Daimler-Chef Dieter Zetsche spricht auf der Hauptversammlung 2018 in erlin

Daimler-Chef Dieter Zetsche Jeans statt Manschettenknöpfe

Stand: 04.05.2018, 14:07 Uhr

Ein Rekordgewinn und die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte: Keine Frage, der Mercedes-Stern leuchtet so hell wie noch nie. Das ist auch das Verdienst von Vorstandschef Dieter Zetsche. Der wird an diesem Samstag (5. Mai) 65.

Für Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist Dieter Zetsche der Mann, der Daimler vor dem Untergang gerettet und in eine Perle verwandelt hat. Tatsächlich konnte der Autobauer im vergangenen Jahr eine berauschende Rekordfahrt verbuchen. Der Umsatz kletterte auf 164,3 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Nettogewinn von 10,9 Milliarden Euro, 24 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das war natürlich nicht immer so. Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp hatte Daimler mit der Übernahme von Chrysler - einst als "Hochzeit im Himmel" gepriesen - in eine gefährliche Sackgasse manövriert. Sein Nachfolger Zetsche, ab Januar 2006 im Amt, musste also zunächst Gewinnprognosen kassieren und einen rigorosen Sparkurs fahren.

Harte Kritik am Anfang

Legendär wurde seine Werbeoffensive für Chrysler in den USA, in der Zetsche in Fernsehspots als Dr. Z. auftrat und in selbstironischer Weise die Qualitäten der Fahrzeuge pries. Auf einer eigens eingerichteten Webseite wurden Fragen und Antworten zu Chrysler veröffentlicht. Doch es half alles nichts, der Absatz blieb im Keller und Daimler musste sich von dem Hersteller trennen. 2009 wurde die Scheidung vollzogen.

Die Kritik an Zetsche riss trotzdem nicht ab, denn das Abenteuer Chrysler hatte auch bei Daimler selbst tiefe Spuren hinterlassen. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat betrieben deshalb aktiv seinen Abgang. Doch Zetsche bekam eine Bewährungsfrist, durfte bleiben, wenn auch erstmal nur drei weitere Jahre statt der üblichen fünf. Inzwischen ist Zetsche über zwölf Jahre im Amt und so erfolgreich, dass Investoren schon das "Besser-geht's-nicht-Problem" beklagen. Angesichts der Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn 2017 müsse es ja fast zwangsläufig bald wieder abwärts gehen, hieß es erst auf der Hauptversammlung im April.

Dieter Zetsche

Dieter Zetsche. | Bildquelle: picture alliance / Marijan Murat/dpa

Gewaltige Herausforderungen

Tatsächlich steht Daimler trotz Rekordgewinnen vor gewaltigen Herausforderungen. Bei der Elektro-Wende drängt die Zeit, die Pläne kosten Milliarden - ohne Garantie, dass sie auch aufgehen. Dieselskandal und Kartellvorwürfe könnten, je nach Ausgang, auch noch richtig teuer werden. Die Probleme spiegeln sich auch im Aktienkurs wider, der trotz der guten Zahlen seit Jahren nicht recht von der Stelle kommt.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,37
Differenz relativ
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Zetsche nimmt die Herausforderung an, weiß er doch, dass sich Daimler nicht auf sieben Jahre nRekordabsatz in Folge ausruhen darf. So bereitet er den größten Umbau seit der Trennung von Chrysler vor: Die Sparten Pkw, Nutzfahrzeuge und Dienstleistungen sollen selbstständige Aktiengesellschaften unter dem Dach der Daimler AG werden. Mit größerer Selbstständigkeit sollen sie stärker wachsen, investieren und mehr Gewinn machen können.

Bodenständigkeit und Offenheit

Nebenbei muss er sich auch um den neuen Großaktionär Li Shufu kümmern, der sich still und leise fast zehn Prozent der Daimler-Anteile zusammenkaufte und dessen genaue Absichten im Unklaren bleiben. Dass jemand "Zetsche muss weg!" ruft, braucht man heute nicht mehr zu befürchten. Schon gar nicht bei der Arbeitnehmervertretung, die ihn einst absägen wollte. "Heute ist er über jede Kritik erhaben", meint Dudenhöffer.

In Detroit  präsentiert Mercedes-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche (l) gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger die neue G-Klasse

Zetsche, Schwarzenegger und die G-Klasse. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zetsche beweise Bodenständigkeit und Offenheit, beim Smalltalk mit Mitarbeitern in der Kantine ebenso wie am Rande von durchaus immer noch harten Verhandlungen, lobt Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Bekannt ist er auch für seine Auftritte ohne Krawatte und in Jeans. Zetsche lebe die moderne Unternehmenskultur, die er sich wünsche, selbst vor, so Brecht.

Jeans und Turnschuhe

Früher, sagt Dudenhöffer, stand der Autobauer für Manschettenknöpfe und Krawatten, jetzt für Jeans und Turnschuhe. Zetsche hat diesen Kulturwandel eingeleitet. Er ist der Kumpel-Chef, der zwar nicht mehr als "Dr. Z" in Werbeclips auftritt, dafür nun aber für ulkige Grußbotschaften zu Weihnachten Gedichte vorträgt oder den markanten Schnauzbart in der Glühwein-Tasse verschwinden lässt.

Daimler-Chef Dieter Zetsche

Daimler-Chef Dieter Zetsche. | Bildquelle: Imago

Es gibt aber auch den anderen Zetsche - abgeschirmt, wortkarg, der Journalisten und Aktionäre mit den immer gleichen, vom Zettel abgelesenen Antworten auf ihre Fragen frustriert. Gern auch mehrfach hintereinander, wenn es Nachfragen gibt.

Was kommt danach?

Bei Fragen zu seiner Zukunft hält sich der Manager bislang bedeckt. Ende 2019 läuft sein Vertrag aus, danach könnte er den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen. Dessen jetziger Chef Manfred Bischoff hat schon im vergangenen Jahr gesagt, dass er sich das vorstellen könnte. Zeitlich passen würde es: Zetsche müsste eine zweijährige Abkühlphase abwarten, Bischoff ist bis 2021 gewählt. Seit Februar sitzt Zetsche im Aufsichtsrat von Tui, soll auch dort "mittelfristig" den Vorsitz übernehmen. Gewählt ist er für fünf Jahre - aber da kann ja bekanntlich noch viel passieren.

lg/dpa