John C. Bogle

Erfinder des Indexfonds John Bogle: Mit Erdnussbutter und Marmelade

von von Lothar Gries

Stand: 23.01.2017, 15:55 Uhr

John wer? Der inzwischen 87-jährige Amerikaner John Bogle ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Dabei hat er bereits vor Jahrzehnten einen neuen Trend entdeckt, der weltweit immer mehr Anleger begeistert.

Dass Anleger zunehmend in Indexfonds investieren, statt ihr Geld einem aktiven Fondsmanager anzuvertrauen, haben sie ursprünglich einem Mann zu verdanken, der inzwischen 87 Jahre alt ist: dem US-Amerikaner John Bogle. Er wirkt zwar ein wenig gebrechlich, ist aber geistig hellwach.

Bogle hatte schon früh erkannt, dass die Kosten aktiv geführter Investmentfonds für viele Privatanleger zu hoch sind und diese deshalb davor zurückschreckten. Er begann deshalb bei seiner 1974 gegründeten Fondsgesellschaft Vanguard die Vertriebsgebühren abzuschaffen und entwickelte anschließend den ersten Indexfonds für Privatanleger, Grundlage für die Exchange Traded Funds (ETFs), die bestimmte Aktien- und Anleiheindizes abbilden. Auf eine Genehmigung dieses neuen Angebots musste er zwar Monate warten. Auch wurde er von den Konkurrenten für seine Idee zunächst verspottet.

Es sei "unamerikanisch" nur das Mittelmaß anzustreben, das gehöre sich nicht. Manche forderten sogar, die Idee auszumerzen. Tatsächlich brauchte es eine Weile bis sich die Idee durchsetzte. Mit seinem ersten Indexfonds, den Bogle auf den Namen Vanguard 500 taufte, hatte er Investorengelder in Höhe von 150 Millionen Dollar anlocken wollen. Am Ende wurden es gerade einmal 11,3 Millionen.

"Du bekommst, was du nicht bezahlst"

Doch Bogle ließ sich nicht beirren. "Normalerweise sagt man: Du bekommst, was du zahlst. Bei Anlagen in Indexfonds ist es genau umgekehrt: Hier bekommst du etwas, für das du nicht bezahlen musst", erklärt er die Vorzüge seines Angebots. Tatsächlich sind es die geringen Gebühren, die den passiven Fonds den Erfolg gebracht haben. Ein aktiv verwalteter Fonds verrechnet im Schnitt jährliche Kosten von 1,6 Prozent, gegenüber rund 0,4 Prozent bei einem Indexfonds. Hinzu kommen die Transaktionskosten: Im Schnitt behält ein Fondsmanager jede Aktie zwölf Monate im Depot. Die Gebühren für das Kaufen und Verkaufen der Titel schmälern die Rendite zusätzlich, um durchschnittlich 0,8 Prozent jedes Jahr.

Nach Berechnungen von John Bogle fließen allein in den USA jedes Jahr 400 Milliarden Dollar an Gebühren und Provisionen in die Taschen der Finanzindustrie. "Da wird schnell klar, warum die Kunden des Börsencasinos so wenige Yachten besitzen", kommentierte Bogle jüngst sarkastisch, "die schönsten Schiffe im Hafen gehören denjenigen, die das Casino betreiben".

Erdnussbutter und Marmelade

Wer solche Aussagen macht, besitzt selbst keine Yacht und pflegt auch sonst das Image eines bescheidenen Durchschnittsamerikaners. "Ich hasse es, Geld auszugeben", behauptet Bogle, dessen Vanguard Fonds inzwischen die unfassbare Summe von drei Billionen Dollar verwalten. Mittags esse er Brot mit Erdnussbutter und Marmelade, bekannte er zu seinem 84. Geburtstag. Auch reise er am liebsten mit dem Zug, Luxusgüter wie eine Yacht lehne er ab. Er könne nicht mal die dafür nötige Crew für einen Tag bezahlen, scherzt er. Und natürlich besitzt Bogle auch keine Lounge in Vail, dem berühmten US-Skigebiet in den Rocky Mountains. "Ich bin eine ganz normale Person", so Bogle weiter.

