John Bogle

Erfinder des Indexfonds gestorben John Bogle, der "Fonds-Revolutionär"

Stand: 17.01.2019, 11:36 Uhr

Erst wurde er belächelt, inzwischen wird er als Investment-Held verehrt. Mit seinen Indexfonds (ETFs) revolutionierte er die Geldanlage. Nun ist John, genannt "Jack" Bogle mit 89 Jahren gestorben.

Dass Anleger zunehmend in Indexfonds investieren, statt ihr Geld einem aktiven Fondsmanager anzuvertrauen, haben sie ihm zu verdanken: Jack Bogle. Der Amerikaner ist der Urvater des ETF-Booms.

Bogle hatte schon früh erkannt, dass die Kosten aktiv geführter Investmentfonds für viele Privatanleger zu hoch sind und diese deshalb davor zurückschreckten. Er begann deshalb bei seiner 1974 gegründeten Fondsgesellschaft Vanguard die Vertriebsgebühren abzuschaffen und entwickelte 1975 den ersten Indexfonds für Privatanleger - Grundlage für die Exchange Traded Funds (ETFs), die bestimmte Aktien- und Anleiheindizes abbilden. Auf eine Genehmigung dieses neuen Angebots musste er Monate warten - und wurde zunächst verspottet.

Es sei "unamerikanisch", nur das Mittelmaß anzustreben, das gehöre sich nicht. Manche forderten sogar, die Idee auszumerzen. Tatsächlich brauchte es eine Weile, bis sich die Idee durchsetzte. Mit seinem ersten Indexfonds, den Bogle auf den Namen Vanguard 500 taufte, hatte er Investorengelder in Höhe von 150 Millionen Dollar anlocken wollen. Am Ende wurden es gerade einmal 11,3 Millionen.

"Du bekommst, was du nicht bezahlst"

Doch Bogle ließ sich nicht beirren. "Normalerweise sagt man: Du bekommst, was du zahlst. Bei Anlagen in Indexfonds ist es genau umgekehrt: Hier bekommst du etwas, für das du nicht bezahlen musst", erklärte er die Vorzüge seines Angebots. Tatsächlich sind es die geringen Gebühren, die den passiven Fonds den Erfolg gebracht haben. Ein aktiv verwalteter Fonds verrechnet im Schnitt jährliche Kosten von 1,6 Prozent, gegenüber rund 0,4 Prozent bei einem Indexfonds. Hinzu kommen die Transaktionskosten: Im Schnitt behält ein Fondsmanager jede Aktie zwölf Monate im Depot. Die Gebühren für das Kaufen und Verkaufen der Titel schmälern die Rendite zusätzlich, um durchschnittlich 0,8 Prozent jedes Jahr.

Nach früheren Berechnungen von John Bogle fließen allein in den USA jedes Jahr 400 Milliarden Dollar an Gebühren und Provisionen in die Taschen der Finanzindustrie. "Da wird schnell klar, warum die Kunden des Börsencasinos so wenige Yachten besitzen", kommentierte Bogle sarkastisch, "die schönsten Schiffe im Hafen gehören denjenigen, die das Casino betreiben".

"Hasse es, Geld auszugeben!"

Wer solche Aussagen macht, besitzt selbst keine Yacht und pflegt auch sonst das Image eines bescheidenen Durchschnittsamerikaners. "Ich hasse es, Geld auszugeben", behauptete Bogle, dessen Vanguard Fonds inzwischen die unfassbare Summe von drei Billionen Dollar verwalten. Mittags esse er Brot mit Erdnussbutter und Marmelade, bekannte er vor fünf Jahren. Auch reise er am liebsten mit dem Zug, Luxusgüter wie eine Yacht lehne er ab. Er könne nicht mal die dafür nötige Crew für einen Tag bezahlen, scherzte er. Und natürlich besaß Bogle auch keine Lounge in Vail, dem berühmten US-Skigebiet in den Rocky Mountains. "Ich bin eine ganz normale Person", sagte Bogle.

