Giacomo Bonaventura vom AC Milano

Hegdefonds übernimmt AC Mailand Paul Singer spielt jetzt auch Fußball

Stand: 11.07.2018, 15:32 Uhr

Ob er russischen Oligarchen oder arabischen Prinzen nacheifern will, oder auf ein gutes Geschäft lauert, bleibt abzuwarten. Die Investorenlegende ist jedenfalls in den Besitz des italienischen Fußball-Clubs AC Mailand gekommen.

Der Fall sieht nach Absicht aus: Paul Singers Hedgefonds Elliott greift dem chinesischen Investor Li Yonghong unter die Arme, der im vergangenen Jahr den finanziell angeschlagenen Club von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi kauft, 740 Millionen Euro schwer war der Deal damals.

Paul Singer

Paul Singer. | Bildquelle: World Economic Forum.swiss-image.ch/Photo Remy Steinegger

Dann wartet Elliott ab, bis Li Yonghong seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber dem Singer-Investmentvehikel nicht mehr erfüllen kann - und kommt damit in den vollständigen Besitz eines der schillerndsten Fußball-Clubs Europas. Der AC Mailand, einst Champions League-Sieger, hat allerdings seit 2011 keinen Titel mehr gewonnen. Der europäische Fußball-Verband UEFA hatte den Club wegen Verstoßes gegen das "financial fairplay" sogar vom Europapokal ausgeschlossen.

"Nachhaltiges Betriebsmodell betreiben"

Auf diese Spielregeln der UEFA berief sich Elliott in einer ersten Stellungnahme zur Übernahme ausdrücklich. Man wolle ein "nachhaltiges Betriebsmodell betreiben, das die Vorschriften der UEFA respektiert". Konkret will man zunächst eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro in den Verein stecken, um die finanzielle Lage zu stabilisieren, danach sollen weitere Millionen folgen.

Laut Informationen des "Spiegel" will der Hedgefonds aber auch in die Führungsebene des Clubs eingreifen. Danach könnte man die Vereinsikone Paolo Maldini zum neuen Sportdirektor ernennen. Manager Umberto Gandini soll danach zum Geschäftsführer aufrücken. Am Donnerstag tagt der Milan-Aufsichtsrat. Dann dürfte Elliott die chinesischen Aufsichtsratsmitglieder durch eigene Vertreter ersetzen.

Börsengang als Ausstiegs-Szenario?

Ob Paul Singer bewusst auf eine Übernahme des Clubs hingesteuert hat, und welche Absichten er mit seinem Investment verfolgt, bleibt noch abzuwarten. Der "aktivistische" Investor ist eigentlich darauf spezialisiert, bei Unternehmen einzusteigen und danach deren Aufspaltung oder Neuausrichtung nebst stattlicher Ausschüttungen zu betreiben. In Deutschland sorgte Singer zuletzt bei Stada, Uniper und jüngst auch beim Stahlkonzern ThyssenKrupp für Wirbel. Womöglich ist ja ein "Exit" über einen Börsengang für den Investor vorstellbar. Mit Lazio Rom, AS Rom und Juventus Turin gibt es bereits drei Vorbilder in Italien, und die italienische Leitbörse in Mailand ist auch nicht weit vom Stadion des AC Milan entfernt.

AB