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Logo und Schriftzug der Janus Capital Group

Bill Gross in der Rolle der Kassandra "Finanzsystem nähert sich dem Zusammenbruch"

von Lothar Gries

Stand: 27.05.2015, 16:46 Uhr

Melancholisch, nostalgisch, depressiv: Der langjährige "Bondkönig" der Wall Street zeichnet in seinem neuesten Anlagebrief ein düsteres Bild von der Zukunft der Finanzmärkte. Auch sein neuer Fonds ist alles andere als ein Renner.

Seine neue Heimat Janus Capital Group, benannt nach dem römischen Gott des Anfangs und des Endes, hat Bill Gross bisher kein Glück gebracht. Zwar ist der von ihm gemanagte Fonds, Janus Global Unconstrained Bond, inzwischen auf ein verwaltetes Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar gewachsen, doch offenbar kommt ein Großteil der Gelder von Gross selbst.

Aus der Morgan Stanley-Filiale in der kalifornischen Küstengemeinde La Jolla sollen 700 Millionen Dollar in den Janus-Fonds geflossen sein, berichtete das "Wall Street Journal". Auch George Soros, ebenfalls eine Investorenlegende der Wall Street, soll dem neuen Fonds von Gross mehrere Hundert Millionen Dollar anvertraut haben.

Strahlkraft ist ausgeblieben

Die von Janus erwartete Strahlkraft des einstigen Bondkönigs ist trotzdem ausgeblieben. Im ersten Quartal habe der Janus Global Unconstrained gerade einmal 100 Millionen Dollar eingesammelt, musste Janus-Chef Dick Weill jüngst eingestehen. Das sei "nicht genug, um irgend jemanden zu begeistern", gestand er in einem Fernseh-Interview. Allerdings sei es noch zu früh, den von Gross geführten Fonds bereits sechs Monate nach seiner Entstehung zu beurteilen. Dazu müsste noch viel mehr Zeit ins Land gehen, so Weill.

Ob der jüngste Aufruf von Gross, auf sinkende Kurse von Bundesanleihen zu wetten - er sprach vom "Short des Lebens" - bleibt abzuwarten. Denn seine Prognose galt dem Kurs von Bundesanleihen in den kommenden Jahren, wenn die Griechenland-Krise vorbei sei und die Eurozone wieder wachse.

Wetten gegen Bundesanleihen

Dass er damit bereits jetzt einen Stein ins Rollen bringen würde, war Gross offenbar nicht bewusst: Denn wie kürzlich bekannt wurde, hat Gross seine Prognose fallender Bundesanleihen nicht gehandelt. Er hat sogar noch Ende März Put-Optionen auf den Bund Future verkauft, war also von einem Kursverfall der zehnjährigen Anleihen bereits in diesem Frühjahr ganz und gar nicht überzeugt. Leider kommt es bei Prognosen aber immer auf das richtige Timing an...

Gemessen an seiner Performance ist der von Gross gemanagte Fonds bisher tatäschlich kein Erfolg. Seit seinem Bestehen notiert der Fonds etwa ein halbes Prozent im Minus - den Ausgabeaufschlag von 2,0 Prozent nicht mitgerechnet.

Dabei bietet der neue Fonds den Vorteil, wie ihm das "Unconstrained“ (übersetzt: unbeschränkt) im Namen erlaubt, auf der Suche nach Rendite fast jeden Weg zu gehen. Bisher begnügt sich Gross allerdings mit Bewährtem. Dazu gehören in erster Linie Staatsanleihen aus den USA (US-Treasury Bonds) sowie zahlreiche Anleihen großer US-Unternehmen, von Amazon bis General Motors. Zugleich hat sich Gross mit Credit Default Swaps (CDS) eingedeckt, eine Art Kreditversicherung, die vor dem Ausfall von Anleihen und Krediten schützen sollen.

Portfolio des Janus Global Unconstrained Bond per 31.3.2015
US-Treasury PT TYM5 1279,14%
CDS Brazil 20.3.20166,55%
Cash
CDS Mexiko 20.3.2016
CDS Euro-BTP
5,85%
4,54%
3,80%

Finanzsysteme nähern sich dem Zusammenbruch

Ohnehin ist Gross derzeit eher pessimistisch eingestellt. Dass die Anleger in Zukunft einen ähnlich steilen Anstieg der Finanzmärkte erleben werden wie in den vergangenen Jahren, glaubt Gross nicht. Vielmehr gehe die Hausse an den Märkten ihrem baldigen Ende entgegen, prognostiziert der inzwischen 71-Jährige in seinem jüngsten Anlagebrief.

Bill Gross

Bill Gross.

"Wann wird unser kreditfinanziertes Finanzsystem zusammenbrechen?", fragt er sich - und hat auch gleich eine Antwort parat: "Wenn die Risiken im Verhältnis zu den erwarteten Renditen als zu hoch erscheinen. Diesem Punkt nähern wir uns an", so Gross. Es werde jedoch keinen Crash wie beim Zusammenbruch der Investmentbank Lehman geben, sondern einen "Crush", also ein langsames, aber stetiges Abbröckeln.

Auch den Notenbanken werde es nicht gelingen, diesen Zusammenbruch des Systems zu verhindern. "Wenn Billionen von Dollar der amerikanischen und der japanischen Notenbanken es nicht geschafft haben, die Wirtschaft der USA und Japans wieder in Gang zu setzen und mehr als zwei Prozent Wachstum zu erzeugen, wird dies auch EZB-Chef Draghi allein nicht schultern können", so Gross.

Zu hohe Schulden

Die Welt sei einfach zu hoch verschuldet. Das Wachstum in den USA und anderswo sei vor allem auf Pump erzeugt worden. Das räche sich jetzt, sagte er dem "Wall Street Journal". Auch die Demografie trage zum schwächeren Wirtschaftswachstum bei.

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Technologie sei ein Segen, habe aber mehr Jobs vernichtet als geschaffen. "Apple ist ein wunderbares Unternehmen, aber es stellt nicht so viele Menschen ein wie die alte General Motors."

Mexiko ist ein sicheres Schwellenland

Die meisten Chancen sieht Gross derzeit außerhalb der USA - allen voran in Mexiko. Das Land habe nur die Hälfte der Schulden der USA und Zinsen im Bereich von sechs Prozent. "Mexiko ist, was die Geschäftsbedingungen angeht, an die USA angekoppelt und daher ein sehr sicheres Schwellenland", so Gross.

Auch Währungen betrachtet Gross als eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Der Euro und der Yen fallen – das eröffne die Chance, von der relativen Stärke des Dollar zu profitieren. Moderate Short-Positionen gegen den Euro oder den Yen könnten attraktiv sein.