Top 10 Asset Manager 2017
Gesellschaft2017 Mrd. Dollar
1BlackRock5,315,409
2Vanguard Asset Management4,090,010
3State Street Global Advisors3,727,455
4Fidelity Investments2,003,270
5BNY Mellon Investment Management1,585,920
6Capital Group1,504,359
7JP Morgan Asset Management1,471,226
8Pimco1,462,446
9Amundi1,426,107
10Prudential Financial1,160,583

Quelle: Investment & Pensions Europe

Ob solche Aussagen der Wahrheit entsprechen oder ins Reich der Fantasie und des Marketing gehören, ist zwar nur schwer nachzuprüfen. Fakt ist aber, dass die von Bogle gegründete Vanguard Group heute einer der größten Vermögensverwalter der Welt ist. Die Gesellschaft verwaltet über fünf Billionen Dollar und gehört damit neben Blackrock zu den weltweit Größten auf ihrem Gebiet.

Durchbruch mit ein paar Jahren Verzögerung

Allerdings musste sich Bogle lange gedulden, bis sein erster Indexfonds den Durchbruch schaffte. Sieben Jahre dauerte es, bis die 100-Millionen-Marke durchbrochen wurde. Ein weiterer Meilenstein folgte dann 1993, als Bogle seinen Indexfonds erstmals an die Börse brachte. Heute verwaltet der Vanguard-Fonds rund 300 Milliarden Dollar. Mit einem Marktanteil von 20 Prozent ist Vanguard der zweitgrößte ETF-Anbieter weltweit hinter der Blackrock-Tochter iShares.

Insgesamt haben Anleger rund um den Globus gut 4,1 Billionen Dollar in ETFs angelegt. Das ist ein Anteil von über acht Prozent des globalen Fondsmarkts. Tendenz steigend. Für ETF-Erfinder Bogle war das eine späte Genugtuung. "Es ist alles wie ein Wunder.. und schön, dass das noch zu meinen Lebzeiten passiert", erklärte Bogle vor sechs Jahren.

Hilfe von Buffett

Der Erfolg der Vanguard Indexfonds ist eng verbunden mit einem Namen, der Börsenkennern nur allzu bekannt sein dürfte: Warren Buffett. Allein 2016 bescherte das "Orakel von Omaha" Vanguard innerhalb von nur fünf Monaten einen Zuwachs von ungefähr 5,5 Milliarden Dollar, nachdem Buffett zuvor in einem Brief an seine Aktionäre Vanguard ausdrücklich empfohlen hatte.

Nach seinem Tod wünscht sich Buffett, dass 90 Prozent des Vermögens seiner Firma Berkshire Hathaway im Vanguard's Fonds US 500 anlegt, der den S&P 500-Index abbildet. Warum? Weil die Verwaltungsgebühren dieses Fonds ausgesprochen niedrig seien - und er damit langfristig eine höhere Renditen abwerfe als Investmentprodukte, die aktiv von teuren Fondsmanagern gelenkt würden.

Lob auf das Mittelmaß

Bogle, der 20 Jahre vor seinem Tod sage und schreibe sechs Herzinfarkte überlebte, schätzte das Mittelmaß. "Wir alle denken, wir wären die besseren Autofahrer, die besseren Liebhaber oder die besseren Investoren. Etwas anderes zu hören, verletzt unser Ego." Doch letztlich sei es besser, sich am Durchschnitt zu orientieren. "Firmen kommen und gehen", sagte der Fondsmanager. "Man kann drei oder vier herauspicken, doch es stelle sich die Frage, ob diese in Jahrzehnten noch hier sind, wenn man in Rente geht." Da sei es doch lukrativer, alle großartigen und nicht so großartigen Unternehmen zusammenzukaufen. Damit wette man auf das Unternehmertum insgesamt - und reduziere das Risiko erheblich.

Und noch einen Rat hatte Bogle für die Anleger parat: Sie sollten am besten regelmäßig investieren, die Börse aber nicht täglich beobachten. Denn sollten die Kurse fallen, investierten Anleger in der Regel nichts. Dabei sei das genau der richtige Zeitpunkt zum Zukaufen. Zudem sollte zu einem Aktienindexfonds noch ein Anleiheindexfonds dazukommen, um die Rendite zu stabilisieren.

Das größte Lob für den nun mit 89 Jahren verstorbenen Bogle kommt vom früheren Notenbank-Präsidenten Paul Volcker. Die Finanzindustrie habe in den vergangenen Jahrzehnten außer der Erfindung des Geldautomaten nichts Sinnvolles zustande gebracht, sagte dieser einst. Später korrigierte er sich. Die zweite wichtige Erfindung habe John Bogle auf den Weg gebracht, meinte Volcker.

nb/ lg