Händlerskandal

Jerome Kerviel

Berufung Kerviel muss deutlich weniger zahlen

Stand: 23.09.2016, 15:56 Uhr

Der als Milliardenzocker bekannte Ex-Börsenhändler Jérôme Kerviel muss seinem Ex-Arbeitgeber, der Société Générale jetzt doch nur eine Million Euro Schadenersatz zahlen.

Das entschied ein Berufungsgericht in Versailles am Freitag und blieb damit weit hinter der Summe von 4,9 Milliarden Euro zurück, die der Bank in einem früheren Urteil zugesprochen worden war. "Das gibt mir Energie, den Kampf fortzusetzen", sagte Kerviel.

Der Fall Kerviel ist einer der größten Skandale der Finanzgeschichte: Die Société Générale hatte 2008 bekanntgegeben, wegen dessen Spekulationsgeschäften einen Verlust von 4,9 Milliarden Euro gemacht zu haben. Kerviel wurde wegen Untreue, Fälschung und Manipulation von Computerdaten verurteilt und hat seine Haftstrafe bereits abgesessen.

Er hält sich aber für unschuldig und behauptet, sein früherer Arbeitgeber habe von den Geschäften gewusst. Ursprünglich war Kerviel zum Ersatz des gesamten Schadens verurteilt worden. Frankreichs oberstes Gericht hatte diese Entscheidung jedoch 2014 aufgehoben und auf Versäumnisse der Société Générale verwiesen. Das Gericht befand Kerviel nun nach übereinstimmenden Medienberichten teilweise verantwortlich für den Schaden. Ein Anwalt der Bank äußerte sich zufrieden über das Urteil.

dpa

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Börsenhändler Nick Leeson wird 1995 aus dem Frankfurter Gefängnis zum Oberlandesgericht gebracht

Nick Leeson: Im Alleingang die Barings Bank ruiniert

"Es tut mir leid." Diesen Zettel fanden die Mitarbeiter von Nick Leeson im Februar 1995 an dessen Computerbildschirm. Von dem jungen Heißsporn, der an der Börse in Singapur rund eine Milliarde Euro Verlust gemacht und damit die traditionsreiche britische Barings Bank ruiniert hatte – keine Spur. Die Flucht des damals 28-Jährigen sollte aber schon nach wenigen Tagen am Frankfurter Flughafen enden. In Singapur wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Betrugs verurteilt.

Vor der Pleite galt Nick Leeson jedoch als brillanter "Mann mit goldenem Händchen", der forsch und dynamisch an Asiens Weltbörsen "zauberte". Mit nur 21 Jahren hatte ihn die Investmentbank Barings nach Singapur geschickt. Dort begann er 1993 unautorisiert zu spekulieren, vornehmlich mit Derivaten auf den Nikkei 225. Auf einem Konto mit der Nummer 88888 häufte er die Verluste an, die er eine ganze Zeit lang mit immer neuen Finanztricks vor der Londoner Zentrale geheim halten konnte. Bis die Bombe im Februar 1995 platzte. Er häufte Verluste in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar an.

Und so hatte ein einziger junger Mann nach mehr als 230 Jahren die Geschichte der Barings Bank mal eben beendet. Bankmanager auf der ganzen Welt hätten durch die Barings-Pleite ihre Lektion gelernt, sagte einst Simon Hills von der British Bankers' Association. Wirklich?