Porträt

Larry Robbins bei einer Investorenkonferenz am Rednerpult

Der "heißeste Hedgefonds-Manager" der USA Larry Robbins und der Mut zu den besten Spielern

von Lothar Gries

Stand: 03.11.2014, 16:50 Uhr

Hierzulande als Heuschrecken gescholten, gehören viele Hedgefonds-Manager dennoch zu den erfolgreichsten Anlegern der Welt. Einer von ihnen ist der erst 45-jährige Larry Robbins. Er gehört inzwischen zu den 400 reichsten US-Amerikanern.

Von den Schwergewichten Warren Buffett oder George Soros, deren Vermögen auf mehr als 20 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist Larry Robbins noch ein gutes Stück entfernt. Doch er holt auf und schafft es inzwischen auf eine Milliarde Dollar.

Robbins ist Gründer, Portfoliomanager und Chef des von ihm 2001 gegründeten Hedgefonds Glenview Capital Management. Der ist inzwischen 9,2 Milliarden Dollar schwer. Dabei setzt der 1969 in Arlington Heights in Illinois geborene Robbins vor allem auf Aktien. Dabei stehen Werte aus der Gesundheitsbranche, allen voran Krankenhausbetreiber, ganz oben auf seiner Liste. Aber auch der Technologiekonzern Apple oder der Kabelanbieter Comcast gehören oder gehörten zu seinen Investments.

Sagenhafte Wertsteigerung

Im vergangenen Jahr schaffte es Robbins, den Wert seines 1,8 Milliarden Dollar schweren Glenview Capital Opportunity Funds um sagenhafte 84,2 Prozent zu steigern. Glaubt man dem "Bloomberg Magazine", gelang es keinem anderen der Hedgefonds mit mehr als einer Milliarde Dollar Anlagevolumen, einen höheren Ertrag zu erwirtschaften.

Screenshot der Homepage von Tenet Health

Tenet Health. | Bildquelle: Unternehmen

Larry Robbins wettete auf den Anstieg von US-Aktien. Tatsächlich legte allein der Dow-Jones-Index im vergangenen Jahr 26,5 Prozent zu, soviel nie seit 1995. Und der Hedgefonds-Manager glaubt, dass die Party noch nicht vorüber ist, sich die Börse auch in diesem und im nächsten Jahr nach oben bewegen wird.

Aktien sind die besten Spieler

Dass andere Manager sich derzeit eher Sorgen machen und auf die Risiken verweisen, die von den geopolitischen Spannungen in der Ukraine und im Mittleren Osten sowie von der absehbaren Zinswende in den USA ausgehen, lässt Robbins nicht gelten. "Das derzeitige Umfeld bietet viele Möglichkeiten und hohe Erträge“, sagte er jüngst in einem Bloomberg-Interview.

Im gegenwärtigen Umfeld nicht auf Aktien zu setzen sei ja so, als ob der Trainer eines Fußballclubs bewusst darauf verzichtet, seine besten Spieler einzusetzen, sie auf der Reservebank sitzen lässt - und natürlich prompt verliert. Der Mut, weiter in Aktien zu investieren, hat sich für Glenview auch im laufenden Jahr ausgezahlt.

Der Erfolg geht weiter

Laut Berechnungen von Forbes hat Robbins in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit seinem Flaggschiff-Fonds eine Performance von 9,6 Prozent erzielt, mehr als der Standard & Poor's 500 Index und mehr als die meisten seiner Hedgefonds-Kollegen. Dabei hat sich der eher selten in der Öffentlichkeit auftretende Hedgefonds-Manager vor allem mit Aktien von Krankenhausbetreibern eingedeckt. Aber auch bei den hierzulande umstrittenen Saatguthersteller Monsanto hat er sein Engagement auf jetzt 4,97 Millionen Aktien ausgebaut.

Diese Branche hatte Robbins bereits im Jahr 2012 entdeckt, nachdem die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama durch das Oberste Gericht der USA bestätigt worden war. Die Gesundheitsreform bedeutet laut Robbins, dass es bald mehr versicherte Menschen in den USA geben wird, die Kliniken aufsuchen werden - und anders als bei den Nicht-Versicherten können die Krankenhäuser Geld mit ihnen verdienen. Zudem sei die Geburtenrate in den USA seit 2010 wieder gestiegen und die Erholung der Konjunktur mache sich in der gesamten Gesundheitsbranche bemerkbar.

Zeitweise stieg der Anteil der Klinik-Aktien am Gesamtportfolio von Glenview, das auch den weniger fokussierten Fonds Glenview Capital umfasst, auf ein Drittel. Einer seiner größten Investments ist Tenet Healthcare. Das Unternehmen betreibt medizinische Einrichtungen in 14 amerikanischen Bundesstaaten. Die Aktie hat sich seit ihrer Erstnotiz vor zwei Jahren verdreifacht. Als Glücksgriff erwies sich auch das Engagement bei dem Krankenhausbetreiber HCA Holdings: Die Aktie ist allein in diesem Jahr um fast 60 Prozent gestiegen.

Kurzer Weg vom Genie zum Trottel

Zu den Erfolgen von Robbins gehört auch sein Faible für Technologieaktien. Von seiner Beteiligung bei Apple von 1,35 Prozent hat sich der Investor allerdings zu Jahresbeginn getrennt. Dazu ist er mit 2,2 Millionen Aktien bei dem Netzbetreiber Comcast eingestiegen. Zudem wettet Robbins auf die Renaissance der US-Baubranche, allen voran den Bau von Wohnhäusern.

Trotz seiner derzeitigen Erfolgsserie hat Robbins nicht vergessen, auf welch schmalem Grat er wandert. So verlor er in der Finanzkrise 2008 auf einen Schlag gut die Hälfte seines Portfolios, schnitt noch schlechter ab als der Gesamtmarkt und musste einen Großteil seiner Angestellten entlassen. "Der Weg vom Genie zum Trottel ist in meiner Branche äußerst kurz“, gibt Robbins zu.

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