Deutsche Börsendynastien

Luftaufnahme der Villa Hügel in Essen

Die deutschen Rüstungskönige Krupp - mehr als nur eine Familie

Stand: 16.10.2015, 11:40 Uhr

Der Name der Essener Industriellenfamilie Krupp ist auf ewig untrennbar mit der deutschen Industrialisierung verbunden. Die Stahl- und Rüstungsdynastie gilt aber auch als politisches Synonym für den Aufstieg und Fall des Landes.

Friedrich Krupp

Friedrich Krupp. | Bildquelle: ThyssenKrupp

Solche weit tragenden Gedanken hatte Dynastiegründer Friedrich Krupp wohl nicht, als er im Jahr 1811 in Essen von dem Erbe seiner Großmutter eine Werkstatt kaufte, um Gussstahl herzustellen. Der Grundstein für ein Imperium war gelegt. Mit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann der Aufstieg zu einem der weltgrößten Unternehmen.

Gründervater Alfred Krupp...

Zunächst deutete aber nichts darauf hin. Denn als Friedrich Krupp 1826 starb, hinterließ er eine bescheidene und verschuldete Werkstatt mit gerade mal sieben Mitarbeitern. Er produzierte dort Kleinstwaren wie Töpfe oder Bestecke.

Zunächst führte Friedrichs Ehefrau den Betrieb weiter, ehe der 1812 geborene Sohn Alfred das Kommando übernahm. Diesen hatte Vater Friedrich zuvor noch die Herstellung von Gussstahl gelehrt. Mit Alfreds Namen ist der Aufstieg der Firma zum Weltkonzern untrennbar verbunden - er gilt als eigentlicher Gründervater des Imperiums.

... und der unaufhaltsame Aufstieg

Drei Radreifen stehen auf Eisenbahngleisen in der

Radreifen in der "Historischen Ausstellung Krupp". | Bildquelle: picture alliance / dpa

Denn die Industrialisierung war nicht mehr aufzuhalten, ab den 30er Jahren des Jahrhunderts gewann die aufkommende Eisenbahn immer mehr an Bedeutung. 1852 ließ sich Alfred dann das Eisenbahnrad patentieren, den sogenannten nahtlosen Radreifen. Hierfür stehen die drei Kreise des Firmensymbols. Ein absoluter Verkaufsschlager, der dem Unternehmen üppige Aufträge bis hin nach Amerika bescherte. Auch der Bergbau gewann mehr und mehr an Bedeutung.

Nirosta-Schiffsschraube von Krupp

Nirosta-Schiffsschraube von Krupp. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Danach wurde Krupp vor allem mit der Produktion von Rüstungsgütern reich und noch bekannter. Der Sieg der deutschen Staaten über Frankreich 1870/71 war auch den schweren Geschütze aus dem Hause Krupp zu verdanken. Alfred Krupp legte somit den Grundstein dafür, dass die Firma am Vorabend des Ersten Weltkrieges zur größten der Welt mit bis zu 80.000 Beschäftigten aufgestiegen war. Ein ungezügeltes Wachstum, das übrigens auch das Gesicht der Stadt Essen entscheidend veränderte.

Ein weiterer Meilenstein in der industriellen Entwicklung der Firma Krupp war ein Patent aus dem Jahr 1912 "zur Herstellung von Geräten, die hohe Widerstandskraft gegen Korrosion erfordern". Die Geburtsstunde des rostfreien Stahls war gekommen, der später unter dem Markennamen "Nirosta" erfolgreich und bekannt werden sollte. 1922 wurde Nirosta dann markenrechtlich geschützt.

Krupp ist Politik

Es liegt auf der Hand, dass die Rüstungsschmiede als unverzichtbar für die Großmachtpläne des Reiches galt. Kaiser Wilhelm war des Öfteren zu Gast in der legendären Villa Hügel, seit 1875 der Stammsitz der Familie in Essen und Symbol der Industriellen-Dynastie. Eine Tradition, die sich später als verhängnisvoll herausstellen sollte. Denn auch Diktator Adolf Hitler wurde später im Jahrhundert in der Villa Hügel empfangen und auch für ihn war Krupp natürlich unverzichtbar.

Luftaufnahme der Villa Hügel in Essen

Villa Hügel in Essen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mittlerweile herrschte schon die nächste beziehungsweise übernächste Krupp-Generation in Essen. Nach Alfreds Tod 1887 hatte dessen Sohn Friedrich Alfred den Betrieb übernommen, mit dem der Vater zunächst ein angespanntes Verhältnis hatte. Der Sohn setzte sich dann aber doch mit seinen Ideen durch und expandierte im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Stammwerk in Essen erhöhte sich die Belegschaft von 12.000 auf 25.000 Beschäftigte und konzernweit auf 42.000. Vor allem der Umsatz in der Rüstungsproduktion legte deutlich zu.

Von Bohlen und Halbach

Friedrich Krupp starb 1902. Mit seiner Frau Margarethe, einer geborenen Freiin von Ende, hatte er zwei Töchter, Barbara und Bertha. Da Alleinerbin Bertha zum Zeitpunkt des Todes noch minderjährig war, führte zunächst die Mutter treuhänderisch zusammen mit der Konzernleitung das Unternehmen weiter. Sie wandelte die Firma von der Krupp Gussstahlfabrik in eine Aktiengesellschaft um, wobei Bertha die Mehrheit hielt. Zudem gründete sie die Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge. Noch heute zeugt der nach der Stifterin benannte Essener Stadtteil Maragrethenhöhe von der Stiftung.

