20 Jahre nach seinem Tod Können wir von André Kostolany noch was lernen?

Stand: 15.09.2019, 12:33 Uhr

Vor 20 Jahren starb André Kostolany im Alter von 93 Jahren in Paris. Er war so etwas wie der erste Börsenguru. Was können wir heute noch von ihm lernen? Und was hat es eigentlich mit dem "Ei des Kostolany“ auf sich?

Börsen- und Finanzexperte, Spekulant, Journalist, Autor und Entertainer - der gebürtige Ungar und spätere US-Bürger André Kostolany war all dies und noch viel mehr. Schon zu Lebzeiten galt der Mann als Legende, eine Vaterfigur für viele Anleger. Deshalb ist er auch 20 Jahre nach seinem Tod unvergessen.

Vor allem seine prägnanten Sprüche und allgemeingültigen Ratschläge werden nach wie vor gern zitiert, etwa dieser: "Einer Straßenbahn und einer Aktie darf man nie nachlaufen. Nur Geduld: Die nächste kommt mit Sicherheit."

Irrationales Treiben

1906 als Sohn eines wohlhabenden Industriellen in Budapest geboren, war Kostolany zuallererst den schönen Künsten zugetan, wollte Musik studieren, später Philosophie und Kunstgeschichte. Kostolanys Vater allerdings schwebte etwas Bodenständigeres vor: Er schickte seinen Sohn in den zwanziger Jahren zu einem Börsenmakler nach Paris.

Dort fing Kostolany rasch Feuer für das irrationale Treiben auf dem Parkett, und sein Lehrmeister hatte ihm bald die theoretischen Grundlagen der Preisbildung vermittelt: "Die Kursentwicklung hängt allein davon ab, ob mehr Dummköpfe als Papiere da sind oder mehr Papiere als Dummköpfe!"

In die Pleite gerutscht

Wegen seiner jüdischen Herkunft musste Kostolany im Zweiten Weltkrieg in die USA fliehen, wo er die amerikanische Staatsbürgerschaft erwarb und weiter im Börsengeschäft tätig war. Einige Jahre nach dem Krieg kehrte er nach Paris zurück, lebte aber auch in München und an der Côte d'Azur.

In dieser Zeit bis zum Lebensende wirkte er vor allem als Gastredner, Buchautor und Kolumnist bei dem deutschen Magazin Capital. Das machte ihn in weiten Kreisen bekannt und ist wohl der Grund dafür, warum seine Börsenweisheiten auch heute noch viel Beachtung finden. Dabei war Kostolany als Börsenakteur selbst eher mittelmäßig erfolgreich. Er lebte zwar das Leben eines Millionärs, rutschte jedoch auch zweimal in die Pleite - getreu seinem Motto: "Ein Börsenspekulant, der in seinem Leben nicht mindestens zweimal pleite war, ist dieser Bezeichnung nicht würdig."

Kein Vergleich mit Warren Buffett

Tatsächlich sah sich Kostolany als Spekulant und bezeichnete den Beruf des Spekulanten als den schönsten Beruf der Welt. Mit Value-Anlegern vom Schlage eines Warren Buffett, der Aktien eines Unternehmens jahrzehntelang hält, weil er von ihrem Potenzial überzeugt ist, kann Kostolany also nicht verglichen werden. Auch von Charttechnik und anderen Finanztheorien, die versuchen mit Hilfe des Blicks in die Vergangenheit den zukünftigen Kurs vorherzusagen, hielt Kostolany gar nichts.

Er glaubte vielmehr an die Rolle der Psychologie. Sie könne im Börsengeschehen gar nicht überschätzt werden. Kurz- und mittelfristig mache sie 90 Prozent aus. Und von noch etwas war Kostolany überzeugt: Wer an der Börse gewinnen will, muss immer das Gegenteil von dem tun, was alle machen.

Das Ei des Kostolany

Diese Strategie hat er auch in seinem Buch "Die Kunst über Geld nachzudenken" beschrieben. Darin findet sich auch das Bild vom Ei des Kostolany, das sein Anlageverhalten auf den Punkt bringt.

Anhand eines Eis beschreibt Kostolany die zyklischen Bewegungen der Märkte. Dabei geht er davon aus, dass sich über die Zeit verschiedene Phasen immer wiederholen. Wenn man weiß, in welcher Phase sich der Markt (das Ei) befindet, kann der kluge Anleger daraus ableiten, ob er investiert, abwartet oder seine Positionen verkauft. Kostolanys Empfehlung lautete daher: Kaufe, wenn die Kurse niedrig sind, bevor ein Aufwärtstrend beginnt und verkaufe, wenn sie hoch stehen.

Ein äußerst schwieriges Unterfangen, erst recht für Privatanleger, die nicht über die Research- und Analysekapazitäten der Profis verfügen.

Sprüche für alle Fälle

Den Anlegern empfahl er daher in seinem wohl bekanntesten Spruch: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich."

Na ja, für Anleger am Neuen Markt hat sich dieser Ratschlag als Wertvernichtung erwiesen. Aber auch für solche Fälle hatte der Altmeister eine Weisheit parat: "Wenn alle Spieler auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief."

lg