Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler auf der Conti-Hauptversammlung 2017

16 Milliarden Dollar Wertverlust 2018 kein gutes Jahr für die Schaefflers

Stand: 04.12.2018, 12:03 Uhr

Zwar ist das laufende Kalenderjahr noch nicht ganz zu Ende, aber für Maria Elisabeth Schaeffler und ihren Sohn Georg könnte es als annus horribilis in die Annalen eingehen. Am Ende droht eine bittere Bilanz.

Continental : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
129,44
Differenz relativ
-1,40%

Denn nicht nur dem traditionsreichen Mutterbetrieb in Herzogenaurach weht angesichts eines schwierigen globalen Marktumfeldes der Wind ins Gesicht, auch die Beteiligung am Dax-Konzern Continental (aktuell bei 46 Prozent über die IHO-Holding) hat den beiden Firmenlenkern wenig Freude gemacht.

Rund 53 Prozent ihres Vermögens haben Mutter und Sohn Schaeffler, stets fester Bestandteil jeder Vermögensliste der Reichen und Schönen, in diesem Jahr bisher an Wertverlust einstecken müssen, rechnet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" vor - das sind immerhin rund 16 Milliarden Dollar. Wie konnte es zu einem solchen Desaster kommen?

Conti taumelt

Bekanntlich ist die Börse bei Gewinnwarnungen gnadenlos, denn am Markt wird stets die Zukunft gehandelt. Sinken die Gewinnaussichten, geht es meist postwendend bergab mit dem Kurs. So auch geschehen mit der Conti-Aktie. Nach Gewinnwarnungen wegen einer Verschlechterung der Lage in der Automobilindustrie sowie einem im September verfassten "Brandbrief" des Managements ist deren Kurs im bisherigen Jahresverlauf heftig ins Trudeln geraten.

Seit Jahresbeginn von 225,05 Euro auf aktuell 135,55 Euro (per 3.12.2018) - ein Minus von knapp 40 Prozent. Das Jahreshoch lag mit 251,30 Euro im Januar sogar noch höher. Vom Schaeffler-Mutterkonzern, ebenfalls ein führender Industrie und Automobilzulieferer, werden an der Börse nur Vorzugsaktien gehandelt, die zu 100 Prozent im Streubesitz sind. Aber auch hier gab es erst jüngst eine Gewinnwarnung, die den Kurs ebenfalls in den Keller schickte. Das Papier bietet ein ähnlich trauriges Bild wie die Conti-Aktie.

Das Kapital und damit das Sagen bei Schaeffler haben Mutter und Sohn, nachdem 1996 der Firmenpatriarch Georg Schaeffler verstorben war. Sohn Georg hält 80, Ehefrau Maria 20 Prozent. Georg Schaeffler hatte 1946 zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, der schon 1981 verstarb, das Unternehmen gegründet.

Ein lange Zeit eher verschwiegenes Familienimperium, das nach dem Krieg kräftig expandierte und erst mit dem (feindlichen) Zugriff auf den Konkurrenten FAG Kugelfischer bekannter wurde. 2008 erfolgte der (ebenfalls feindliche) Zugriff auf Continental. Der Schaeffler-Konzern wird vom Manager Klaus Rosenfeld, Continental von Elmar Degenhart geführt.

Im Ranking abgerutscht

Und die Schaefflers? Am Hungertuch werden sie nicht nagen, im Bloomberg-Milliardärs-Index werden sie weiterhin mit etwas über 14 Milliarden Dollar "bewertet". Aber der Niedergang in diesem Jahr war der größte Rückgang in diesem Jahr innerhalb der reichsten Familien Europas. Georg Schaeffler rangiert nun auf Position 113 der reichsten Personen der Welt.

Besserung ist allerdings nicht in Sicht. Continental sieht sich dem "perfekten Sturm" gegenüber, sagen die beiden Bloomberg-Autoanalysten Michael Dean und Gillian Davies. Die internationalen Handelsverwerfungen, aber auch das Aufkommen der Elektromobilität wird den Konzern vor weitere Herausforderungen stellen.

rm