T-Mobile-Chef John Legere kocht

Porträt John Legere: Das Werbegesicht im Chefsessel

Stand: 02.05.2018, 13:24 Uhr

Die Fusion von T-Mobile US und Sprint bringt die Nummer drei und vier der amerikanischen Telekommunikationsbranche zusammen. Wer den Chefposten übernimmt, ist auch schon klar: T-Mobile US-Chef John Legere.

2012 kam er zur Telekom-Tochter - als es richtig schlecht lief: T-Mobile US konnte mit der Konkurrenz nicht mithalten, verlor immer mehr Kunden. Die Deutsche Telekom wollte das Unternehmen sogar los werden – doch die Übernahme durch AT&T scheiterte.

Das Comeback von T-Mobile US

T-Mobile US: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
58,82
Differenz relativ
-1,66%

Sechs Jahre später sieht die Welt ganz anders aus: Die Zahl der Kunden stieg von 33 Millionen auf 71 Millionen. Die Aktie verzeichnete im gleichen Zeitraum ein Plus von 172 Prozent. Nun die geplante Fusion mit Sprint. Wie hat Legere das geschafft?

Der studierte Betriebswirt aus Fitchburg in Massachusetts begann bei New England Telephone, wechselte dann zu AT&T und blieb dort 20 Jahre in verschiedenen Führungspositionen. Nach zwei Jahren bei Dell kam er zum Telekommunikationskonzern Global Crossing, den er 2002 erst durch die Insolvenz und neun Jahre später durch die Übernahme durch Level 3 Communications führte.

Genügend Erfahrung brachte Legere also mit. Doch entscheidend für das T-Mobile Comeback war seine "Un-carrier"-Strategie: Preise, Tarife, Kundenservice und Marketing – alles so kundenorientiert wie nur möglich. Dafür testete er sogar selbst den telefonischen Kundensupport und senkte die Gebühren. Statt üblicher Werbekampagnen wurde der Chef selbst zur Dauerwerbesendung.

One-Man-Show Legere

Jeden Sonntag kocht er live auf Facebook. Gekleidet ist er dabei von den Schuhen bis zur Kochmütze in Magenta. Eine gelungene Werbeshow – mit durchschnittlich über zwei Millionen Aufrufen pro Video.

T-Mobile-Chef John Legere kocht

John Legere kocht. | Bildquelle: Instagram

Doch der 59-Jährige kocht nicht nur, sondern lässt seine Follower auf Twitter und Instagram auch sonst an seinem Leben teilhaben. Mal verkündet er dort die neuesten Geschäftszahlen oder wie kürzlich die Fusionspläne - gemeinsam mit Sprint-Chef Marcelo Claure. Bis zu sieben Stunden verbringt er täglich online, mit einem Ziel: Die Menschen nah ran lassen - und so neue Kunden gewinnen.

Dafür joggt er auch mal durch einen Park in seinem Wohnort Washington und erzählt den Spaziergängern dort vom "T-Mobile Tuesday": Die wöchentliche Aktion, bei der Kunden per App an Gewinnspielen teilnehmen können – zum Dank dafür, dass sie T-Mobile Kunde sind. Selbstverständlich filmt er sich dabei: Das Video hat auf Twitter 22.300 Aufrufe.

John Legere - der Mann von nebenan

In Anzug und Krawatte sieht man ihn dabei eher selten. Lieber kleidet er sich in Jeans und Lederjacke – stets mit Farbtupfern im Telekom-Magenta.

Seine Arbeit als Chef und wandelnde Werbefigur ist dem Unternehmen einiges wert: 2016 verdiente er 20,1 Millionen Dollar – Deutsche Telekom-Chef Tim Höttges kassierte im Vergleich nur 4,3 Millionen Euro.

Anfang Juni wird der Vater von zwei Töchtern 60 Jahre alt. Die Party wird er sicherlich auf Social Media mit der Welt teilen. Das Farbmotto dürfte auch schon klar sein: All Magenta everything.

jz