Porträt

Jim Cramer in der Sendung

Börsenpöbeln für Fortgeschrittene Laut, lauter, Cramer

von Thomas Spinnler

Stand: 30.05.2016, 15:27 Uhr

Er ist vielleicht laut. Er ist vielleicht sogar vulgär. Auf jeden Fall aber ist er wichtig. Wenn der Börsenkommentator Jim Cramer in seiner TV-Sendung "Mad Money" Aktien hoch- oder runterquasselt, hören ihm in den USA Millionen zu.

Ob man seine Art und Weise sich zu präsentieren nun mag oder nicht: Jim Cramer ist in den USA ein bedeutender Mann. Seine Stimme hat Gewicht in der Finanzbranche. Das kann man am besten an der jüngsten Gästeliste seiner CNBC-Sendung "Mad Money" erkennen.

Vor wenigen Wochen startete Apple-Chef Tim Cook eine Charme-Offensive. Trotz Milliardengewinnen wurden seine Geschäftszahlen vom Markt übel aufgenommen und die Apple-Aktie legte die längste Talfahrt seit 1998 hin. Für Cook war die Zeit gekommen, die Anleger zu beruhigen und etwas für die Stimmung zu tun. Und wohin ging er, um von der Welt gehört zu werden? In Cramers "Mad Money"-Studio.

Börsentipps aus der dicken Hose

Warren Buffett

Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dort agiert der wüste Cramer mitunter wie ein Gegenmodell zum lieben Onkel Buffett aus Omaha. Denn anders als Warren B., der sich betont geerdet und gemütlich gibt, ist Cramer gewissermaßen ein Experte für Ökonomie und Börsenwissen, das als Entertainment aufgetischt und verkauft wird. Der Börsenkommentator weiß genau, wie man sich darstellt und warum es entscheidend ist, vor allem unterhaltsam zu sein.

Cramer langweilt sein Publikum nicht, er spitzt Themen zu und verschlagwortet sie so, dass sie jedermann begreift. Und jedermann darf sich von ihm angesprochen fühlen: "Ich werde für das, woran ich immer geglaubt habe, kämpfen. In diesem Land hat jeder das Recht, reich zu sein und ich werde dabei helfen."

Cramer gegen Musk

Dass der 61-Jährige so viel von Mediendarstellung versteht, ist kein Zufall. Sein Lebensweg lässt sich treffend als eine dynamische Verbindung aus Journalismus und Finanzwissen beschreiben. Bereits im College befasste sich Cramer mit Journalismus und arbeitete später auch als Reporter für verschiedene Tageszeitungen und Magazine. Er lernte also früh, was es heißt, im Feuer zu stehen.

Jim Cramer mit Donald Trump im Rockefeller Center in New York

Jim Cramer. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wichtig für seine Glaubwürdigkeit ist vor allem Transparenz. Sein Portfolio ist zugänglich, sodass man sich jederzeit über Erfolg und Misserfolg seiner Strategie informieren kann. Seine Zuschauer wissen seine Offenheit zu schätzen. Anfang Mai knöpfte er sich Tesla-Boss Elon Musk vor. Er verbrenne pro Fahrzeug 19.000 Dollar, verfehle seine eigenen Prognosen und komme damit auch noch davon. Für das Jahr 2018 plane er 500.000 Autos herzustellen, im Jahr 2020 sollen es dann schon eine Million sein. Cramer rät Musk: "Ich denke, er sollte sein ganzes Geld dafür einsetzen, damit Donald Trump nicht Präsident wird." Denn ohne Regierungshilfen würde Musk mit diesen Plänen in die Pleite schlittern. Angst vor großen Namen hat Cramer offensichtlich nicht.       

"Irgendwo ist immer Bullenmarkt"

Seine akademische Ausbildung als Jurist schloss er in Harvard mit dem Doktortitel ab. Das deutet stark darauf hin, dass er nicht nur ein begnadeter Selbstdarsteller ist, sondern sich auch strukturiert und hart in Sachthemen einarbeiten kann. Cramer ist also durchaus gerüstet für das Graubrot der Aktienanalyse.

Schon während seines Studiums agierte er ziemlich erfolgreich an den Finanzmärkten. Schließlich landet er in den frühen 80ern als Broker bei Goldman Sachs. Irgendwann hatte er dort genug gelernt, um 1987 seinen eigenen Hedgefonds zu gründen, Cramer Berkowitz. Ihm gelang eine herausragende Performance: Bis zum Jahr 2001 machte er eine Rendite von durchschnittlich 24 Prozent jährlich – und zwar nach Gebühren.

Mad Man & Mad Money

Dann hatte er genug davon, für andere Leute Geld zu verwalten. Er stieg aus. Seine Erfahrungen in der Medienbranche ebneten ihm den Weg in eine Zukunft, in der Cramer schließlich zu dem TV-Börsenguru wurde, der er heute ist. Im März des Jahres 2005 startete er bei CNBC seine Sendung "Mad Money". Das Live-Format besteht aus Interviews mit Gästen aus der Branche, Zuschaueranrufen und den ungeschminkten Ansichten Cramers zu Aktien, Bewertungen und Marktlage.

Cramer bespielt alle Medien. Er ist Mitbegründer der Börsenseite "thestreet.com" und hat sich auch als Buchautor einen Namen gemacht. Seine Werke tragen Titel wie "Real Money -  vernünftiges Investieren in einer irren Welt", "Bekenntnisse eines Wall-Street-Süchtigen" oder  "Werde reich, bleibe reich und mache deine Kinder noch reicher". Solide und seriös klingt anders.

Von Geld, Freunden und Hunden

Carl Icahn

Carl Icahn. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Aber Cramer ist ein Kind seiner Zeit. Er erinnert mit seiner Großsprecherei an Gordon Gecko, ein anderes Relikt aus den 80er Jahren. Damals durfte man nicht nur im Film "Wall Street" noch offen sagen, dass Gier gut ist. "Einige Leute versuchen Freunde zu machen, ich versuche Geld zu machen", lautet ein überliefertes Cramer-Zitat. Oder wie Carl Icahn, ein Vorbild Geckos aus der realen Welt, wohl zu sagen pflegte: "Wenn du einen Freund willst, kauf dir einen Hund."

Geld genug nicht nur für einen Hund, sondern auch für einen Heimzoo hat Jim Cramer eingesammelt. Die Schätzungen über die Höhe seines Vermögens liegen irgendwo zwischen 50 Millionen und 100 Millionen Dollar. Nötig hat Cramer seine TV-Tänze demnach nicht mehr. Er selbst unterstreicht ohnehin, dass er nur noch aus Spaß an der Sache im Fernsehen auftritt. Und solange die Zuschauer Spaß mit ihm haben.

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