Porträt

Günter Herz auf der Puma-Hauptversammlung 2011

Günter Herz wird 75 Einer der "befähigsten Jungs"

Stand: 22.07.2015, 08:18 Uhr

Er machte aus dem einstigen Mittelständler Tchibo einen Milliardenkonzern, beteiligte sich an zahlreichen Firmen wie Puma oder Beiersdorf und investierte Millionen in den Pferderennsport: Heute wird der legendäre Hamburger Unternehmer Günter Herz 75.

Dass die Medien in diesen Tagen ihre Scheinwerfer auf Günter Herz richten, dürfte dem Hamburger eher unangenehm sein, meidet der verschwiegene Milliardär doch stets die Öffentlichkeit. Die wenigen Fotos von ihm würde er am liebsten allesamt verbieten lassen. Herz lebt zwar in Hamburg und hat auch sein Büro im Herzen der Stadt, am gesellschaftlichen Leben der Hansemetropole nimmt er aber nicht teil, ist weder auf Partys oder Events, noch bei Festveranstaltungen oder im Theater zu sehen, hält keine Vorträge und macht auch nicht als Mäzen auf sich aufmerksam.

Auf eine Anregung seiner Mutter, doch mal etwas zu spenden, soll er erwidert haben: "So was machen wir nicht. Das bringt keinen Gewinn.“ Es wäre also nicht überraschend, wenn Günter Herz seinen 75. Geburtstag nur in einem verhältnismäßig bescheidenen Rahmen (Kategorie gut situierter Zahnarzt) feiert. Denn Feierlichkeiten kosten Geld, das die Geschenke der Gäste nicht unbedingt aufwiegen.

Milliardenschweres Vermögen

Dabei ist Günter Herz einer der reichsten Deutschen. Sein Privatvermögen wird vom "Forbes Magazine" auf 2,9 Milliarden Dollar geschätzt. Herz ist der älteste Sohn des 1965 verstorbenen Tchibo-Gründers Max Herz, eines jener legendären Unternehmer der Nachkriegszeit, die quasi aus dem Nichts millionenschwere Konzerne schmiedeten.

Max Herz hat Erfolg mit dem Handel von Kaffee. Mitte der 60er Jahre besitzt er bereits 400 Filialen in der gesamten Bundesrepublik und macht Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe. Seine fünf Kinder hält er an der kurzen Leine. Sie bekommen zwar Reitunterricht, aber wenig Taschengeld: "Ich will nicht, dass sie Playboys werden“, soll der Vater gesagt haben. Sich selbst lässt der Patriarch eine Villa an der Außenalster bauen und urlaubt an der Côte d'Azur. Lange kann er seinen Wohlstand allerdings nicht genießen: Max Herz stirbt im Alter von nur 59 Jahren nach einem Herzinfarkt - und hinterlässt ein kryptisches Testament: Zwei seiner "befähigsten Jungen“ sollen Tchibo übernehmen. Angesprochen fühlen sich die beiden ältesten Brüder Günter und Michael.

Von 50 Millionen auf vier Milliarden

Eine Tchibo-Mitarbeiterin füllt in einer Hamburger Filiale eine Kaffeetasse

Tchibo-Filiale in Hamburg. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Gemeinsam bauen sie das väterliche Erbe, den mittelständischen Kaffeeröster Tchibo, zu einem Milliardenkonzern aus. Dabei hat vor allem Günter das Sagen. Gut 35 Jahre lang steht er an der Spitze des Unternehmens. In dieser Zeit klettert der Tchibo-Umsatz von 50 Millionen Mark auf fast vier Milliarden Euro.

Als Erfolg erwies sich vor allem der Handel mit Textilien und Gebrauchsartikeln als zweitem Standbein von Tchibo. In dieser Zeit war Günter Herz auch verantwortlich für den Einstieg beim Nivea-Hersteller Beiersdorf und für die Übernahme des Zigarettenkonzerns Reemtsma - alles äußerst erfolgreiche Deals. 1997 übernahm Tchibo schließlich den Hauptkonkurrenten Eduscho und stieg damit zum Marktführer im Kaffeegeschäft in Deutschland auf.

Zoff unter Geschwistern

Doch über den angeblich zu hohen Kaufpreis gibt es Zoff unter den Geschwistern. Anfang 2001 drängen seine drei Brüder Günter Herz mit dem Segen von Mutter Ingeburg aus dem Unternehmen. Zusammen mit Schwester Daniela erhält er 4,1 Milliarden Euro Abfindung und gründet die Beteiligungsgesellschaft "Mayfair“, benannt nach einem von ihm gezüchteten Rennpferd. Daniela folgt dem Ältesten: "Wenn Günter nicht mein Bruder wäre, könnte ich ihn glatt heiraten.“ Der spricht mit seinem jüngeren Bruder Michael kein Wort mehr. Doch nach außen hält die Familie dicht. Wenn es darum geht, den Zwist vor der Öffentlichkeit zu verbergen, stehen die Herzens zusammen.

