Künstliche Intelligenz und Börsenkurse

Künstliche Intelligenz So soll Deutschland vorne bleiben

Von Marcus Pfeiffer

Stand: 02.08.2018, 13:41 Uhr

Die Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie: Sie wird Geschäftsmodelle, Unternehmensstrukturen und Lebensläufe revolutionieren. Im weltweiten Technologiewettbewerb ist Deutschland mit seinen Experten und Unternehmen vorn dabei. Damit das so bleibt, hegen Unternehmen und Bund ehrgeizige Pläne.

Die vierte industrielle Revolution und die damit verbundenen Technologien sorgen für einen epochalen Wandel der Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme. Kaum ein Land wird verschont bleiben. Eine Technologie, von der sich die Experten dabei sehr viel erwarten, ist die Künstliche Intelligenz (KI). Sie soll für besonders tiefgreifende Veränderungen sorgen.

Künstliche Intelligenz maximiert die Möglichkeiten der neuen Technologien

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Große Rechenkapazitäten machen die KI möglich. | Bildquelle: colourbox.de

Bei der KI geht es vor allem um die zielgerichtete Auswertung von Daten und das gewinnbringende Erkennen von Mustern. Das ist erstmal nichts Neues. Das Revolutionäre bei der Künstlichen Intelligenz ergibt sich erst aus der Verknüpfung verschiedener technologischer Fortschritte: Nie zuvor gab es so viele verfügbare Daten. Nie zuvor gab es so große Rechenkapazitäten. Nie zuvor konnten Software und Algorithmen lernen und mit Menschen interagieren.

KI-Systeme maximieren die Möglichkeiten all dieser Technologien. Sie können nicht nur gesammelte Daten analysieren und inhaltlich verstehen. Durch das maschinelle Lernen können sie vor allem selbst Lösungen programmieren und sich weiterentwickeln. Das Ergebnis: Ergänzungen bestehender Produkte um neue Services, disruptive Geschäftsmodelle und tiefgreifende Veränderungen für die Menschen.

Amerikaner und Chinesen starten Wettlauf um die KI-Führerschaft

Tatsächlich haben die Deutschen schon früh bei der Entwicklung der KI mitgemischt. In den 1990er Jahren war Siemens Vorreiter bei der KI-Grundlagenforschung. Auch das sogenannte Deep Learning, die Fähigkeit einer Maschine selbstständig zu lernen, gilt als eine deutsche Erfindung. Und weder in China noch in den USA leben aktuell mehr KI-Experten als Deutschland.

Doch andere holen auf. In den letzten Zügen seiner US-Präsidentschaft hat Barack Obama im Jahr 2016 eine ehrgeizige nationale KI-Strategie für die USA formuliert. Das Ziel: den Forschungs- und Anwendungsvorsprung in diesem Bereich vor allen anderen Staaten verteidigen. 2017 zogen die Chinesen mit einem noch aggressiveren Plan nach: Mit extremer staatlicher Förderung will China bis 2025 mit den USA auf dem Feld der künstlichen Intelligenz gleichziehen, um danach die Weltführerschaft zu übernehmen.

USA-China

China und die USA wollen an die KI-Spitze. | Bildquelle: colourbox.de

Unternehmen und Startups setzen auf Künstliche Intelligenz

Um den Nordamerikanern und Asiaten nicht allein das Feld zu überlassen, arbeiten viele deutsche Unternehmen an eigenen KI-Technologien. Neben SAP und Bosch ist wieder Siemens ganz vorne mit dabei. Vor allem bei den medizintechnischen Geräten. Hier ist Siemens Weltmarktführer bei den Hochleistungsscannern und der Bildinterpretation mittels KI-Systemen.

Mobiler bildgebender C-Bogen Cios Select mit Flachdetektor-Technologie zum Einsatz bei Operationen

Siemens nutzt die KI zur Bildinterpretation bei medizinischen Scannern. | Bildquelle: Unternehmen

Auch im Bereich Mobilität sind die Unternehmen sehr aktiv. So setzen die Automobilhersteller bei ihren Steuerungssystemen für autonome Fahrzeuge auf KI-Systeme. Und die Deutsche Bahn will im Rahmen ihres Projektes "Digitale Schiene" einen Dreiklang aus Sensorik, Kommunikationsnetzen und Künstlicher Intelligenz dazu nutzen, um die Taktfrequenz auf den Bahnstrecken zu erhöhen und die Zahl der Verspätungen und Zugausfälle zu minimieren.

Bei den KI-Startups liegt Deutschland in Europa nach dem Vereinigten Königreich auf Platz zwei. Die meisten von ihnen sitzen nach Angaben von Asgard, einem Venture Capital-Geber für die KI, in Berlin. Gefolgt von München, Hamburg und Frankfurt.

In Deutschland fehlen Fachkräfte und Daten

Auf dieses Umfeld setzen auch ausländische Player. Amazon hat eigens eine eigene Forschungseinheit in Deutschland rund um die künstliche Intelligenz und Spracherkennung gegründet. Kein Wunder also, dass Deutsch die erste Fremdsprache für den Sprachassistenten Alexa war.

Doch in Deutschland gibt es nicht genug Fachkräfte. Derzeit sind gut 10.000 Stellen für KI-Experten offen. Außerdem fehlen in Deutschland digitale Großunternehmen, die in einem ähnlichen Ausmaß Daten erheben und verarbeiten wie die Googles und Alibabas dieser Welt. Und dann ist da noch die Angst vor der KI und vor dem Missbrauch der Daten.

Bundesregierung erklärt KI zur Schlüsseltechnologie

Angela Merkel

Die Bundeskanzlerin will die KI in Deutschland vorantreiben. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Um das zu ändern und Deutschland im internationalen Wettbewerb an der KI-Spitze zu halten, hat Bundeskanzlerin Merkel die KI-Kompetenz mittlerweile zur Schlüsselfrage erklärt. Ein Eckpunkte-Papier der Bundesregierung sieht vor, bis zum Digitalgipfel im Dezember 2018 eine konkrete KI-Strategie zu erarbeiten. Das Ziel: Deutschland soll weltweit führend bei der KI bleiben und so den Wirtschaftsstandort Deutschland sichern.

Um "KI made in Germany" als Gütesiegel etablieren, sollen die Forschung ausgeweitet, eine Gründungsdynamik entfacht, der Innovationsgeist mit Wettbewerben ("Challenges") geweckt und die Menschen auf den Strukturwandel vorbereitet werden. Dabei soll stets der Nutzen für die Menschen im Mittelpunkt stehen

Handshake zwischen Mensch und Roboter

Die Menschen sollen auf die KI in der Arbeitswelt vorbereitet werden. | Bildquelle: colourbox.de

Experte: "Nicht dieselben Fehler wie bei Industrie 4.0 machen"

Christoph Igel, dem Wissenschaftlichen Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, geht das nicht weit genug. "Natürlich ist es wichtig, eine Strategie zu entwickeln. Und auch der gesellschaftliche Dialog über die Folgen und Möglichkeiten von KI muss geführt werden, um den Menschen mitzunehmen, ihn in den Mittelpunkt zu stellen", so Igel.

Es drohe aber die Wiederholung desselben Fehlers wie bei der Industrie 4.0, an der kleinere und mittlere Unternehmen noch immer kaum teilhaben. "Wir müssen jetzt handeln und vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen mitnehmen. Sonst profitieren von der KI nur große Player wie Bosch und Siemens."