Kenneth Fisher

Vom Traumberuf Parkranger zum Börsen-Guru Kenneth Fisher gegen den Rest der Welt

von Till Bücker

Stand: 21.11.2018, 16:26 Uhr

Starinvestor, Kolumnist, Milliardär und Gründer von Fisher Investments: Kenneth Fisher gilt als andersdenkend. Bereits sein Vater war eine Legende an der Börse und beeinflusste selbst Warren Buffett.

Seine Begabung als Investor könnte etwas mit seinem Vater zu tun haben. Schon Philip A. Fisher war ein legendärer Vermögensverwalter. Mit Büchern wie "Common Stocks and Uncommon Profits" (1958) überzeugte er selbst Ikonen wie Charlie Munger und Warren Buffett von seinen Anlagestrategien. Er verband die Vorzüge des Value Investings von Benjamin Graham, bei dem Anleger gut ausgewählte Aktien lange halten und sich am sogenannten inneren Wert orientieren, und des Growth Investments, das eher auf den Wachstum von Unternehmen abzielt. Somit gilt der alte Fisher als Wegbereiter des Quality Investings, für das heute eben Buffett und Munger so bekannt sind.

Nun könnte man denken, dass Kenneth Fisher als dritter und jüngster Sohn lediglich das Vermögen geerbt habe und in die Fußstapfen des Vaters getreten sei. Doch es kam anders, Fishers Weg war nicht unbedingt vorgezeichnet. Der 1950 in San Francisco geborene Ken studierte zunächst Forstwissenschaften an der Humboldt State University in Arcata. Sein Traumberuf: Parkranger im Redwood Forest.

Eigene Firma statt Familienunternehmen

Schnell merkte er jedoch, dass die Ökonomie das Richtige ist. Nach Abschluss seines Studiums in Wirtschaftswissenschaften im Jahr 1972 wurde Fisher zwar genauso wie sein älterer Bruder in der Investmentfirma seines Vaters ausgebildet und an die Übernahme herangeführt - allerdings nicht wirklich lange.

"Bis ich das Gefühl hatte: Wenn ich so weitermache, bring ich ihn eines Tages noch um", sagte er vor kurzem in einem Interview mit der Schweizer "Handelszeitung", für die er als Kolumnist schreibt. Philip A. Fisher gab wenig Verantwortung an seine Söhne ab, angeblich durften sie keine eigenen Entscheidungen treffen, ohne ihn vorher zu fragen.

1979 gründete Fisher also seine eigene Firma, anfangs mit 250 Dollar. Fast 40 Jahre später verwaltet "Fisher Investments" nach eigenen Angaben über 105 Milliarden Dollar für mehr als 50.000 Privatkunden und 175 Institutionen.

Innovationen in der Anlagestrategie

Anfangs beschrieb Fisher in den 1980er Jahren das Konzept des Kurs-Umsatz-Verhältnisses (KUV) als Identifizierung unterbewerteter Aktien in seinem Buch "Super Stocks". "In Fachkreisen wurde dieses Konzept sehr schnell adaptiert, das brachte mich unheimlich schnell auf die Landkarte", sagte er jüngst. Es sei damals ein nützliches Instrument wie ein Schweizer Taschenmesser gewesen, da vor dreißig Jahren das Bewerten von Aktien noch teuer und sehr aufwändig war.

Nach weiteren Innovationen und Entwicklungen überschritt Fisher Investments 1993 erstmals ein Vermögen von einer Milliarde Dollar. Im Jahr 2000 expandierte Fisher Investments in ausländische Märkte. In Deutschland gründete er 2007 zusammen mit Thomas Grüner die Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern.

Der Andersdenkende

Ken Fisher gilt als menschenscheu. Der Mann mit den dreißig Krawatten von den Börsenplätzen aus aller Welt will seine Mitarbeiter vom Rest der Finanzwelt abschirmen. Er widerlegt gängige Thesen und investiert gegen den Strom. "Immer, wenn eine Menge Leute zu wissen meint, was passiert, kommt es anders", erklärte der erfahrene Stratege einst der "Süddeutschen Zeitung".

»Allgemein bekannte Weisheiten bringen an der Börse nichts, sie spiegeln sich bereits in den Kursen wider.«

Seiner Meinung nach schrumpfen die Renditen, wenn Investoren nach demselben Investmenttyp suchen. Er investiert daher antizyklisch vor allen anderen in die Werte, die einige Zeit später von der Börse „entdeckt“ und in den Himmel gekauft werden. Die ersten und die letzten paar Prozente überlässt Ken Fisher gerne den anderen. Er ist dann bereits wieder auf der Pirsch nach den neusten vielleicht in Kürze angesagten Investmentideen.

