Lars Förberg

Aktivistischer Investor Lars Förberg Der "Schlachter von Stockholm"

Stand: 01.02.2019, 06:45 Uhr

Öffentlichen Druck ausüben, Unternehmensvorstände so zur Spaltung oder Übernahme bewegen und dann mit seinen Anteilen Gewinne scheffeln: Lars Förberg von der Beteiligungsgesellschaft Cevian gilt als Inbegriff eines aktivistischen Investors.

Laut einer Zusammenstellung der US-Investmentbank Lazard haben aktivistische Investoren weltweit im dritten Quartal 2018 mehr Unternehmen ins Visier genommen als im gesamten Jahr zuvor. In Deutschland und in der Schweiz fällt bei diesen Angriffen besonders ein schwedischer Investmentfonds auf - die sogenannten "Schlachter von Stockholm".

Kurz und schmerzlos wie in der Metzgerbranche geht Lars Förberg mit Managern allerdings nicht immer um. Eher im Gegenteil: Der Wirtschaftswissenschaftler wird vor allem für sein Durchhaltevermögen gelobt und gefürchtet zugleich.

Trotz der freundlichen Erscheinung und Zurückhaltung gilt Förberg als Sonderling. Gerne legt er sich mit anderen an: "Es braucht einen neuen Chairman an der Spitze von Panalpina. Peter Ulber ist untragbar", sagte er mal in einem Interview über den Präsidenten eines Schweizer Transport- und Logistikdienstleisters. Zwei Wochen später gab Ulber bekannt, bei der nächsten Versammlung nicht mehr antreten zu wollen.

Erbitterte Kämpfe über Jahre

Das Vorgehen der Schweden folgt immer einem bestimmten Muster: Zunächst kauft Cevian recht unauffällig Aktien eines Konzerns. Später stockt der Fonds seinen Bestand allerdings auf und setzt darauf, das Großunternehmen in Einzelteile zu zerlegen, um es dann teuer zu verkaufen. Für den Umbau oder die Fusion üben die Verantwortlichen, wenn es sein muss, gehörig Druck auf die Geschäftsleitung aus. Das hat den Cevian-Gründern in ihrer Heimat den Beinamen "Schlachter" beschert.

Sie zögern nicht, das Management öffentlich mit deutlichen Worten anzuprangern oder deren Leistung als ungenügend zu kritisieren. Das jüngste Beispiel ist Ulrich Spiesshofer. Über Jahre hatte sich die Beteiligungsgesellschaft einen erbitterten Kampf mit ABB wegen der Abspaltung der Stromnetz-Sparte geliefert. Stets hielt der Chef des Schweizer Industriekonzerns, an dem Cevian mit fünf Prozent beteiligt ist, dagegen an. Im Dezember dann die Wende: Der japanische Mischkonzern Hitachi übernimmt die Sparte für insgesamt elf Milliarden Dollar.

Nach Abschluss solch eines Deals zeigt sich Förberg dann meist auch wieder versöhnlich: "Die angekündigten Maßnahmen sind die richtigen Schritte in der Entwicklung von ABB, sie stärken die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft", erklärte der Cevian-Co-Gründer nach der Bekanntgabe.

Verkauf an größere Konkurrenten

Wie bereits erwähnt, beweist Förberg oft einen langen Atem. Zum Teil bleibt er bei Unternehmen über Jahre an Bord. Das Spezialgebiet des 53-Jährigen sind Konglomerate, deren Geschäftsmodell zu komplex geworden ist und bei denen sich die Sparten gegenseitig behindern.

Gelingt es ihm, das Management zum Umbau zu bewegen, etwa mit dem Teil-Börsengang einer Sparte, sorgt das meist für einen steigenden Gesamtwert und eine leichtere Führung des Unternehmens. Gegenpositionen wie preiswertere Geschäfte oder die geringere Konjunkturabhängigkeit werden gekonnt ignoriert.

In die Öffentlichkeit rückte Cevian erstmals 2004, als der Fonds sein Investment bei einem schwedischen Versicherer, der Old Mutual-Tochter Skandia, innerhalb von zwei Jahren verdoppelte. Beim deutschen Kranhersteller Demag einige Jahre später dauerte die Verdopplung lediglich ein Jahr. Bei beiden Unternehmen wurde der Verkauf an einen größeren Konkurrenten durchgesetzt - ein weiteres Spezialgebiet der Schweden.

Es gibt allerdings auch Investments, deren Erfolg noch auf sich warten lässt. Beim Baukonzern Bilfinger, in den Cevian eine halbe Milliarde Euro investiert hat, scheinen sich Umstrukturierungen nach sieben langen Jahren gerade erst anzudeuten.

Thyssenkrupp bleibt ein harter Brocken

So auch bei Thyssenkrupp, wo Cevian seit mittlerweile fünf Jahren Aktionär ist. Derzeit hat der Fonds fast 17 Prozent seiner Mittel, also 2,2 Milliarden Euro, beim Essener Industriekonzern angelegt. Nach der Krupp-Stiftung ist er mit 18 Prozent der größte Eigner und hat damit durchaus Gewicht.

2018 hatte Cevian bereits nach Jahren vergeblichen Drängens eine Aufspaltung des gebeutelten Mischkonzerns erreicht. Auch zuletzt sorgte der schwedische Investor immer mal wieder für Unruhe beim Dax-Konzern.

Fonds wächst stark

Carl Icahn

Carl Icahn. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gegründet hat Förberg den Fonds 2002 gemeinsam mit dem Investor Christer Gardell, den die Nachrichtenagentur Bloomberg einst als "Carl Icahn von Schweden" betitelte. Carl Icahn machte in den 80ern ein Vermögen, indem er kriselnde Firmen möglichst günstig kaufte und zerschlug. Die profitablen Teile veräußerte er mit Gewinn weiter.

Förberg und Gardell studierten beide an der Handelshögskolan i Stockholm, der Ausbildungsstätte der schwedischen Finanzelite. In den neunziger Jahren arbeiteten sie schon kurz gleichzeitig für die Investmentgesellschaft Nordic Capital. Zwischen 2016 und 2018 konnte der Fonds seine verwalteten Mittel von zehn Milliarden auf mehr als 13 Milliarden Euro steigern - ein Zuwachs von 30 Prozent.

Die Firma hat neben dem Sitz in Stockholm Büros in Zürich und London. Der Anlagefokus ist auf fünf bis sieben Jahre ausgerichtet, in denen der Aktienkurs der Beteiligungen möglichst stark steigen soll.

Förberg scheffelt Millionen im Jahr

Cevian erhebt laut der Schweizer Wirtschaftszeitung "Bilanz" von seinen Kunden eine Performance Fee von 15 bis 20 Prozent der jährlich erwirtschafteten Gewinne, die an alle Partner verteilt wird. Hinzu kommt eine jährliche Gebühr von 1,5 bis zwei Prozent auf das verwaltete Fondsvermögen, die nur den beiden Gründern in die Taschen fließt.

Beim Wert der gegenwärtigen Beteiligungen von 13,5 Milliarden Euro sind das mehr als 200 Millionen Euro - pro Jahr. Für Förberg dürfte sich sein aggressiver Stil also durchaus lohnen. Da kümmern ihn auch besondere Spitznamen wohl eher weniger.

tb