Händlerskandal

Jerome Kerviel

Berufung Kerviel muss deutlich weniger zahlen

Stand: 23.09.2016, 15:56 Uhr

Der als Milliardenzocker bekannte Ex-Börsenhändler Jérôme Kerviel muss seinem Ex-Arbeitgeber, der Société Générale jetzt doch nur eine Million Euro Schadenersatz zahlen.

Das entschied ein Berufungsgericht in Versailles am Freitag und blieb damit weit hinter der Summe von 4,9 Milliarden Euro zurück, die der Bank in einem früheren Urteil zugesprochen worden war. "Das gibt mir Energie, den Kampf fortzusetzen", sagte Kerviel.

Der Fall Kerviel ist einer der größten Skandale der Finanzgeschichte: Die Société Générale hatte 2008 bekanntgegeben, wegen dessen Spekulationsgeschäften einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro gemacht zu haben. Kerviel wurde wegen Untreue, Fälschung und Manipulation von Computerdaten verurteilt und hat seine Haftstrafe bereits abgesessen.

Er hält sich aber für unschuldig und behauptet, sein früherer Arbeitgeber habe von den Geschäften gewusst. Ursprünglich war Kerviel zum Ersatz des gesamten Schadens verurteilt worden. Frankreichs oberstes Gericht hatte diese Entscheidung jedoch 2014 aufgehoben und auf Versäumnisse der Société Générale verwiesen. Das Gericht befand Kerviel nun nach übereinstimmenden Medienberichten teilweise verantwortlich für den Schaden. Ein Anwalt der Bank äußerte sich zufrieden über das Urteil.

dpa

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Kweku Adoboli muss sich vor Gericht verantworten

Kweku Adoboli, UBS, hat "Gott gespielt"

Es ist einer der größten Bankenskandale in der Geschichte des Finanzplatzes London: Der UBS-Börsenhändler Kweku Adoboli verzockt im Jahr 2012 2,3 Milliarden Dollar. Zwischenzeitlich waren die Risiken sogar bis auf zwölf Milliarden Dollar angeschwollen und hatten damit das Überleben der größten Schweizer Bank bedroht. Insgesamt hat Kweku Adoboli 2,3 Milliarden Dollar versenkt.

Adoboli war am Handels-Desk für Exchange Traded Funds (ETF) aktiv. Dort handelte er mit allen möglichen Spielarten von börsennotierten Papieren wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Beim Handel mit ETFs auf den Dax, S&P 500 und den EuroStoxx 50 überschritt er allerdings massiv die Risikolimits seiner Bank. Zudem täuschte er Absicherungsgeschäfte nur vor, um die Gewinnaussichten weiter zu erhöhen.

Dafür wurde Adoboli im November 2012 von einer britischen Jury in erster Instanz des Betrugs für schuldig gefunden und von einem Richter zu sieben Jahren hinter Gittern verurteilt. Sasha Wass, die Chef-Anklägerin in dem Prozess, bezeichnete Kweku Adoboli als arrogant und rücksichtslos. Er habe mit dem Geld der Bank "Gott gespielt", um sein Ego zu nähren und mittels höherer Boni seine Geldbörse zu füllen.

Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Adoboli 32 Jahre alt. Zuletzt kämpfte er gegen seine Abschiebung nach Ghana - erfolglos. Im November wurde Adoboli, der seit seinem 12. Lebensjahr in Großbritannien lebte, abgeschoben.