Invisible Hand, Theaterstück von Ayad Akhtar
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"Invisible Hand" Börsen-Lehrstunde auf dem Theaterparkett

Stand: 24.01.2018, 14:14 Uhr

Erst himmelhoch jauchzend, dann zutiefst betrübt – Theater und Börse haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint. Doch wie viel Börse kann das Schauspiel tatsächlich? Ayad Akthar wagt in "Invisible Hand" den Mix - und boerseARD den Besuch im Frankfurter Schauspielhaus.

Invisible Hand, Theaterstück von Ayad Akhtar

Invisible Hand. | Bildquelle: Schauspiel Frankfurt

Entführt von einem Imam (Matthias Redlhammer) und seinen Handlangern findet sich Citi-Banker Nick Bright (Heiko Raulin) angekettet und gefesselt wieder. Zehn Millionen Dollar Lösegeld werden gefordert – aber nicht gezahlt. Denn der Imam wird kurzerhand auf die Terroristenliste der US-Regierung gesetzt und mit Terroristen darf laut Gesetz nicht verhandelt werden. Bright gibt nicht auf und macht ein Angebot: Er will an der pakistanischen Börse handeln – und sich frei traden.

Kann Börse auch Drama?

Während Banker Bright handelt, lehrt er Bashir (Omar El-Saeidi), einem seiner Entführer, nebenbei die Überlebensregeln der Börse. "Was ist ein Future?", will der junge Mann wissen. Eine Erklärung folgt prompt. Weitere Börsenbegriffe wie  "shorten“, "Call-" oder "Put-Optionen" fallen nicht nur – sie werden auch für das Publikum erklärt.

»Bullen verdienen Geld, Bären verdienen Geld, Schweine werden geschlachtet, lehrt Nick Bright seinem Entführer Bashir.«

Am Ende überflügelt der einst unwissende Bashir seinen Börsenlehrmeister: Er shortet die Rupie, verübt einen Anschlag auf die pakistanische Zentralbank – und kassiert so 35 Millionen Dollar.

Fazit

Invisible Hand, Theaterstück von Ayad Akhtar

Invisible Hand. | Bildquelle: Schauspiel Frankfurt

Börse auf dem Theaterparkett? Kann funktionieren, zeigt der US-Schriftsteller Ayad Akthar mit seinem Werk "Invisible Hand". Trotz der spannenden und dramatischen Geschichte fügen sich die Börsenbegriffe in die Thematik ein.

Einfache Beispiele wie ein Future auf den Weizenverkauf, treffen auf weniger glaubhafte Darstellungen: Denn die Zettelwirtschaft, anhand der Bright den Handel an der Börse bestimmen soll, ist in Zeiten von Handelssystemen wie Xetra eher wenig erfolgsversprechend. Und dennoch erinnert die Handlung an bekannte Ereignisse wie die Börsenpläne des mutmaßlichen BVB-Attentäters.

Die unsichtbare Hand

Der schottische Ökonom Adam Smith nutzte die Metapher der "unsichtbaren Hand" unter anderem zur Erklärung des Preismechanismus. Wenn heute von der unsichtbaren Hand gesprochen wird, ist in aller Regel die Selbstregulierung der Wirtschaft gemeint. Demnach versucht jeder Marktteilnehmer seine wirtschaftlichen Interessen bestmöglich zu befriedigen. Gleichzeitig stillt er dabei unbewusst und unfreiwillig das Interesse der restlichen Gesellschaft.

Nachdenklich macht die vermeintliche Botschaft des Stücks: Akthar lässt westliche Werte wie die Demokratie und die Freiheit der Märkte in neuem Licht erscheinen. Wie gut ist Kapitalismus, wenn Geld zum Opium des Volkes wird? Wie sehr bestimmt Gier die Gesellschaft? Was passiert, wenn jemand es wagt den Markt zu beherrschen?

Westliche Werte auf dem Prüfstand

Invisible Hand, Theaterstück von Ayad Akhtar

Invisible Hand. | Bildquelle: Schauspiel Frankfurt

Die Gesellschaftskritik verbirgt schon der Titel: Die Menschen sind der "unsichtbaren Hand" ausgeliefert und die Märkte dadurch bestimmt. Akthar stellt die westlichen Gesellschaft in Frage, aber auch ihre Gegner: Deren Haltung scheint ebenso wenig gerechtfertigt. Am Ende geht es schließlich nicht etwa um menschliche Schicksale und moralische Grundsätze  - sondern allein um den Eigennutz des Einzelnen. Ein Thriller, dessen Botschaft nachwirkt.

Die nächsten Vorstellungen finden am 26. und 28. März um jeweils 20.00 Uhr in den Kammerspielen im Schauspielhaus Frankfurt statt. Regie führte Anselm Weber. Die deutsche Erstaufführung fand im Dezember im Schauspielhaus Bochum statt.

jz

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Die unsichtbare Hand