellungnahme heraus, in der sie die Berichterstattung kritisierten: Sie sei "ohne Evidenzgrundlage", sei "kritisch zu bewerten" und vor allem sei die Studie "nicht abgeschlossen", die Ergebnisse "nicht publiziert" und "der Test noch nicht zugelassen".

Richtigstellung

In dem Artikel auf boerse.ARD.de mit der Überschrift "Macht die "Bild"-Zeitung Kurse?" schreiben wir in Bezug auf Kai Diekmann:

"Fondsmanager Kai Diekmann".

Hierzu stellen wir richtig:

Herr Diekmann betätigt sich nicht als Fondsmanager.

Die Redaktion

In den folgenden Wochen ruderte schließlich auch das Klinikum Heidelberg zurück. Es bedauert, dass es zu "Irritationen" gekommen sei. Und es erklärt, dass die PR-Strategie zum Bluttest von der Firma Heiscreen GmbH verantwortet worden sei. Diese ist eine Ausgründung der Klinik.

Der Profiteur sitzt in China

Und hier wird die Medien- und Sensationsposse auch zu einem Börsenthema. An der Firma Heiscreen ist laut "Bildblog" der Unternehmer Jürgen Harder beteiligt. Und Partner des Uniklinikums ist eine chinesische Pharmafirma, deren Aktienkurs nach der "Bild"-Berichterstattung durch die Decke ging. Binnen weniger Tag sprang der Kurs von NKY Medical um 60 Prozent in die Höhe. Verständlich, denn wird der Test wirklich ein Erfolg, winkt ein Milliardengeschäft für NKY.

NKY medical holding Ltd.

NKY medical holding Ltd. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Und auch über die Verbindungen zwischen Heiscreen und dem Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann spekulieren die Medien inzwischen. Die "Rhein-Neckar-Zeitung" etwa will in Erfahrung gebracht haben, dass Diekmann bei mehreren "Treffen in Sachen Brustkrebs" dabei gewesen sein soll. Ob ein finanzielles Interesse an einer Beteiligung an NKY besteht, bleibt unklar. Diekmann bestreitet dies, bezeichnet Jürgen Harder gegenüber der RNZ vielmehr als "persönlichen Freund".

Zukunftsfonds als Interessent?

Kai Diekmann

Kai Diekmann. | Bildquelle: picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Diekmann betreibt seit dem Jahr 2017 mit dem Investmentbanker Lenny Fischer den "Zukunftsfonds" (WKN A2DTM6), bei dem Diekmann offiziell als Leiter Kommunikation firmiert. Der Fonds, mit dem Anleger "clever investieren" sollen, ist allerdings ein eher biederer Multi-Asset-Fonds, der in verschiedene Anlageklassen investiert, aber bislang eine Negativ-Rendite ausweist.

Entsprechend mager sind die Mittel, die der Fonds heute verwaltet. Nachdem im anfänglichen Trommelwirbel bei der Vermarktung 20 Milliarden Euro als Ziel angegeben wurden, begnügt sich der Fonds im Frühjahr 2019 mit 15 Millionen Euro an Mitteln, wahrscheinlich zu wenig, um das Produkt noch lange am Markt zu behalten.

Ob der Fonds einmal in der chinesischen Aktie investiert war, darf bezweifelt werden. Stand 17. April gibt es unter den Top Holdings im Fonds keine einzige chinesische Aktie. Als Anlageregion spielt China ebenfalls keine Rolle. Dagegen finden sich einige Anleihen aus China im Fonds.

Die Staatsanwalt ermittelt wegen Kursmanipulation

Immerhin ist der abrupte Kursanstieg der NKY-Aktie nach dem "Bild"-Bericht Grund genug für staatsanwaltliche Ermittlungen. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim hat Anfang April auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe die Untersuchung aufgenommen. Es besteht laut der "Rhein-Neckar-Zeitung" der Verdacht auf Kursmanipulation und Insiderhandel mit Aktien.

Der Kurs der Aktie von NKY Medical, der sich in den Tagen nach der Veröffentlichung von 14 auf 22,50 Yuan an der Börse in Shenzhen nach oben geschraubt hatte, notiert inzwischen mit 18 Yuan wieder deutlich tiefer. Wer Profit aus dem "Bild"-Bericht schlagen wollte, hat sein Schäfchen wohl längst ins Trockene gebracht.

AB