Eine Frau vor einer Eduscho-Filiale 1998 in Bremen

Eduscho-Filiale 1998 in Bremen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Trotz seines vorzeitigen Ausscheidens bei Tchibo kann Günter Herz eine starke Erfolgsbilanz vorlegen. Auch kann es nicht überraschen, dass er wieder ein Unternehmen leiten will. Geeignete Investitionsobjekte zu finden ist aber schwieriger als gedacht, so dass sich Herz lieber an unterbewerteten Firmen beteiligt.

500 Millionen Euro Gewinn mit Puma

Sein größter Erfolg ist der 2005 erfolgte Einstieg beim Sportartikelhersteller Puma, von dem Herz bis zu 27 Prozent der Anteile erwirbt, für geschätzte 850 Millionen Euro. Zwei Jahre später veräußert er seine Beteiligung an den französischen PPR-Konzern für 1,35 Milliarden Euro. Macht eine halbe Milliarde Euro Gewinn. Ein glänzendes Geschäft für die Mayfair-Holding.

Ende 2006 kauft Herz für 575 Millionen Euro den Germanischen Lloyd, einen maritim ausgerichteten Technik-Dienstleister und Prüfkonzern. Das trägt ihm in Hamburg viel Beifall ein, weil er damit einen feindlichen Übernahmeversuch des französischen Konkurrenten Bureau Veritas vereitelt.

Doch sechs Jahre später fusioniert er den Germanischen Lloyd mit Det Norske Veritas zum neuen Konzern DNV GL mit einem Jahresumsatz von 2,5 Milliarden Euro und 16.000 Beschäftigten. Daran ist Mayfair mit 36,5 Prozent beteiligt. Für Hamburg blieb der wichtige maritime Unternehmensbereich des norwegischen Konzerns.

Auch Vapiano gehört dazu

Über die Jahre wurde Herz mit zahlreichen möglichen Übernahmen und Unternehmenskäufen in Verbindung gebracht, allen voran dem Reisekonzern Tui und der Reederei Hapag Lloyd. Auch den Modeanbieter Escada und die Privatbank MM Warburg soll sich Herz angeschaut haben.

Tatsächlich beteiligt er sich 2011 mit 44 Prozent an der Restaurantkette Vapiano. Zu dieser Zeit ist Vapiano bereits in die Top Ten der umsatzstärksten Systemgastronomen aufgestiegen. In Deutschland rangiert das Restaurant gemessen am Umsatz hinter McDonald's und Burger King, aber vor Weltmarken wie Starbucks oder Pizza Hut.

Über Geld spricht man nicht

Zu den anderen Beteiligungen von Herz heißt es lediglich, dass sie im landwirtschaftlichen Bereich, in der Molekulardiagnostik und in der Herstellung von Baumaterialien angesiedelt seien. Den letzten bekannten Zahlen zufolge verdiente seine Holding Mayfair 2013 rund 370 Millionen Euro bei einem verwalteten Vermögen von mehr als zwei Milliarden Euro.

Günter Herz sagt dazu nichts. Über Geld spricht man nicht, so hat er es vom Vater gelernt. Man vermehrt es - und zwar möglichst schneller als die Brüder. In den vergangenen Jahren äußerte sich Herz nur einmal ausführlich in der Öffentlichkeit - zu Fragen des Trabrennsports.

Rückzug von der Trabrennbahn

Allerdings hat auch die Liebe zum Pferdesport ihre Grenzen. So hat sich die Herz-Familie Ende letzten Jahres vom Hippodrom am Hamburger Volkspark zurückgezogen. Der Pferdewetten-Anbieter Winrace, ebenfalls im Familienbesitz, hat Ende November letzten Jahres seinen Betrieb eingestellt.

Offiziell begründet wird die Entscheidung mit der "Untätigkeit der Behörden", Winrace vor illegalen Anbietern zu schützen. Tatsächlich versickert ein erheblicher Teil der Zockergelder bei Wettfirmen in der Grauzone zwischen Gibraltar, Österreich und Kroatien. Als Hauptgrund für den Rückzug gelten jedoch die dramatischen Umsatzeinbrüche auf der Hamburger Trabrennbahn um 90 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre.

Das hindert Günter Herz nicht daran, den Großteil seiner freien Zeit auf seinem 300 Hektar großen Gestüt Lasbek bei Hamburg zu verbringen. Dort züchtet er Traberpferde. Eine Neigung, die er vom Vater geerbt hat, der das Gut kurz vor seinem Tod gekauft hatte. "Ich kann die Wochenenden meiner Ehe zählen, an denen wir nicht hier waren", hat seine Frau Uta vor Jahren einmal einer Reporterin anvertraut. Und diese Ehe dauert schon mehrere Jahrzehnte.

Kryptisches Testament

Bleibt nur noch die Frage nach der Aufschlüsselung des väterlichen Testaments. Dort hatte Max Herz verfügt, dass "zwei meiner fähigsten Jungen mindestens 51 Prozent der Firmenanteile erhalten" sollen. Mit der Tchibo-Holding hat Sohn Günter zwar nichts mehr zu tun. Doch der Nachweis, wer denn nun der Fähigste der Brüder sei, steht in seinen Augen noch aus.

lg