Porträt

Mark Mobius

Einer der Großen der Branche Mark Mobius, der König der Schwellenländer

von Robert Minde

Stand: 09.06.2015, 14:50 Uhr

Mark Mobius steht in einer Reihe mit Investorenlegenden wie Peter Lynch oder Bill Gross. Wie die anderen auch, hat er sein ganz besonderes Steckenpferd. Es sind die Schwellenländer, in denen er sich "wie zu Hause" fühlt.

Denn der am 17. August 1936 geborene Amerikaner lotet trotz seines Alters immer noch die Grenzen der Vielfliegerprogramme jeder Fluggesellschaft aus. Der schon seit 1987 für den Vermögensverwalter Franklin Templeton tätige Fondsmanager ist etwa an 250 Tagen im Jahr auf Reisen und hat rund 30 Millionen Flugkilometer auf dem Buckel. Dies, obwohl ihm bei Templeton rund 100 Analysten und Portfoliomanager in 17 Büros der Gesellschaft unterstehen.

Kein Wunder also, dass der im US-Bundesstaat New York geborene Sohn eines Deutschen und einer Puerto-Ricanerin sich selbst gerne als "Vollzeitnomaden" bezeichnet. Mobius studierte in New York und in Japan und hält einen Doktortitel in Ökonomie und politischen Wissenschaften.

Besser vor Ort?

Was steckt hinter dieser Reisewut? "Ich schaue mir lieber selbst an, was in einem Unternehmen oder einem Land vor sich geht. Meine persönliche Theorie ist, dass Länder, die einem die Einreise leicht machen, in der Regel auch ausländischen Investitionen freundlich gegenüber stehen", gibt Mobius einen Einblick in seine Anlagephilosophie.

Geht es also um Länder wie Brasilien, Indien, Russland, China oder andere aufstrebende Schwellenländer (englisch "Emerging Markets" genannt) - Mobius gilt als profunder Kenner.

Kapital vervielfacht

Der telegene Manager wird nicht müde, für Engagements in den Schwellenländern zu werben. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert geht das nun schon so. Und das mit Erfolg - wer Mobius vor 28 Jahren 100.000 Dollar anvertraute, kann sich heute über rund 3,3 Millionen freuen.

Bill Gross

Anleihen-Legende Bill Gross.

Aber Mobius heile Welt hat zuletzt Risse bekommen, ähnlich wie die des Anleihen-Guru Bill Gross, der jüngst mit viel Getöse den zur Allianz gehörenden Fondsmanager Pimco verlassen hat. Der Glanz einstiger Tage ist bei beiden zuletzt deutlich verblasst.

Mittelabflüsse und schlechte Wertentwicklung

Denn der Erfolg von Vermögensverwaltern, vor allem wenn sie einen bestimmten Kultstatus erreicht haben, wird stets genau beäugt. Zwar haben alle Manager von Schwellenländer-Fonds zuletzt einen harten Stand gehabt, Mobius ist aber nun einmal ein besonderer Vertreter seiner Zunft.

Konkret bleibt Mobius' Top-Fonds, der 11,4 Milliarden Dollar-schwere Franklin Templeton Asian Growth Fund A (WKN 785343) hinter der Benchmark, dem MSCI Asia AC (ex-Japan)-Index zurück. Elf der 13 größten Fonds, die Mobius managt, erleiden derzeit das gleiche Schicksal, wie die Agentur "Bloomberg" berichtet. Der Fonds weist in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr eine Wertentwicklung von 4,3 Prozent auf - und hinkt damit 44 von 46 vergleichbaren Fonds hinterher.

"Unglücklicherweise ist der Track-Record unter dem Durchschnitt", zitiert Bloomberg einen Chefanalysten von S&P IQ. "Die Investoren sind frustriert". Dieser Frust spiegelt sich auch im gesunkenen Volumen der von Mobius verwalteten Gelder wider. Diese sind vom Höhepunkt 2011 im Jahr 2011 auf 26 Milliarden Dollar gesunken. Insgesamt verwaltet Templeton rund 40 Milliarden Dollar im Bereich Emerging Markets. 2012 waren es noch 45 Milliarden.

Chartvergleich zwischen Templeton Asia Growth USD und dem MSCI Asia ex Japan, Juni 2014 bis Juni 2015

Templeton Asia Growth USD versus MSCI Asia ex Japan.

Mobius verteidigt seine Strategie gegenüber dem "Manager Magazin" mit dem Argument, er sei ein langfristiger Investor, bei dem es auch Durststrecken geben könne. "Wir gehen in die Märkte, wenn andere fliehen", so der Manager. Auf lange Sicht werde dies den Investoren zugute kommen.

Schwellenländer-Aktien bleiben interessant

Notenbanken EZB Bank of Japan Fed Federal Reserve Bank . | Quelle: picture-alliance/dpa, Montage: boerse.ARD.de

Aktuell stehen die Märkte nach Mobius' Einschätzung unter den zwei Einflussbereichen "Zentralbanken" und "Ölpreise".

Während die unterschiedliche Geldpolitik der Notenbanken für mehr Volatilität sorge, wirke sich der Fall der Ölpreise für die meisten Schwellenländer eher positiv aus - außer natürlich für die Ölexporteure. Der niedrige Preis für das schwarze Gold sorge vor allem dafür, dass Reformbestrebungen in diesen Ländern angespornt würden, etwa durch den Wegfall von staatlichen Zuschüssen.

Zuversichtlich ist Mobius besonders für die asiatischen Märkte. Der politische Kurs auf dem Kontinent sei für das Wirtschaftswachstum ausgesprochen zuträglich und die Rolle der asiatischen Märkte in der Weltwirtschaft sei in den letzten Jahren signifikant gewachsen.

Zwei Erdölpumpen in der Dämmerung

Ölpumpen. | Bildquelle: colourbox.de

Für besonders wichtig hält Mobius auch die derzeitigen Anstrengungen der zehn Asean-Staaten, eine neue Wirtschaftsgemeinschaft ACE auf den Weg zu bringen. Für die Weltwirtschaft habe die Bedeutung Asiens in den letzten Jahren stetig zugenommen, ein Trend der von Dauer sein dürfte, so der Altmeister.

In Lateinamerika bietet die derzeit schwierige Lage in Brasilien den Nährboden für eine Erholung. "Die Schwellen- und Grenzmarktländer verfügen über einige der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt" kommentiert Mobius und hält Aktien der Schwellenländer sowohl auf KGV- als auch auf KBV-Basis für unterbewertet. Die hohen Volatilitäten ermöglichen es, gute Qualitäten zu günstigen Preisen einzukaufen, schlussfolgert Mobius. Es ist also auch weiterhin damit zu rechnen, dass der "König der Emerging Markets" viel in der Welt herumkommen wird.

1/6

Das Portfolio des Mark Mobius Von Thailand bis Hong Kong

Templeton Asian Growth A  Acc USD: Kursverlauf am Börsenplatz Tradegate für den Zeitraum 1 Jahr

Templeton Asian Growth A Acc USD