Nick Leeson (2018, bei Promi Big Brother)

Was macht eigentlich... Nick Leeson: Vom Handelssaal über den Knast in den Container

Stand: 17.01.2019, 13:35 Uhr

Erst die Bank sprengen, dann mithelfen, die Branche explosionsfest zu machen: Der prominente Schurkentrader Nick Leeson hat die Barings Bank auf dem Gewissen und hält mittlerweile Vorträge über Risikomanagement. Selbst als TV-Star hat er sich jüngst versucht.

„Es tut mir leid!“ Diese Botschaft soll Börsenhändler Nick Leeson an seinen Bildschirm in der Barings-Niederlassung in Singapur geklebt haben, bevor er sich aus dem Staub machte. Erst verschwand Leeson und dann die ganze Barings Bank: Mit windigen verbotenen Spekulationsgeschäften hatte er die Außenstände des Finanzinstituts auf rund 800 Millionen Pfund getrieben - ein Vielfaches des Eigenkapitals. Die Pleite war unausweichlich.

Über Brunei, Thailand und Abu Dhabi floh Leeson nach Frankfurt, wo ihn deutsche Polizisten am 2. März 1995 verhafteten. Mit ehrlichem Bedauern war es nicht getan: Der Händler wurde nach Singapur ausgeliefert und dort zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug verurteilt.

Nach einer Darmkrebsdiagnose wurde Leeson 1999 vorzeitig entlassen und lebt heute an der Westküste Irlands. Noch während seiner Haftzeit brachte er eine Autobiographie unter dem Titel „Rogue Trader“ heraus, die in Deutschland unter dem Titel „Das Milliardenspiel“ erschien. Das Buch wurde 1999 verfilmt und ist hier als „Das schnelle Geld – Die Nick-Leeson-Story“ bekannt.

Börsenhändler Nick Leeson wird 1995 aus dem Frankfurter Gefängnis zum Oberlandesgericht gebracht

Nick Leeson 1995. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Risikomanagement & Stressbewältigung

Das Buch geschrieben, der Film gedreht – Leeson wird sich gefragt haben: was tun? Wer in einem bestimmten Bereich über eine gewisse Expertise verfügt und einen bekannten Namen trägt, für den bietet es sich an, das Wissen und die Erfahrungen über Seminare weiterzugeben. Risikomanagement, Compliance und Unternehmenskultur sind Themen, in denen Leeson als Referent mit Wissen glänzen kann und auch als Redner gebucht wird. Einzigartige Einsichten und globale Perspektiven verspricht Leeson auf seiner Website.

Auch zum Thema Stressbewältigung und mentaler Gesundheit kann Leeson Wissenswertes beitragen. Man stelle sich nur vor, unter welchem Druck er gestanden haben muss, als er mit seinem Handelskonto bis weit über die Halskrause hinaus im Minus gestanden hatte. Und das ohne Aussicht, aus dieser bedrängenden Lage jemals wieder rauszukommen. Wie man sich trotzdem gerade hält - oder wieder aufrichtet -, dazu hat er gemeinsam mit einem Psychologen ebenfalls ein Buch geschrieben.

Der schmale Grat

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete jüngst über eine Veranstaltung, bei der er gemeinsam mit Danny Wilkinson auf einer Konferenzbühne stand. Wilkinson wurde im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal angeklagt, allerdings anders als Leeson freigesprochen. Trotzdem weiß Wilkinson, wie es sich anfühlt, im Sturm zu stehen.    

Bloomberg zitiert einen Londoner Rechtsanwalt, der erklärt, warum solche Geschichten so außerordentlich wertvoll seien: Weil die meisten Menschen im Joballtag gar nicht darüber nachdächten, dass sie in eine solche Lage geraten könnten. „Die Leute denken oft, es gibt eine klare Trennlinie zwischen ihnen und den Leuten, die in der Zeitung landen. Das ist oft aber nicht der Fall.“  

Nick Leeson (2015)

Nick Leeson: Wer im Container war, lacht über den Knast. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Lakmustest für Stressbewältigung

Leeson ist das Stehen in der Öffentlichkeit mittlerweile gewohnt, es ist schließlich Teil seines aktuellen Geschäftsmodells. Für sein Aktienspiel „88888“, die Nummer seines ehemaligen Geheimkontos bei der Barings Bank, hätte er sich vermutlich mehr davon gewünscht. Obwohl man 1.000 Dollar gewinnen könnte, hat der Facebook-Auftritt zum Spiel gerade mal acht Follower.        

Im vergangenen Jahr war Leeson außerdem bei „Celebrity Big Brother“ in Großbritannien dabei und beendete die Sendung mit dem respektablen vierten Platz. Es sei härter gewesen als seine Zeit im Gefängnis, kommentierte er im Anschluss daran. Alles im Leben ist zu etwas gut, auch seine Zeit hinter schwedischen Gardinen. Dank seiner Erlebnisse im Knast in Singapur traf ihn die Wucht des Lebens „im Container“ nicht unvorbereitet.

ts

1/5

Die größten Händlerskandale Galerie

Kweku Adoboli muss sich vor Gericht verantworten

Kweku Adoboli, UBS, hat "Gott gespielt"

Es ist einer der größten Bankenskandale in der Geschichte des Finanzplatzes London: Der UBS-Börsenhändler Kweku Adoboli verzockt im Jahr 2012 2,3 Milliarden Dollar. Zwischenzeitlich waren die Risiken sogar bis auf zwölf Milliarden Dollar angeschwollen und hatten damit das Überleben der größten Schweizer Bank bedroht. Insgesamt hat Kweku Adoboli 2,3 Milliarden Dollar versenkt.

Adoboli war am Handels-Desk für Exchange Traded Funds (ETF) aktiv. Dort handelte er mit allen möglichen Spielarten von börsennotierten Papieren wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Beim Handel mit ETFs auf den Dax, S&P 500 und den EuroStoxx 50 überschritt er allerdings massiv die Risikolimits seiner Bank. Zudem täuschte er Absicherungsgeschäfte nur vor, um die Gewinnaussichten weiter zu erhöhen.

Dafür wurde Adoboli im November 2012 von einer britischen Jury in erster Instanz des Betrugs für schuldig gefunden und von einem Richter zu sieben Jahren hinter Gittern verurteilt. Sasha Wass, die Chef-Anklägerin in dem Prozess, bezeichnete Kweku Adoboli als arrogant und rücksichtslos. Er habe mit dem Geld der Bank "Gott gespielt", um sein Ego zu nähren und mittels höherer Boni seine Geldbörse zu füllen.

Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Adoboli 32 Jahre alt. Zuletzt kämpfte er gegen seine Abschiebung nach Ghana - erfolglos. Im November wurde Adoboli, der seit seinem 12. Lebensjahr in Großbritannien lebte, abgeschoben.