Der Star-Investor fährt bewusst zweigleisig in seinen Strategien. Mal neigt er eher zum Value Investing, wenn diese Methode die bessere Rendite verspricht. Wenn er mehr Geld mit Growth Investing machen kann, wechselt er dorthin. Das entscheidet Fisher jedoch nicht aus dem Bauch heraus, sondern zieht Indikatoren der Makroökonomie wie die Zinsstrukturkurve, das BIP oder die Inflationsentwicklung heran.

»Investieren ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten, nicht der Gewissheiten.«

Bekannter Autor und Finanzexperte

Diese Gedanken, die er auch in vielen Büchern zusammengetragen hat, haben den mittlerweile 67-Jährigen reich gemacht. Er steht laut Fisher Investments auf Platz 200 der Forbes-Liste der reichsten Amerikaner 2018 und auf Platz 606 der Liste der Global Billionaires 2018.

Regelmäßig schreibt Fisher Kolumnen für Finanzmedien wie "USA Today", "Financial Times" in Großbritannien, "Focus Money" in Deutschland oder "De Telegraaf" in den Niederlanden. Seine renommierte "Forbes"-Kolumne „Portfolio-Strategie“ lief von 1984 bis 2016 und machte ihn damit zum ausdauerndsten Kolumnisten in der Geschichte des Magazins. Er schrieb elf Bücher, darunter vier Bestseller der "New York Times".

2010 wurde er von ThinkAdvisor als eine der 30 einflussreichsten Personen der Branche in den letzten drei Jahrzehnten ausgezeichnet. Tiburon Strategic Advisors würdigte ihn ein Jahr früher mit dem "CEO Summit Award" für anspruchsvolle konventionelle Weisheit.

Sein hohes Ansehen in der Investmentwelt hat der Familienvater sich auch dadurch erworben, dass er mehrere besondere Ereignisse richtig prophezeite. Er warnte vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 und riet zu massiv erhöhtem Cash-Bestand. 2002 riet er nach dem dramatischen Absturz, sein Vermögen wieder in Aktieninvestments umzuschichten. Seine Klienten wurden daraufhin mit starken Renditen belohnt. Daneben liegt er allerdings auch hin und wieder daneben: "Ich erwarte ein weiteres Superjahr", verriet er der Schweizer "Weltwoche" im April 2007. Was folgte, war die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit.

Liebe zur Forstwirtschaft vergeht nicht

Fishers Liebe zu Bäumen, Wald und Holzfällerei blieb in all der Zeit bestehen. Er stellt historischen Gesellschaften Geld zur Verfügung für Zukäufe alter Sägereien und gilt als anerkannter Experte für den Holzeinschlag des 19. Jahrhunderts. Zudem schreibt er regelmäßig über Redwood-Bäume in Kalifornien. Allerdings hält er nichts von einseitigem Investment, verrät ein bekanntes Fisher-Zitat:

»Wenn Sie nur das kaufen, was Sie kennen, kann dies zu einem Desaster führen.«

Fisher besitzt weder eine Yacht noch einen Privatjet. Kurz: Er scheint ein Mensch zu sein, der sich nicht besonders viel aus Statussymbolen und Geld macht. 2005 erreichte der 67-Jährige seine erste Milliarde. "Allerdings war ich nie aufs Geld aus. Ich gebe auch nicht übermäßig viel aus", sagte er kürzlich.

Mit Geld könne er sich jedoch echte Werte leisten: "Nehmen wir Bill Gates: Er hat zwar viel Geld, aber viel wichtiger ist, was er daraus macht, die Werte, die er damit kreiert. Kapital schafft erst wahre Werte." Seinen drei Söhnen habe er klargemacht, dass das Prinzip "Daddy's Money" nicht aufgehe und sie auf eigenen Beinen im Leben stehen müssten. Er selbst muss es am besten wissen.

1/10

Die Top-10-Aktien im Portfolio von Kenneth Fisher Von Visa bis Cisco

<strong>Visa</strong><br/>Mit 3,36 Prozent hat das Papier von Visa den größten Aktienanteil im Portfolio des Investors.<br/>Seine Anteile erhöhte der Börsen-Guru zuletzt um mehr als zwei Prozent. Insgesamt gehören Fisher nun rund 18,6 Millionen Aktien der Kreditkartengesellschaft. : Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Visa
Mit 3,36 Prozent hat das Papier von Visa den größten Aktienanteil im Portfolio des Investors.
Seine Anteile erhöhte der Börsen-Guru zuletzt um mehr als zwei Prozent. Insgesamt gehören Fisher nun rund 18,6 Millionen Aktien der Kreditkartengesellschaft.