Bertha Krupp

Bertha Krupp. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Bertha Krupp heiratete 1906 Gustav von Bohlen und Halbach, einen Diplomaten. Dieser durfte den Familiennamen Krupp per extra verfügter Erlaubnis voranstellen - solange er in leitender Funktion für das Unternehmen tätig war. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach hatte mit seiner Frau Bertha insgesamt acht Kinder, darunter den 1907 erstgeborenen Sohn Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Alfried gilt heute als "letzter Krupp", denn sein 1986 verstorbener einziger Sohn Arndt verzichtete auf das Erbe.

Die

Dicke Bertha. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zunächst aber wieder zurück zu Gustav, der nach der Heirat mit Bertha Krupp das Unternehmen führte. Sein soziales Engagement machte ihn bei der Belegschaft beliebt. Während des Ersten Weltkriegs stellte Gustav das Unternehmen ganz auf Rüstungsproduktion um. Immer mit dem Namen Krupp wird dabei die "dicke Bertha" in Erinnerung bleiben, eine monströse Riesenkanone, die im Krieg zum Einsatz kam.

Die Annäherung an Hitler

Nach dem Krieg und im Zuge der französischen Besetzung des Rheinlandes geriet die Firma in Schwierigkeiten, denn Rüstungsgüter durften nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919 nicht mehr hergestellt werden. Politisch aber wurde es erst einmal ruhig um die Villa Hügel.

Das änderte sich jedoch mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten. Obwohl Gustav dem Diktator Hitler zunächst kritisch gegenüberstand, näherte er sich im Laufe der Zeit mehr und mehr den Machthabern an. Sowohl der Vater als auch Sohn Alfried wurden von Hitler zu Wehrwirtschaftsführern ernannt. Alfried trat 1938 in die NSDAP ein. Die Nationalsozialisten bescherten dem Konzern mit ihrer Aufrüstungspolitik erneut üppige Aufträge.

Wie viele andere Industrielle im Krieg bediente sich auch die Krupp-Dynastie der Arbeitskraft von Zwangsarbeitern. Die Nähe zum Regime war unübersehbar, so dass nach dem Krieg Alfried zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde. Zudem wurde das Vermögen der Krupps eingezogen. Vater Friedrich erlitt bereits 1943 einen Schlaganfall und starb 1950. Er gehörte im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zu den 24 Hauptangeklagten, der Prozess konnte jedoch aus Gesundheitsgründen nicht geführt werden.

Nach dem Krieg

Alfried, der ab 1943 übernommen hatte, wurde 1947 gesondert angeklagt kam aber schon 1951 aus dem Gefängnis in Landsberg wieder frei. Nicht nur das, auch das Familienvermögen bekam er von den Amerikanern wieder – allerdings unter der Bedingung, dass er die Bergbau und Hüttenbetriebe vom Konzern abtrennen sollte.

Berthold Beitz

Berthold Beitz. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ab 1953 stand er dem Konzern wieder vor und stellte vollumfänglich auf zivile Produktion um. Zuvor hatte sein jüngerer Bruder Berthold die Geschäfte geleitet. Alfried entschied, dass er einen Vertrauten abseits der Familie in die Geschäfte einbinden wollte. Er berief daraufhin Berthold Beitz zum Generalbevollmächtigten. Dieser trat 1953 ins Unternehmen ein und war bis 1967 in dieser Funktion tätig.

Mit Hoesch übernahm Krupp Anfang der 90er Jahre einen Konkurrenten.

Hoesch. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Alfried Krupp starb 1967. Der Konzern ging im folgenden Jahr vollständig an die von ihm gegründete "Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung"“ über. Berthold Beitz leitete die Stiftung und war von 1970 bis 1989 Aufsichtsratschef bei Krupp und anschließend Ehrenvorsitzender.

Die Krupp AG machte 1974 Schlagzielen, als der Iran sich mit einem Viertel beteiligte. 1992 wurde in einer feindlichen Übernahme der Konkurrent Hoesch geschluckt. Schließlich erfolgte 1999 die Fusion zwischen der Thyssen AG und der Friedrich Krupp AG. ThyssenKrupp, das heute von Heinrich Hiesinger geleitet wird, ist heute im Dax vertreten. Die Stiftung hält rund 23 Prozent der Anteile.

Der "letzte Krupp"

Alfried Krupp. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Warum gilt Alfried Krupp als der letzte der Familie? Seine Geschichte ist tragisch und führte letztlich dazu, dass mit ihm die Familiendynastie enden sollte. Dies, obwohl er eine Sohn hatte, Arndt von Bohlen und Halbach. Er entstammte der Ehe mit Anneliese Lampert, die er 1937 geheiratet hatte. Die Ehe wurde aber 1941 geschieden, auf Druck des Vaters.

Arndt wurde von Alfried als wenig geeignet betrachtet, das Unternehmen fortzuführen. Stattdessen gründete er die Stiftung. Arndt verzichtete auf sein Erbe und führte ein Jet-Set-Leben. 1986 starb er. Berthold Beitz, Jahrgang 1913, starb kurz vor seinem 100. Geburtstag am 30.7.2013 auf Sylt.    

rm

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Die Geschichte der Krupps Von Friedrich bis Alfried

Friedrich Krupp

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