Top 10 Asset Manager 2014
Gesellschaft2014 Mrd. Dollar
1BlackRock3,140,715
2Vanguard Asset Management1,997,915
3State Street Global Advisors1,701,651
4Fidelity Investments1,411,250
5BNY Mellon Investment Management1,149,878
6J.P. Morgan Asset Management1,129,854
7PIMCO1,116,984
8Deutsche Asset & Wealth Management931,000
9Capital Group907,909
10Pramerica Investment Management804,608

Quelle: Investment & Pensions Europe

Ob solche Aussagen der Wahrheit entsprechen oder ins Reich der Fantasie und des Marketing gehören, ist zwar nur schwer nachzuprüfen. Fakt ist aber, dass die von Bogle gegründete Vanguard Group heute eine der größten Vermögensverwalter der Welt ist. Die Gesellschaft verwaltet je nach Quelle zwischen zwei und drei Billionen Dollar und gehört damit neben Blackrock zu den weltweit Größten auf ihrem Gebiet.

Mit Hilfe von Warren Buffett

Allerdings musste sich Bogle lange gedulden, bis sein erster Indexfonds den Durchbruch schaffte. Statt der geplanten 150 Millionen Dollar flossen im ersten Jahr gerade einmal elf Millionen Dollar zu. Sieben Jahre dauerte es, bis die 100-Millionen-Marke durchbrochen wurde. Ein weiterer Meilenstein folgte dann 1993, als Bogle seinen Indexfonds erstmals an die Börse brachte.

Auch ist der Erfolg der Vanguard Indexfonds eng verbunden mit einem Namen, der Börsenkennern nur allzu bekannt sein dürfte: Warren Buffett. Allein im vergangenen Jahr bescherte das "Orakel von Omaha“ Vanguard innerhalb von nur fünf Monaten einen Zuwachs von ungefähr 5,5 Milliarden Dollar, nachdem Buffett zuvor in einem Brief an seine Aktionäre Vanguard ausdrücklich empfohlen hatte.

Triumph der geringen Kosten

Nach seinem Tod wünscht sich Buffett, dass 90 Prozent des Vermögens seiner Firma Berkshire Hathaway im Vanguard's Fonds US 500 anlegt, der den S&P 500-Index abbildet. Warum? Weil die Verwaltungsgebühren dieses Fonds ausgesprochen niedrig seien - und er damit langfristig eine höhere Renditen abwerfe als Investmentprodukte, die aktiv von teuren Fondsmanagern gelenkt würden.

Wegen der günstigen Kosten im Vergleich zu den traditionellen Investmentfonds wertet F. William McNabb III, Chairman und CEO von Vanguard, das jüngste Wachstum der Gesellschaft denn auch als "allgemeinen Triumph von Investments mit geringen Kosten“.

Kultur wichtiger als Strategie

Zu den Besonderheiten von Vanguard gehört auch, dass die Firma noch nie ein anderes Unternehmen übernommen hat - und zwar aus Prinzip. "Eine Akquisition könnte unsere Unternehmenskultur gefährden", so die Erklärung von John Bogle. "Wir glauben, dass der Management-Professor Peter Drucker recht damit hatte, dass die Kultur in einem Unternehmen wichtiger ist als dessen Strategie. Uns geht es darum, in der Vermögensverwaltung eine Kultur niedriger Kosten zu etablieren und die richtigen Leute einzusetzen."

Und noch einen Rat hat Bogle für die Anleger parat: Sie sollten am besten regelmäßig investieren, die Börse aber nicht täglich beobachten. Denn sollten die Kurse fallen, investierten Anleger in der Regel nichts. Dabei sei das genau der richtige Zeitpunkt zum Zukaufen. Zudem sollte zu einem Aktienindexfonds noch ein Anleiheindexfonds dazukommen, um die Rendite zu stabilisieren.